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Hilfe, wo ist mein Hausarzt?

Im Landkreis Harburg droht eine Unterversorgung an Hausärzten. Die Aktion „StadtLandPraxis“ soll helfen (Foto: Andrea Damm / pixelio.de)
 
Reiner Kaminski (Foto: oh)

Unterversorgung im Landkreis Harburg / 2020 nur noch 49 Ärzte? / Aktion „StadtLandPraxis“ gestartet.

(mum). Der Landkreis Harburg ist attraktiv. Viele Hamburger ziehen aufs Land, weil günstige Grundstückspreise den Traum vom Haus im Grünen wahr werden lassen. Zudem gibt es ein reichhaltiges kulturelles Angebot; selbst die Infrastruktur (Schulen, Geschäfte, Autobahn- und Zuganschlüsse) ist top. Spricht alles für eine rosige Zukunft. Doch der Schein trügt, denn offensichtlich übt die Nordheide auf Ärzte keinen großen Reiz aus. Es droht ein Mangel an Hausärzten. „Der Landkreis Harburg ist ein Problembereich“, sagt Reiner Kaminski, Fachbereichsleiter Soziales beim Landkreis Harburg.
Die Fakten: Der Versorgungsgrad bei den Hausärzten beträgt im Landkreis Harburg 89,9 Prozent - bei weniger als 75 Prozent spricht die Kassenärztliche Vereinigung von einer Unterversorgung. Derzeit sind 126 Hausarztsitze gemeldet. „Es könnten sich sofort 30 neue Hausärzte niederlassen“, sagt Kaminski. Interessant: Es gibt Unterschiede im Landkreis: In Hollenstedt liegt die hausärztliche Versorgungsquote bei 64,3 Prozent; selbst in Seevetal sind es nur 69,3 Prozent. Besser ist die Versorgung in Buchholz (81,3 Prozent), in Tostedt (83 Prozent) und in Neu Wulmstorf (84,5 Prozent). Bezogen auf die Samtgemeinde-Grenzen sieht die Statistik gut aus. In Hanstedt liegt die Quote bei 125,2 Prozent, in der Elbmarsch bei 122,2 Prozent und in Jesteburg bei 114,9 Prozent.
Kaminski rechnet vor: Falls alle Hausärzte bis zum 68. Lebensjahr arbeiteten, würden bis zum Jahr 2020 insgesamt 41 Mediziner ihre Praxis aufgeben. Dann läge der Versorgungsgrad bei 55 Prozent - vorausgesetzt, es findet sich kein Nachwuchs.
Es gibt aber ein noch schlimmeres Szenario: Sollten die Hausärzte mit 60 Jahren ihren Kittel an den Haken hängen, dann gäbe es im Jahr 2020 nur noch 49 Hausärzte (Versorgung: 29,5 Prozent).
Dieser Entwicklung will der Landkreis Harburg entgegenwirken. Er hat eine Initiative auf den Weg gebracht, die Medizinstudenten, Assistenzärzte und Hausärzte dazu animieren soll, sich im Landkreis niederzulassen. Das Projekt heißt „StadtLandPraxis“. Es macht angehende Mediziner und Ärzte im Internet und auf Plakaten auf den Landkreis Harburg aufmerksam.
Assistenzärzte, die den Facharzt für Allgemeinmedizin innerhalb von fünf Jahren machen wollen, hätten im Landkreis Harburg beste Chancen. Sie können eine Verbundweiterbildung absolvieren: 36 Monate stationär an den Krankenhäusern Winsen und Buchholz und 24 Monate ambulant in einer Hausarztpraxis im Landkreis.
Interesse? Reiner Kaminski stellt für Interessenten den Kontakt zu den Ärztlichen Direktoren an den Krankenhäusern her. Er verwaltet zudem ein Netzwerk von 70 Hausärzten im Landkreis. „Wenn ich eine E-Mail schreibe, dass ich eine Stelle für einen Assistenzarzt suche, dann habe ich binnen einer Woche zehn Antworten“, sagt er. Für das Projekt wird unter anderem im „Deutschen Ärzteblatt“ und auf Plakaten in deutschen Universitätsstädten geworben.
Und es gibt bereits erste Erfolge: Drei Frauen arbeiten mittlerweile als angestellte Hausärztinnen im Landkreis und drei Assistenzärzte haben an den Landkreis-Kliniken ihren Dienst aufgenommen. Zwei Ärzte wollen sich voraussichtlich im Mai und Juli niederlassen, vier suchen eine Niederlassung in einer Praxis und zwei eine Anstellung.
• Interessierten Ärzten steht Reiner Kaminski unter der Telefonnummer 04171 - 69 34 23 oder per E-Mail (r.kaminski@lkharburg.de) zur Verfügung. Informationen zu „StadtLandPraxis“ gibt es im Internet unter www.stadtlandpraxis.de.

Kinder- und Jugendpsychologen fehlen schon jetzt


Bereits konkret ist der Mangel an Psychologen für Kinder und Jugendliche: Bereits im Herbst 2011 hatte eine Studie der Bertelsmann Stiftung ergeben, dass im Landkreis Harburg Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie fehlen. Der von der Stiftung ermittelte Wert lag um mehr als die Hälfte unter dem Bundesdurchschnitt. Fachleute sprechen von einer eklatanten Unterversorgung in der Region. Zwei Monate Wartezeit auf einen Termin sind nicht ungewöhnlich. Im Landkreis Stade hat sich sogar nur ein einziger Facharzt niedergelassen.