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Auklärung als Antidot gegen Demagogen

Ob islamistischer Hassprediger oder Anti-Islampapst, die Figuren sind austauschbar. Wo Aufklärung fehlt, jubelt die Masse schnell „falschen Propheten“ zu (Foto: Foto: Fotolia © bluedesign)
 
Necdet Savural, Unternehmer und Kreispolitiker aus Hanstedt (Foto: Holger Savural)
(mi). Das beste Antidot (Gegenmittel) gegen die von AfD und anderen xeno- und islamophoben Demagogen instrumentalisierten Ansammlungen - Selbstbezeichnung „Pegida“ - ist Aufklärung. Eine Aufklärung, die jedoch auch vor den Türen der Moscheen nicht halt machen darf, fordert jetzt der türkischstämmige CDU-Kreistagspolitiker aus dem Landkreis Harburg, Necdet Savural. In einem Brief an das WOCHENBLATT kritisiert der Politiker, der, wie er sagt, den muslimischen Glauben im Herzen trägt, auch den Umgang der muslimischen Gemeinschaft mit Ängsten gegenüber dem Islam, die sich derzeit auf den Demos in Dresden Bahn brächen.
Mit dem Thema Integration und Fremdenangst kennt sich Necdet Savural bestens aus. Er kam Anfang der 1970er Jahre als türkischer Gastarbeiter nach Deutschland. Heute führt Savural in Hanstedt erfolgreich ein Familienunternehmen, das sich auf die Vermarktung von Industriegütern in Entwicklungsländern spezialisiert hat. Außerdem sitzt er für die CDU im Kreistag sowie im Samtgemeinderat Hanstedt. Hier spricht also kein Theoretiker, sondern jemand, der eine eigene Migrationsgeschichte hat. Der sich mit dem Islam genauso wie mit niedersächischem Brauchtum verbunden fühlt.
„Warum können wir Muslime, die wir hier in Deutschland leben, nicht aufstehen, und die Hassprediger in die Schranken weisen?“, fragt der Politiker. Seiner Ansicht nach hätten die Muslime in Deutschland viel zu lange gewartet, bis sie sich von den Gräueltaten des IS distanzierten. In manchen Moscheen trieben gewisse Hassprediger nach wie vor ihr Unwesen. Hier sieht Necdet Savural die Glaubensgemeinschaft in der Pflicht: „Warum gibt es beim Freitagsgebet nicht konsequent eine Aufklärungskampagene auf deutsch, die besonders auf junge Leute zugeschnitten ist? Warum können Islamgelehrte nicht ihre religiöse Autorität für eine zeitgemäße, dem 21. Jahrhundert angepasste, Neu-Interpretation des Korans einsetzen?“, fragt Necdet Savural. Wolle man seitens der Muslime Hasspredigern und konvertierten selbsternannten Islamkennern nicht das Feld überlassen, müssten Islamgelehrte in den Moscheen noch stärker aufklären. Denn bei vielem, was negativ mit dem Islam in Verbindung gebracht werde, zum Beispiel das Tragen einer Burka, sei es fraglich, ob es überhaupt im Koran stünde.
„Warum haben die Islamgelehrten bei uns nicht den Mut, zu erklären, dass die Scharia nicht über dem Grundgesetz stehen darf und kann? Das wäre die Aufgabe der Muslime und nicht die der Politik“, so der CDU-Politiker.
Allerdings: Auch die Politik müsse ihre Hausaufgaben besser machen. Was in Dresden instrumentalisiert würde, sei auch die Angst vor dem Unbekannten. Demnach sei es Aufgabe der Politik, den Bürgern zu erklären, warum Flüchtlinge kommen, warum wir sie aufnehmen müssen und dass dieses humanitäre Engagement Geld koste. Allerdings müssten Politiker auch ehrlich sein und erklären, dass viele Länder weit aus mehr Flüchtlinge aufnehmen. Die Türkei zum Beispiel habe bis jetzt fast zwei Millionen Syrern Zuflucht gewährt.
Necdet Savural: „Wichtig ist Aufklärung auf beiden Seiten. Ebenso wie die Islamisten und der IS den Islam instrumentalisieren, verfahren bestimmte Parteien mit den Ängsten und Sorgen der Bürger hier.“