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Entenretter wird mit Bußgeld bestraft

Eine Entenfamilie watschelt über die Autobahn - ähnlich wie auf diesem Symbolfoto stellte sich die Situation für Wolfgang Wentzien (kleines Foto) dar (Foto: archiv / Fotomontage: MSR)
(bim). Mitte Juli abends auf der A26 zwischen Stade und Dollern: Wolfgang Wentzien (69) ist mit ca. 120 km/h unterwegs, will eigentlich nur nach Hause. Plötzlich sieht er, wie einige Autofahrer vor ihm mit ihren Wagen regelrechte Haken schlagen, nach rechts und links ausweichen. Dann erkennt er den Grund für die riskanten Fahr-Manöver: Eine Entenmutter mit rund 15 Küken versucht, die Autobahn zu überqueren. Der Tier- und Menschenfreund aus Hollenstedt reagiert sofort. Er stoppt seinen Wagen auf dem Standstreifen, steigt aus, warnt winkend andere Autofahrer vor dem „Hindernis“ auf der Fahrbahn und scheucht die Entenfamilie in ein gegenüberliegendes Moorgebiet. Der „Dank“ dafür: Ihm drohen eine Geldbuße und ein Punkt in der „Verkehrssünderdatei“.
Für Wolfgang Wentzien ist das ein Unding. Viel Verkehr sei zu diesem Zeitpunkt nicht gewesen. Weder für ihn noch für andere Autofahrer sei es brenzlig gewesen, betont der Entenretter. Zum Verhängnis wurde ihm, dass er einer Polizeistreife folgte. „Ich wollte den Beamten sagen, dass sie ihren Einsatz wegen der Entenfamilie abbrechen können“, erzählt der Rentner. Dabei war er der eigentliche Grund der Blaulicht-Fahrt, denn der Polizei war „ein verwirrter alter Mann auf der Autobahn“ gemeldet worden.
Die Beamten zählten zwei und zwei zusammen und verwarnten Wentzien. Eine Woche später flatterte der Bußgeldbescheid ins Haus - weil er auf der Autobahn geparkt (70 Euro) und diese als Fußgänger überschritten (10 Euro) habe, wobei das schwerere Vergehen geahndet wird. Hinzukommen 25 Euro Verfahrenskosten. Und ab 60 Euro droht zudem ein Punkt in Flensburg.
„Was würden Sie in einer solchen Situation tun?“, fragt Wolfgang Wentzien empört, „stellen Sie sich vor, ein schreckhafter Autofahrer hätte wegen der Enten das Lenkrad verrissen und einen Unfall verursacht“, sagt der Hollenstedter, der gegen den Bußgeldbescheid vorgehen will. Bußgeld trotz Verwarnung - das komme einer zweifachen Bestrafung gleich und sei nicht zulässig, sagt Wolfgang Wentzien. Außerdem habe die Polizei beide angezeigten Vergehen nicht einmal gesehen.
Sein Rechtsanwalt Thomas Gerken aus Buchholz bestätigt auf WOCHENBLATT-Nachfrage: „Wenn Herr Wentzien eine rechtlich relevante Ermahnung erhalten haben sollte, sollte die Sache erledigt sein“, so Gerken zum Ein-Strafen-Prinzip. Er hat gegen den Bußgeldbescheid Einspruch eingelegt und will diesen auch gerichtlich durchsetzen. „Herr Wentzien hat als Tierfreund und zum Schutz anderer Verkehrsteilnehmer gehandelt. Wir sind guter Hoffnung, auf einen verständnisvollen Richter zu treffen“, so der Rechtsanwalt.