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Abhängig von der virtuellen Welt

Rechner einschalten, das Smartphone griffbereit daneben: Jugendliche verbringen ihre Freizeit häufig im Internet

Internetsucht bei Jugendlichen: Mehr Beratungsbedarf in den Landkreisen

(ab). (ab). Nach dem Weckerklingeln greift Leon T.* (17) zum ersten Mal nach seinem Smartphone. Er checkt die aktuellsten „Posts“, kontrolliert Nachrichten und Mitteilungsdienste. Mehrmals am Tag blickt Leon auf sein Handy, das ihn tagsüber begleitet. Kommt er aus der Schule, sitzt der Jugendliche aus Apensen erst mal am Computer, oft mehrere Stunden täglich. „Als süchtig würde ich mich noch nicht bezeichnen“, sagt er und fügt hinzu: „Oder vielleicht ein bisschen.“ Denn für Leon ist die tägliche Nutzung des Netzes nicht nur reines Vergnügen - es ist nahezu zur Pflicht geworden. Er müsse Bescheid wissen darüber, was andere im Netz machen, informiert sein, „sonst wird man abgehängt“, befürchtet er.

Aktuelle Zahlen zeigen Alarmierendes: Die Internetsucht bei Jugendlichen steigt (siehe Kasten). Auf dem aktuellsten Stand sein, in sozialen Netzwerken Präsenz zeigen oder „gamen“ und dabei in die virtuelle Welt abtauchen: Dass Jugendliche ihr Leben zunehmend im Internet bestreiten, weiß auch Diplom-Psychologin Kerstin Meyer, Leiterin der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Diakonieverbandes in Buxtehude und Stade. „Die Beratungsnachfrage bei uns steigt“, bestätigt sie. Dabei stellten sich geschlechtsspezifische Unterschiede heraus. Meyer: „Zu uns kommen eher Eltern mit männlichen Jugendlichen, die beispielsweise zur Computerspielsucht neigen. Mädchen dagegen sind massiv in sozialen Netzwerken unterwegs - das hat eine andere, beunruhigendere Dimension.“ Was sie anrichten, wenn sie z. B. freizügige Fotos posten, sei vielen nicht klar. „Einmal auf einer Dating-Plattform hochgeladen oder mit WhatsApp verschickt, kann das Bild quasi um die ganze Welt gehen. Das sehe ich als großes Problem an.“

Eltern würden sich häufig für das Verhalten ihrer Töchter schämen. Und selbst wenn sie das Ausmaß erkennen sollten, wäre es ihnen oft unangenehm, Beratung in Anspruch zu nehmen, so die Psychologin.

Jugendliche würden selten aus eigenem Antrieb um Unterstützung bitten. „Der Leidensdruck ist niedrig, denn im Internet wird ihnen das Gefühl vermittelt, soziale Kontakte zu pflegen. Fällt die massive Internetnutzung dann durch Nachlassen der schulischen Leistung oder Dauerübermüdung auf, ist die Abhängigkeit meist schon stark vorangeschritten.“ Und je älter der Jugendliche sei, desto schwieriger falle es Erziehungsberechtigten, einzugreifen.

Dass die Sucht erst auffällt, wenn es Probleme im Alltag gibt, bestätigt auch Sozialpädagoge Michael Mocko vom Sozialpsychiatrischen Dienst in Buchholz. „Jugendliche wachsen in die Medienlandschaft hinein, darum ist es wichtig, dass sich Eltern und Umfeld damit auseinandersetzen. Und je mehr Probleme es im Alltag gibt, desto häufiger sind Jugendliche im Netz unterwegs“, sagt er und rät Eltern dazu, Interesse an der Mediennutzung ihrer Kinder zu zeigen und nachzuhaken. „Auch wenn das häufig zu Konflikten führt.“

*Name v. d. Redaktion geändert


Steigende Zahlen bei Jugendlichen
Rund 600.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland sind internetsüchtig, so das Ergebnis einer Studie, die die Drogenbeautragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, in Auftrag gegeben hatte. Demnach sind Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren pro Woche im Durchschnitt etwa 22 Stunden im Netz. Aktuelle Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung belegen: Bei männlichen Jugendlichen sind die sog. internetbezogenen Störungen von 3,0 Prozent im Jahr 2011 auf 5,3 Prozent im Jahr 2015 gestiegen. Bei den weiblichen Jugendlichen hat sich der Anteil von 3,3 Prozent auf 6,2 Prozent fast verdoppelt.


Hier gibt es Infos und Hilfe
• Landkreis Stade: Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Diakonieverbandes der Ev.-luth. Kirchenkreise Buxtehude und Stade, Tel. 04141 - 52140, www.diakonieverband-buxtehude-stade.de
• Landkreis Harburg: Diakonisches Werk der Ev.-luth. Kirchenkreise Hittfeld und Winsen, Tel. 04181 - 4000,
www.diakonie-hittfeld-winsen.de
• Für Schulen: Stiftung Medien und Online Sucht, www.stiftung-medienundonlinesucht.de
• Für Jugendliche interessant: www.ins-netz-gehen.de
Für Schulen: Stiftung Medien und Online Sucht, www.stiftung-medienundonlinesucht.de
Für Jugendliche interessant: www.ins-netz-gehen.de