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„Bufdi.EU“ bittet soziale Einrichtungen zur Kasse

Kein offizielles Angebot, sondern ein für soziale Einrichtungen kostenpflichtiger Drittanbieter: Die Seite Bufdi.EU (Screenshot)

Private Webplattform verdient mit Bundesfreiwilligendienst Geld / Bundesamt distanziert sich vom Angebot

(mi). Beim Haus Huckfeld, einer Einrichtung für geistig und mehrfach behinderte Menschen, mit Sitz in Seevetal, war man verwirrt, als plötzlich eine Rechnung über monatlich 29 Euro bei einer Laufzeit von 24 Monaten von der Internetplattform „Bufdi.EU“ ins Haus flatterte. Erst Nachforschungen ergaben: Eine Mitarbeiterin hatte einen Bundesfreiwilligen (Bufdi) gesucht und deswegen das Haus Huckfeld bei „Bufdi.EU“ registriert.
Die Plattform „Bufdi.EU“ präsentiert sich im Netz als die Seite für den Bundesfreiwilligendienst. Wer eine „Bufdi-Stelle“ sucht, kann sich dort kostenlos registrieren. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille, gleichzeitig scheint „Bufdi.EU“ nämlich auch Geld verdienen zu wollen. Denn soziale Einrichtungen, denen die Seite die Möglichkeit bietet, dort ein Bufdi-Gesuch zu platzieren, schließen damit einen Abo-Vertrag ab. Der gleich 24 Montate läuft und nicht vorher kündbar ist.
Heute sagt die Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte, auf der Internetseite hätte es damals außer in den AGB keinen Hinweis gegeben, dass es sich um ein kostenpflichtiges Abo handele. Um fair zu bleiben, auf der Seite ist nach ein paar Klicks sehr wohl nachvollziehbar, dass mit der Registrierung gleichzeitig Kosten anfallen. Ob die Betreiber hier nachgebessert haben oder die Mitarbeiterin sich einfach nur irrt, sei dahingestellt.
Aufmerksam auf „Bufdi.EU“ war man im Haus Huckfeld auch durch einen WOCHENBLATT-Artikel geworden. Der Artikel stellte die Internetseite damals, einer Pressemitteilung von „Bufdi.EU“ folgend, als eine kostenlose Plattform für die Bufdi-Stellenvermittlung vor. Dass dahinter wohl auch eine lukrative Geschäftsidee steckt, offenbarten weder die Seite noch die Pressemitteilung zum Zeitpunkt des Artikels - auch nicht auf den zweiten Klick bzw. Blick.
Nun hat sich „Bufdi.EU“ wieder mit einer Pressemitteilung an das WOCHENBLATT gewandt. Wieder ist die Meldung scheinbar informativ, voller „Fakten“. Sie nimmt Bezug auf eine Anfrage der Partei „Die Linke“ an die Bundesregierung. Die Aussage: Die Zahlen der Bufdi-Bewerber brechen ein. Es folgt ein Link zu „Bufdi.EU“ mit dem Hinweis: „Informationen für Stellensuchende und viele Bundesfreiwilligendienst-Stellen gibt es unter „www.Bufdi.EU“. Wieder vermittelt die Nachricht den Anschein, es handele sich um eine Mitteilung von offizieller Stelle.
Bei „Bufdi.EU“ wollte man sich gegenüber dem WOCHENBLATT nur schriftlich äußern. In einer E-Mail teilte die Pressestelle mit, man verstehe die Kritik nicht. Denn, so heißt es dort, „29 Euro pro Monat sind ein sehr günstiger Preis. Sowohl der Preis wie auch die Laufzeit werden bei der Anmeldung deutlich angegeben...“
Beim für den Bufdi zuständigen Bundesamt für Familie beobachtet man die Seite allerdings schon länger. Dort habe es laut Pressesprecher Peter Schloßmacher auch schon Beschwerden über „Bufdi.EU“ gegeben. Das Amt habe sich deswegen veranlasst gesehen, in einem Rundschreiben die Dachorganisationen sozialer Einrichtungen darüber zu informieren, dass der Bund nicht für „Bufdi.EU“ verantwortlich zeichnet. Stattdessen handele es sich, so wörtlich, um einen Drittanbieter, der eine kostenpflichtige Dienstleistung erbringen möchte. Zum Inhalt der Pressemitteilung von „Bufdi.EU“ befragt, sagte der Pressesprecher, von einem Einbrechen der Zahlen könne keine Rede sein. Es gäbe nach wie vor mehr Bewerber als vom Bund finanzierbar wären. Also ist auch der Inhalt der Mitteilung - zumindest aus Sicht des Amts - falsch. Nicht verwunderlich. Schließlich braucht man zur Vermarktung einer kostenpflichtigen Dienstleistung auch Werbung und keine Fakten. Nur wäre es fair, „Bufdi.EU“ würde seine Werbung auch als solche kenntlich machen.
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