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Cybermobbing kann Leben zerstören

Slawomir Siewior präsentiert sein Präventionsprogramm vor den Schülern der Geestlandschule (Foto: Pro Juventute / am)
 
Robin Kilian, Tim Milbredt, Tobi Westphal und Madeleine Gloth hat der Vortrag nachdenklich gemacht
(am). Ein Bild oder ein kurzer Beitrag reicht, um das Leben eines Schülers dramatisch zu erschweren - Cyber-Mobbing ist auch an deutschen Schulen verbreitet. Dabei sind nicht nur die neuen technischen Möglichkeiten, sondern auch die Offenheit und Unbedarftheit der Schüler ein Problem. "Heutzutage ist es nicht unüblich, dass Jugendliche sich vor dem ersten Date ein Nacktbild von sich schicken", sagt Lehrer und Präventionstrainer für Cyber-Mobbing Slawomir Siewior. Eine Entwicklung, die zum Verhängnis werden kann. Denn, ist die Beziehung beendet, kann das vertrauliche Bild plötzlich für Mitschüler, Lehrer, für alle im Internet landen - für den oder die Betroffene eine Tragödie.
"Prävention ist unglaublich wichtig", sagt Slawomir Siewior. "Viele Schüler sind im Umgang mit den Kommunikationsmedien und ihren privaten Daten gutgläubig und offenherzig." Seit 2011 stellt er an Schulen sein Präventionsprogramm "Stop, sei schlauer!" vor, arbeitet mit Schülern, hält Vorträge vor Lehrern und Eltern.
Das Cyber-Mobbing taucht in vielen Gestalten an den Schulen auf: Das kann von Beschimpfungen, Belästigung oder Verbreitung von Gerüchten bis hin zur Bloßstellung und Ausschluss gehen. Auch das Auftreten unter einer falschen Identität wird grausam, wenn vermeintliche Freundschaften im Internet aufgebaut und missbraucht werden.
Für den Fall, dass es zu Cyber-Mobbing kommt, versucht er den Schülern leichte Regeln an die Hand zu geben: 1. Hör auf – und antworte nicht. 2. Sichere die Informationen. 3. Teile dich mit, je schneller, desto besser.
Slawomir Siewior verwendet bei seinen Vorträgen einen auf Emotionen basierenden Ansatz. Er schildert reale, tragische Fälle von Schülern und Schülerinnen, die sich zum Teil am Ende ihres Leidensweges das Leben genommen haben. "Es ist wichtig, dass solche Geschichten in einem pädagogischen Rahmen vorgestellt werden und die Schüler von solchen Fällen nicht aus dem Fernsehen erfahren", sagt der Pädagoge. Ansonsten sei die Gefahr der Nachahmung groß. Die Schüler sind bei seinen Vorträgen sehr aufmerksam. Oft fangen Mädchen, aber auch manchmal Jungs, an zu weinen. Daran merkt er, wie präsent das Thema wirklich ist.
Auch die Schüler der Geestlandschule in Fredenbeck hören Slawomir Siewior aufmerksam zu. Der Förderverein der Schule hat den Präventionstrainer eingeladen. "Es ist unglaublich, dass diese Sachen wirklich passiert sind", sagt Madeleine Gloth im Nachhinein. Doch auch bei den Schülern in Fredenbeck ist Cyber-Mobbing nicht unbekannt. Robin Kilian berichtet von einer Bekannten aus einem Nachbarort, die wegen veröffentlichter Nacktbilder weggezogen ist.
• Weitere Infos auf www.stop-the-mob.de Was ist Cyber-Mobbing? Cyber Mobbing, das an Schulen stattfindet, bezeichnet man als Cyber-Bullying. Slawomir Siewior definiert Cyber-Bullying als die bewusste oder unbewusste Schädigung anderer Schüler oder Lehrer durch Jugendliche mit modernen Kommunikationsmitteln wie Handys oder dem Internet. Dies kann kurzfristig oder langfristig geschehen und die Folgen sind für die Opfer viel gravierender als beim Schulhof-Bullying, da das Opfer ganztags belangt werden und der gesamte weitere Lebensweg betroffen sein kann.