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Babyleiche nach Exhumierung identifiziert - Die Spur führte 25 Jahre zurück -

bim/nw. Ostertimke. Der Fund zweier Babyleichen auf dem Dachboden eines Einfamilienhauses in Ostertimke im Kreis Rotenburg sorgte im vergangenen Jahr für bundesweites Aufsehen. Eine 43-Jährige hatte 1996 und 2001 heimlich zwei Kinder zur Welt gebracht, in ihrem Haus versteckt und sie dann sich selbst überlassen. Sie wurde Anfang des Jahres wegen Totschlags und versuchten Totschlags vom Landgericht Stade zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Richter attestierte der Frau verminderte Schuldfähigkeit, weil sie die Schwangerschaften offenbar verdrängt und verleugnet hatte.
Damit waren jedoch nicht alle Verdachtsmomente gegen die jetzt 44-jährige Inhaftierte ausgeräumt. Im Verfahren hatte sie von einem möglichen dritten toten Säugling gesprochen. Was fehlte, waren die genaue Erinnerung der Frau und die nötigen Beweise zur Untermauerung der erschreckenden Annahme. Die Suche nach einem dritten Leichnam wurde schließlich abgebrochen.
Weitere Ermittlungen der Rotenburger Beamten führten jetzt rund 25 Jahre zurück bis in das Jahr 1988. Damals war auf einem Rastplatz an der Kreisstraße 126 in der Nähe von Groß Meckelsen eine Säuglingsleiche in einem Mülleimer gefunden worden. Weder die Mutter noch andere Tatverdächtige konnten seinerzeit ermittelt werden. Nach einer durch das Amtsgericht und die Staatsanwaltschaft Stade angeordnete Exhuminierung ergab die DNA-Auswertung, dass die 44-Jährige zweifelsfrei auch die Mutter des 1988 aufgefundenen Säuglings ist.
Ins Rollen gekommen war das Verfahren, nachdem sich Ende Juni 2012 der damals 47-jährige Bewohner des Hauses in dem kleinen Ort Ostertinke nahe Zeven bei der Polizei gemeldet und von dem schrecklichen Fund eines verwesten Leichnams bei Aufräumarbeiten berichtet hatte. Experten des zuständigen Fachkommissariats der Rotenburger Polizei übernahmen den Fall und entdeckten auf dem schwer zugänglichen Dachboden eine weitere Leiche, ebenfalls die eines verwesten Säuglings. Rasch geriet die damals 43-jährige Ex-Frau des Mannes bei den Ermittlungen in den Verdacht, für den Tod der beiden Babys verantwortlich gewesen zu sein. Bereits während der polizeilichen Vernehmungen und auch später in der Gerichtsverhandlung vor dem Landgericht Stade legte sie ein umfassendes Geständnis ab.
Im Hinblick auf die 1988 gefundenen Säuglingsleiche leugnet die 44-Jährige bislang jede Beteiligung an dieser Tat. Sie wird dafür auch nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden können. Zum einen lässt sich heute die Todesursache nicht mehr zweifelsfrei klären. Zum anderen wäre selbst bei einem strafbaren Handeln von Verjährung auszugehen, so dass das Verfahren endgültig eingestellt worden ist.