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Eine Tostedter Institution schließt: Buchbinder Matthies sagt "Tschüss"

Wilhelm und Astrid Matthies führten die Traditions-Buchhandlung fünf Jahrzehnte lang
 
Astrid und Wilhelm Matthies in ihrem Geschäft
bim. Tostedt. Dieses Geschäft war eine Institution in Tostedt: die Buchhhandlung Matthies im Himmelsweg. Jetzt schließen „Herr und Frau Buchbinder“, wie viele Kunden Wilhelm (79) und Astrid Matthies (71) liebevoll nannten, für immer ihre Türen - nach einem halben Jahrhundert Selbstständigkeit! „Mit vielen Erinnerungen an eine schöne Zeit schließen wird unser Fachgeschäft aus Alters- und Gesundheitsgründen“, erklären die sympathischen Tostedter.
Ihnen ist es ein Herzensanliegen, sich bei ihren zahlreichen, netten Kunden für die Treue und das jahrelange gute Miteinander zu bedanken.
„Der Name Buchbinder Matthies war weit und breit bekannt“, sagt Wilhelm Matthies. Da es viele Matthies gibt, wurden die Geschäftsleute früher zur Unterscheidung nach ihren beruflichen Professionen benannt.
Das Traditionsunternehmen wurde im September 1899 von Wilhelm Matthies' Großvater Wilhelm Matthies als Buchbinderei mit Papier- und Schreibwarenhandel in „Snieders Huus“ im Himmelsweg gegründet. Ein Jahr später errichtete der erste Wilhelm - ebenfalls im Himmelsweg - einen Neubau. Der rührige Geschäftsmann wurde von seiner Frau Marie tatkräftig im Laden und im Büro unterstützt. „Mein Großvater war einer der ersten, der Ansichtskarten von Tostedt und Umgebung vetrieben hat“, erinnert sich Wilhelm Matthies. Um Aufnahmen der Heide-Idylle zu machen, legte der Firmengründer in seiner Freizeit weite Wege zurück. Ab 1906 gehörte eine Druckerei zum Geschäft, 1907 wurde die Buchbinderei vergrößert, seit 1910 ist es eine Vollbuchhandlung. 1958 und 1968 wurden Betriebsvergrößerungen vorgenommen.
1940 übernahm Wilhelm Matthies II. mit seiner Frau Dora das Geschäft, bis sie das „Zepter“ schließlich 1967 an Wilhelm und Astrid Matthies übergaben. Nach Schriftsetzer- und kaufmännischer Lehre war Wilhelm III. bestens ausgebildet für die Unternehmensführung, stets unterstützt von seiner Frau Astrid.
Auch war Wilhelm Matthies 1974 mit weiteren Tostedter Geschäftsleuten Mitbegründer des Werbekreises Tostedt. „Wir haben viele Floh- und Christkindlmärkte mit organisiert und mitgemacht“, berichten die Matthies.
Im Laufe der 50 Jahre ihrer Selbstständigkeit haben sich natürlich das Sortiment und auch die Ansprüche der Kunden stetig verändert, worauf sich die „Buchbinder“ stets einstellten.
„Ich bin ja noch mit der Tafel groß geworden“, denkt Wilhelm Matthies an seine Schulzeit zurück. Reichten später linierte und karierte Schreibhefte, wurde das Sortiment im Schulbedarf immer größer. Inzwischen werden u.a. verschieden große Karos in den Heften oder Bleistifte in jeder denkbaren Stärke verlangt. Die Buchhandlung Matthies bot alles, was zu einem erfolgreichen Schulalltag oder ins Büro gehört, Literatur, Gästebücher und vieles mehr an. „Im Einzelhandel muss man immer eine Auswahl präsentieren. Das gehört für ein Fachgeschäft dazu“, erläutern
Astrid und Wilhelm Matthies. Einen Schwerpunkt bildeten auch die Schulbuchbestellungen, die Generationen von Schülern bei Matthies vornahmen.
„Die Kinder sind in den 1980er und 1990er Jahren selbstständiger geworden und heute durch Fernsehen und Internet wesentlich aufgeschlossener“, so Wilhelm Matthies' Eindruck.
„Über die Jahre haben wir auch gute und enge Kontakte zur Bücherei der Samtgemeinde Tostedt gehalten“, berichtet Astrid Matthies.
Wie schwer es den Kunden fällt, dass die Buchhandlung schließt, zeigte sich, als jetzt der Ausverkauf erfolgte. „Ein Schulkind schaute durch die geöffnete Tür und rief ins Geschäft: 'Sie dürfen nicht schließen, wir brauchen Sie noch'“, berichtet Astrid Matthies ganz gerührt.
In ihrem wohlverdienten Ruhestand wollen sich die Matthies stärker ihrer Familie, ihren Freunden und ihren Hobbys widmen. Zu den geplanten Aktivitäten z.B. Fahrradfahren, schwimmen und verreisen.