Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Der Mangel an Erziehern bereitet vielen Kitas im Landkreis Stade immer größere Probleme

Unkonventionelle Mitarbeitersuche: Die Kita Schatzkiste in Steinkirchen versucht es mit einem Transparent (Foto: am)
 
Auch die DRK-Kita in Hahle sucht wie viele andere für ihre Schützlinge neue Mitarbeiter (Foto: am)
(am). Die Kita Schatzkiste in dem kleinen Ort Steinkirchen im Alten Land versucht es mit allen Mitteln. Mit Transparenten, die am Fenster hängen, und auf Facebook suchen die Mitarbeiter nach einem neuen Kollegen oder einer neuen Kollegin. So wie der Kita Schatzkiste geht es sehr vielen Einrichtungen im Landkreis. Es gibt kaum eine Kommune oder einen Träger, der nicht eine Stelle ausgeschrieben hat. Manche suchen über Monate.
Dass immer mehr Fachkräfte gesucht werden, belegen auch die Zahlen der Arbeitsagentur: Im November 2015 waren im Landkreis Stade insgesamt 51 offene Stellen für Erzieher und Sozialassistenten gemeldet. Nur 14 dieser Fachkräfte waren in dieser Zeit auf der Suche nach Arbeit. Ein Jahr vorher war das Verhältnis ausgewogener: 32 offenen Stellen standen 26 Arbeitssuchenden gegenüber.
Eine der Hauptursachen sind die neuen Kitagesetze. Seit August 2013 haben alle Kinder ab einem Jahr einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz. Viele neue Krippengruppen sind entstanden. "Das fegt den Markt leer", sagt die Leiterin der DRK-Kindertagesstätte in Hahle, Christa Ahlers. Auch sie sucht eine, am besten sogar zwei Erzieherinnen.
Warum gibt es nicht mehr Menschen, die sich beruflich um die Kleinen kümmern wollen? Die Ausbildung zum Erzieher (vier Jahre) oder Sozialassistenten (zwei Jahre) ist eine schulische Ausbildung. Das heißt die Schüler erhalten anders als beispielsweise bei einer handwerklichen Ausbildung kein Gehalt. Die Berufsbildenden Schulen in Stade bieten diese Fachrichtung als Einzige im Landkreis an. Laut Schulleiter Rainer Albers seien die Schülerzahlen in den vergangenen Jahren konstant geblieben. "Die Ausbildung ist anspruchsvoll und es gibt einfach nicht mehr Bewerber", sagt er. "Der Beruf ist trotz der Tarifverhandlungen immer noch zu schlecht bezahlt." Eine Möglichkeit sich berufsbegleitend weiterzubilden, gibt es im Landkreis nicht.
Viele Einrichtungsleiter stehen jetzt vor einem Dilemma. Denn die Gesetze schreiben vor, wie viele ausgebildete Fachkräfte eine Gruppe betreuen müssen. Wenn eine Stelle unbesetzt ist, müssen die anderen Mitarbeiter über ihre vertragliche Stundenzahl hinaus arbeiten. "Das funktioniert aber nicht über einen längeren Zeitraum", sagt Christa Ahlers. "Wenn die Überstunden nicht abgebummelt werden können, sind die Mitarbeiter mit der Zeit überlastet und fallen krankheitsbedingt aus." Die Situation verschärfe sich dadurch noch mehr.
Hinzu kommt, dass die Kitas immer mehr Zuwachs durch die Kinder der Flüchtlinge erhalten. "In einem halben oder dreiviertel Jahr werden viele Kitas und Kommunen in großen Schwierigkeiten sein", sagt Ahlers.
Momenten sind im Landkreis einschließlich der Kinder aus den Notunterkünften rund 200 im Krippen- oder Kindergartenalter. "Wie viele Kinder tatsächlich einen Platz in Anspruch nehmen werden, ist schwer zu sagen", sagt Christian Schmidt, Pressesprecher beim Landkreis. "Man kann nur schätzen, wie viele Familien ihre Kinder in die Betreuung geben werden oder wie viele Familien überhaupt in Stade bleiben." Fest steht aber, dass die Anzahl der Kinder mit Anspruch auf Betreuung steigen wird.