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Achtung! Liebestrunkene Kröten auf Paarungstour

Liebestrunkene Kröten sind derzeit auf Paarungstour
 
Anne Post mit einer der eingesammelten Kröten
(bim). Jetzt sind sie wieder unterwegs - die liebestrunkenen Kröten und Frösche. Wenn die Weibchen die Männchen huckepack aus dem Winterquartier zum Laichplatz tragen, fallen sie allzuoft dem Straßenverkehr zum Opfer. Aber - so weiß Anne Post (52) aus Buchholz, die die Amphibien seit Jahrzehnten einsammelt - auch Fußgänger und Radfahrer sollten aufmerksam sein.
Anne Post ist zur Paarungszeit der Amphibien zweimal abends unterwegs, sammelt auf dem Weg oberhalb ihrer Wohnung am Reiherstieg jeweils bis zu 60 Kröten ein und setzt sie am Ufer des rund 500 Meter entfernten Stadtsees ab. Der Weg wird nicht nur von Anliegern zu Fuß oder mit dem Rad, sondern als Teil des preisgekrönten Heidschnuckenwegs auch von Wanderern genutzt.
Da die kleinen Kröten nicht größer als ein Tannenzapfen sind, die leicht übersehen und totgetrampelt werden, bittet Anne Post um mehr Aufmerksamkeit und um Rücksicht. "Vielen ist gar nicht bewusst, dass sie die Kröten gefährden", sagt sie. Die meisten seien überrascht und würden ihre Hinweise dankbar annehmen, so Anne Post. Vor dem Straßenverkehr kann sie die Tiere allerdings nicht schützen.
Kröten und Frösche wandern, sobald die Temperaturen über fünf Grad steigen und es etwas regnet. Dann machen sie sich auf den Weg zu ihrer Geburtsstätte, um dort selbst für Nachwuchs zu sorgen. Oft müssen sie dazu Straßen überqueren.
Landesweit sind daher viele Ehrenamtliche im Frühjahr Nacht für Nacht im Einsatz, um die Amphibien an den Schutzzäunen einzusammeln und sie in Eimern sicher über die Straßen zu bringen.
Im Landkreis Harburg gibt es sechs Amphibienzäune - an der K11 bei Eddelsen, an der K52 (Rosengartenstraße) zwischen der Karlsteinschänke bis zur B3-Kreuzung, an der B3 von der Rosengartenstraße bis Elstorf, an der K22 bei Brackel, an der L141 von Tostedt nach Welle sowie an der L217 bei Tespe.
Umstritten sind allerdings die teuren "Kröten-Autobahnen", die asphaltierten Tunnel, die unter manchen Straßen gebaut wurden. So wie die 1.200 Meter lange "Amphibienleitanlage" mit zehn Tunneln an der K28 zwischen Holm und Inzmühlen. Diese wurde 2006 für rund 320.000 Euro auf vielfache Forderungen von Naturschützern zum ganzjährigen Schutz der dort wandernden Lurche gebaut.
Über die Anlage machen sich selbst die Geocacher - Leute, die per GPS auf Schnitzeljagd gehen und nach sogenannten "Caches" (Verstecken) suchen - lustig. Sie nutzen den Krötentunnel für einen Cache und schreiben in einem ihrer Foren: "Dieser Cache ist einem Bauwerk gewidmet, welches für diese ländlichen Verhältnisse fast als Jahrhundert-Bauwerk zu werten ist."
Beim Landkreis gilt der Krötentunnel allerdings als Erfolgsmodell. In der Saison würden 6.000 bis 8.000 Tiere im Bereich der K28 gezählt, von denen 80 Prozent nun sicher zu ihren Laichgewässern, den Holmer Teichen, kämen. Für die Rechtfertigung eines solchen Bauwerkes reiche eine Quote von 65 Prozent, so Kreissprecher Johannes Freudewald.
Zwei ältere Krötentunnel gibt es im Landkreis Harburg noch in Appel am Aarbach und am Dangerser Weg bei Rade.
Im Landkreis Stade hatte die BUND-Kreisgruppe in Stade-Ottenbeck im Frühjahr 2010 einen Amphibienzaun aufgestellt, der von der BUND-Kreisgruppe und von Anwohnern betreut wurde. Dort gibt es inzwischen eine Schranke, die zur Wanderzeit aufgestellt und später wieder abgebaut wird.