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Glyphosat - Fluch oder Segen?

Ist das Pestizid tatsächlich gefährlich? Darüber gibt es unterschiedliche Ansichten (Foto: sum/Fotomontage MSR)

Unkrautvernichtungsmittel sorgt für Unruhe / Wird der Einsatz EU-weit untersagt?

(ab).

Die einen halten es für krebserregendes Teufelszeug, die anderen seinen Einsatz in der Landwirtschaft für schlichtweg notwendig: Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat spaltet in Deutschland die Lager. Spätestens seit bei Untersuchungen des Umweltinstituts München in 14 deutschen Biersorten Rückstände entdeckt wurden, dringt das alle Pflanzen vernichtende Totalherbizid an die Oberfläche des Verbraucherbewusstseins.
Glyphosat ist das meistverkaufte Pflanzenschutzmittel weltweit. In Deutschland wird es vorwiegend im Ackerbau, aber auch im Obstbau, im Anbau von Weihnachtsbäumen und in Kleingärten eingesetzt.
Einer, der den Einsatz des Pestizids in der richtigen Dosierung für unbedenklich hält, ist Kreislandwirt Johann Knabbe. „Landwirte arbeiten nach den härtesten Gesetzen der Welt - den Naturgesetzen“, sagt der Fredenbecker. „Wir sehen, was da draußen in der Natur passiert.“ Wer nicht Unkraut, sondern Roggen, Hafer, Mais und Kartoffeln ernten wollte, käme an dem Pflanzenvernichtungsmittel nicht vorbei.
Glyphosat sei laut Knabbe mit drei Argumenten unschlagbar: Es habe eine enorme Wirkung, sei kostensparend und zeitsparend anwendbar. Und - da hält es Knabbe mit dem Mediziner Paracelsus: „Allein die Dosis macht das Gift.“
Ähnliches hat auch das „Bundesinstitut für Risikobewertung BfR“ in Bezug auf Glyphosat festgestellt. „Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1.000 Liter Bier trinken“, heißt es in einer vorläufigen Einschätzung des Glyphosatgehalts in Bier.
Auch in Muttermilch wurde das Mittel entdeckt. Knabbe: „Heutzutage werden noch ganz andere Rückstände entdeckt aber in verschwindend geringen Dosen. Das war in der Vergangenheit noch gar nicht messbar.“
Im Frühjahr 2015 hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO das Pestizid als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Landwirtschaftsreferent Tilman Uhlenhaut vom „Bund für Umwelt und Naturschutz BUND“ spricht sich auch deutlich gegen den Einsatz des Mittels aus: „Wir sind nach wie vor dafür, dass es auf EU-Ebene keinen Einsatz von Glyphosat mehr gibt.“ Der Wirkstoff könne bestimmte Krebsarten begünstigen oder auslösen, da sei die Menge unerheblich, so Uhlenhaut. „Wir können das Risiko nicht definieren. Dennoch sollte Glyphosat nirgendwo mehr vorkommen.“
„Befruchtende Diskussionen mit Landwirten“ seien angelaufen, davon erhoffe sich Uhlenhaut mehr. Einen Wechsel zu einem anderen Wirkstoff hält er nicht für sinnvoll. „Es wurde zu lange auf Glyphosat gesetzt. Ackerbauliche Maßnahmen müssen vorgenommen, Bodenbearbeitung entwickelt werden, um Pflanzen zu verändern“, stellt der Landwirtschaftsreferent klar. „Wir sind bereit, einen Ausstieg zu diskutieren.“ Auch gesellschaftlich werde der Einsatz des Wirkstoffs nicht mehr akzeptiert.
Bis Sommer 2016 ist Glyphosat weiterhin erlaubt. Dann entscheidet die EU-Kommission über eine Neuzulassung des Pestizids. Für die kommenden zehn Jahre.