Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Die "A7" des Mittelalters

Kreisarchäologe Daniel Nösler steht an der Kreuzung des "Alten Marktweges" und des Kirchweges
am. Deinste. Der schlammige Sandweg, der an dem kleinen Ort Deinste vorbeiführt, war mal eine internationale Verbindung für Börseninformationen und Viehhandel. Er war Teil des Ochsenweges von Dänemark nach Holland, heute hat der sogenannte "Alte Marktweg", der von Horneburg über Wedel und Kutenholz nach Bremervörde führt, seine Bedeutung verloren. Im Sommer 2015 hat Kreisarchäologe Dr. Daniel Nösler gemeinsam mit Dr. Donat Wehner von der Uni Kiel begonnen ihn zu erforschen. Die zahlreichen Funde und Ergebnisse sollen jetzt im Juni in einer Publikation erscheinen.
"Wenn man sich den Weg anschaut, denkt man, hier ist ja gar nichts. Aber wenn man erfährt, wie es hier mal zugegangen ist, dann wird es interessant", sagt Nösler. Tausende Ochsen wurden hier im Mittelalter bis ins frühe 19te Jahrhundert aus Jütland in Dänemark bis nach Hamburg durch das Alte Land, den Marktweg entlang, nach Bremen bis nach Holland durch den Schlamm getrieben. "Man muss sich vorstellen, dass beispielsweise die dünnen Wagenräder bis zur Narbe im Schlamm eingesunken sind. Viele Beschwerden von Reisenden sind überliefert", so der Archäologe. Teile des Weges sind bis heute unverändert und lassen erahnen, wie es hier ausgesehen haben könnte.
Ab dem 17ten Jahrhundert hatte der "Alte Marktweg" noch eine weitere wichtige Funktion. Die "Emder Boten" brachten börsenrelevante Informationen aus den damaligen Handelshochburgen Hamburg, Amsterdam und Antwerpen. Zwei bis drei Tage brauchten sie dafür, wofür das Internet heute den Bruchteil einer Sekunde benötigt. Horneburg hat so dem "Alten Marktweg" seine heutige Größe zu verdanken. Denn dort siedelten sich zahlreiche Handwerker wie Wagner oder Schmiede an.
Ein zentraler Punkt des "Alten Marktweges" war die Kreuzung mit dem Kirchweg nahe bei Dienste. Der Alte Kirchweg führte von Stade nach Harsefeld und weiter Richtung Süden. Er wurde schon im 12ten Jahrhundert unter anderem von von Pilgern aus den skandinavischen Ländern genutzt.
An der Kreuzung der beiden Routen haben die Archäologen besonders viele Fundstücke geborgen. Darunter sind Münzen aus Böhmen, Polen oder Dänemark aber auch ein großer Knopf eines Dandys. Der Edelmann mit ausgewähltem Kleidergeschmack muss auf dem Marktweg unter den Bauern wohl reichlich Aufsehen erregt haben, schmunzelt Nösler.
Touristisch wurde der "Alte Marktweg" 1994 erschlossen, die Schautafeln befinden sich aber, wie das WOCHENBLATT berichtete, heute in keinem guten Zustand.
• Die Publikation erscheint im Juni in der Zeitschrift „Archäologie in Niedersachsen“ und wird dann im Buchhandel erhältlich sein. Weitere Informationen werden bald in dem archäologischen Blog „Ausgrabung aktuell“ veröffentlicht: http://ausgrabung-aktuell.museen-stade.de.