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Bienensterben: Ist die Obsternte bedroht?

Von der Varroamilbe befallene Bienen: Flügel und Beine sind verkrüppelt. Gegen den Parasiten sind die Fluginsekten ohne Chance (Foto: Maren Kolter)
 
Eine Biene bei der „Arbeit“: Bis zu 300 Blüten bestäuben die gelb-gestreiften Nektarsammler pro Tag (Foto: Fotolia © Daniel Prudek)
(mi).

Imker, auch in den Landkreisen Harburg und Stade, klagen derzeit über ein vermehrtes Bienensterben und bestätigen damit laut Deutschem Imkerbund eine deutschlandweite Entwicklung. Laut dem Verband überlebten durchschnittlich 22 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht. Normal seien um die zehn Prozent. Setzt sich dieser Trend fort, könnte das irgendwann dramatische Folgen für die Landwirtschaft haben - auch der Obstbau im Alten Land wäre wohl gefährdet.

„Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“, etwas plakativ brachte schon Albert Einstein eine einfache Wahrheit auf den Punkt: Bauern brauchen Bienen! Für die Landwirtschaft sind die kleinen Fluginsekten unersetzbar. Der Grund: Für ein halbes Kilogramm Honig fliegt ein Bienenvolk zwei bis drei Millionen Blüten an und bestäubt sie dabei. Diese Leistung ist weder durch Mensch noch Maschine zu ersetzen. Ertragseinbußen um die 80 Prozent wären die Folge, gäbe es keine Bienen mehr.
Doch trotz dieser Erkenntnis sind die fleißigen Fluginsekten auch bei uns bedroht.
Der Hauptfeind ist die Varroamilbe. Ein Parasit, der in den 1970er Jahren aus Asien eingeschleppt wurde. Heimische Bienen haben gegen den Eindringling aus dem Osten ohne menschliche Hilfe keine Chance.
Eugen Czernitzki, Pressereferent beim Imkerverein Harburg-Seevetal, macht die Milbe für das Gros aller Verluste verantwortlich. Das Problem: Die Behandlung befallener Völker sei teuer und müsse dazu regelmäßig wiederholt werden. „Manchem Imker wird das zu viel“, so der Pressereferent. Hinzu käme, dass Imker mittlerweile vielfach mit einer bienenfeindlichen Umwelt zu kämpfen hätten. Eugen Czernitzki: „Maismonokulturen und immer mehr Grünflächen ohne jegliche Wildkräuter entziehen Bienen systematisch die Nahrungsgrundlage.“ Ein Schritt in die richtige Richtung sei das Programm der Landwirtschaftskammer, Bauern, die an den Feldrändern sogenannte Blühstreifen stehen lassen, finanziell zu unterstützen. Privatleuten rät der Imker, sogenannte Bienenweiden mit nektarreichen Blumen in ihren Gärten anzulegen.
Beim Kreisimkerverein Stade geht man davon aus, dass rund 23 Prozent aller Bienenvölker im Vereinsgebiet nicht über den Winter gekommen sind. „Das ist mehr als im Vorjahr“, sagt dazu Vorsitzender Niko Matz. Der Grund sei vor allem der milde Winter. Noch im Dezember sei es so warm gewesen, dass Bienen ausgeflogen und sich bereits behandelte Völker neu mit der Milbe infiziert hätten. Allerdings federe ein ungewöhnlich hoher Völkerzuwachs in 2013/2014 die Verluste ab. Für die diesjährige Apfelblüte im Alten Land gibt der Imker Entwarnung: „Die Obsternte ist nicht in Gefahr, dafür sind die Ausfälle zu gering“.
Kritischer beurteilt Dr. Wolfram Klein, beim Obstbauversuchsring Altes Land zuständig für die Themenfelder Bienen und Bestäubung, die Situation. Laut Klein sei eine ausreichende Bestäubung in diesem Jahr nur noch garantiert, weil es eine sehr geringe Apfelblüte gibt. Klein: „Hätten wir eine Blüte wie vergangenes Jahr, wären Ernteeinbußen nicht auszuschließen.