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Das denken die WOCHENBLATT-Leser über die Beratungsgebühr

Ralf Kleinknecht hat ein Fachgeschäft für Fahrräder und nimmt sich Zeit für die Beratung seiner Kunden, wie hier für Tanja Weber
(bim). Weil es Kunden gibt, die sich im Einzelhandel gern umfassend beraten lassen und ihr Geld dann doch lieber im Online-Handel ausgeben, erhebt ein Kinderkaufhaus in Münster jetzt für die intensive Beratung rund um Kindertragen eine Gebühr von 25 Euro, die beim Kauf verrechnet werden. Das WOCHENBLATT befragte dazu Fachhändler vor Ort und wollte nun von den WOCHENBLATT-Leserinnen und -Lesern erfahren, was sie davon halten. Hier eine kleine Auswahl der Antworten:

Jörg Heinrichs aus Buchholz:
"Die Einzelhandel-Fachgeschäfte haben viele Kosten wie Ladenmiete, Personalkosten, Strom u.v.m., die ein Online Shop nicht hat. Wenn die Beratungsgebühr dann beim Kauf gegengerechnet wird , ist das völlig richtig. Die Höhe sollte sich nach Aufwand und Produkt richten. Es kann nicht sein, dass sich der Online-Handel oder die Groß-Filialisten auf Kosten des Fach-Einzelhandels bereichern!"

Ingo Millnitz aus Rottorf:
"Eine Beratungsgebühr finde ich fair. Wenn ich dann wirklich kaufe wird die Gebühr ja wieder verrechnet. Meine Erfahrung mit dem Einzelhandel vor Ort ist allerdings negativ. Die Verkäufer sind schlecht ausgebildet, meistens ist nicht einmal jemand zur Stelle. Dann kaufe ich lieber im Internet, da wird der Verkäufer bewertet, das Produkt von anderen Käufern beurteilt. Ich brauche nicht einmal aus dem Haus zu gehen, keinen Parkplatz suchen. Wer heute noch einen Handel vor Ort ohne Internetpräsenz betreibt, darf sich nicht wundern, wenn er bald nicht mehr wettbewerbsfähig ist."
Maria Weber aus Hechthausen: "Eine Diskussion über kostenpflichtige Beratungsgespräche - ist das nicht irgendwie befremdlich und im Ursprung widersinnig? Wo bleibt denn da der Leitfaden der Ausbildung im Einzelhandel: ein gutes Verkaufsgespräch ist ein halber Verkauf? Oft unterscheiden die Angebote sich doch gar nicht mehr in Art und Preis, sondern nur noch in der Qualität der Persönlichkeit des Verkaufsberaters. Oder geht es nicht mehr darum, sich von Mitwettbewerbern abzuheben, sondern den Kunden ans Haus zu 'zwingen' und möglichst schnell zu 'melken'?
Bedenklich ist das, was ich vor einigen Tagen in Stade bei einer kleinen Filiale eines Bekleidungskonzerns erlebte: Auf meine Frage, ob das Modell noch in anderen Größen vorrätig sei, blickte die Mitarbeiterin kurz von ihrem Buchhaltungsordner auf, verneinte meine Frage mit der Empfehlung, doch auf der Homepage des Unternehmens nachzusehen. Auf meinen Einwand, dass ich mir dann die 25 Kilometer Anfahrt hätte sparen können, bekam ich zu hören, dass die Bank mir ja auch keine Überweisung anfertigen und kein Geld mehr am Schalter aushändigen würde…
Ein fachliches Verkaufsgespräch sieht für mich anders aus.
Der Handel möge bedenken, dass selbst, wenn ein gutes Beratungsgespräch sich nicht unmittelbar in barer Münze umsetzen lässt, zu einem wichtigen Multiplikator werden kann.