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Gesundheitsministerin spach über Ärztemangel im ländlichen Raum

"600.000 Euro Fördergelder" Landesgesundheitsministerin Cornelia Rundt SPD
mi. Jesteburg. Wie will die neue Landesregierung den Ärztemangel behandeln und wie sollen die Grundzüge der künftigen Sozial- und Gesundheitspolitik in Niedersachsen aussehen? Zu diesem Thema sprach jetzt die niedersächsische Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) auf einem Treffen zu dem der niedersächsische Landesverband des Wirtschaftsrates der CDU in die Waldklinik in Jesteburg geladen hatte. Vor Persönlichkeiten aus Politik und Gesundheitswesen, u.a. den Landräten Joachim Bordt, Landkreis Harburg, und Manfred Ostermann, Landkreis Heidekreis sowie den Geschäftsführern der Krankenhäuser Winsen / Buchholz und Vertretern aus der privaten Klinikwirtschaft, attestierte die Ministerin dem Gesundheitswesen eine zunehmende Schieflage. Rundt: "Wenn zwei Drittel aller Krankenhäuser in Niedersachsen defizitär sind, dann ist das kein Missmanagement einzelner Häuser, sondern ein Strukturproblem." Teil dessen sei auch eine Betriebskostenunterversorgung der Kliniken.
Krankenhäuser kämpften außerdem mit einem zunehmenden Konkurrenz- und Kostendruck bedingt durch alternde Bevölkerung, medizinischen Fortschritt und ein größeres Gesundheitsbewusstsein der Patienten. Der Mangel an qualifiziertem Personal nehme gerade im Pflegebereich stetig zu. Der Grund seien vor allem die niedrigen Löhne. Gerade in Niedersachsen seien die Pflegesätze und damit auch die Bezahlung im Landesvergleich mit Hamburg zu gering. Viele Fachkräfte wanderten deshalb in die Hansestadt ab. Bei der Ärzteversorgung gäbe es in einigen Regionen ein Überangebote. In strukturschwachen ländlichen Gegenden fehlten dafür zunehmend Mediziner. Im Raum Munster läge die Versorgung z. B. mittlerweile unter 60 Prozent.
Insgesamt 600.000 Euro plane die Landesregierung deshalb für einen Fonds ein, der die Niederlassung von Ärzten auf dem Land fördern soll. Die Ministerin hofft, dass mit der Beteiligung von Kassen und Verbänden sogar ca. 1 Million Euro zusammenkommet. Für die Krankenhausfinanzierung will Rot / Grün rund 360 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre zur Verfügung stellen.
Bei der Versorgung setzt Hannover auch auf die Kooperation verschiedener Gesundheitsanbieter. Gerade in ländlichen Bereichen könnten einige ärztliche Routineleistungen auch von anderen Fachkräften wie Pflegediensten übernommen werden. Das Ziel der Regierung sei es, durch die Vernetzung verschiedenster Anbieter flächendeckend "Gesundheitsregionen" zu etablieren und so die medizinische Versorgung auch auf dem Land sicherzustellen. Zum Nulltarif werde es diesen Strukturwandel allerdings nicht geben. "Die Beitragssätze der Kassen werden weiter steigen müssen", so die Ministerin.
In der anschließenden Diskussion gab es vor allem aus der privaten Klinikwirtschaft Kritik: "Die Landesregierung spricht von Strukturwandel, nennt aber bis jetzt keine Zahlen. Was ist zum Beispiel eine zumutbare Entfernung zum nächsten Krankenhaus, welche Spezialisten müssen in welcher Zeit erreichbar sein."Darüber müsse man sich grundsätzlich Verständigen, kritisierte zum Beispiel Jens Bothe, Regionalgeschäftsführer des privaten Klinikbetreibers "Ameos-Gruppe".