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Industrie in der Streikfalle

Treffen die Streiks den Güterverkehr, braucht die Dow Alternativlösungen: rund 250 Kesselwagen verlassen pro Woche das Fabrikgelände in Stade-Bützfleth (Foto: Dow)
(bc). Noch bis Samstagabend um 18 Uhr wollen die Lokführer streiken. Drei Tage lang waren die Fahrgäste die Gelackmeierten. Aber nicht nur die Zugreisenden bleiben auf der Strecke: Auch die Industrie ächzt immer wieder unter dem Stillstand auf den Schienen. Wirtschaftliche Prozesse werden gestoppt. "Uns kosten die Streiks bares Geld", sagt Joachim Sellner, Sprecher der Chemiefabrik Dow in Stade.

Je zwei Züge kutschieren pro Tag Rohstoffe zum Unternehmensgelände nach Stade-Bützfleth und bringen die Endprodukte zum Kunden: Rund 250 Kesselwagen sind das pro Woche. "25 Prozent unserer Erzeugnisse werden auf der Schiene transportiert", sagt Sellner. Insgesamt 2,2 Millionen Tonnen an unterschiedlichen Produkten verlassen die Dow in Stade pro Jahr. Der US-Konzern ist der weltweit größte Hersteller von Kunststoffen sowie einigen Grundchemikalien für die Konsumgüterindustrie.

Klar, dass ein mehrtägiger Lokführer-Ausstand das Unternehmen nicht unberührt lässt. Der Aufwand ist immens. Liegt der Güterverkehr lahm, muss sich das Unternehmen Alternativen einfallen lassen. Entweder werden zusätzliche Lkw eingesetzt, ein Teil der Produktion bleibt in den Tanks oder die Produktion muss heruntergefahren werden. "Kommt es zu Verzögerungen, kann es sein, dass sich unsere Abnehmer anderweitig bedienen", sagt Sellner.

"Wir stehen im Prinzip seit Anfang des Tarifkonfliktes Ende August im ständigen Kontakt mit unseren Bahnspediteuren", so der Dow-Sprecher. Oberste Priorität sei es, die Kunden weiter beliefern zu können.

Der Verein Hamburger Spediteure reagiert mit Unverständnis auf den Streik der GDL: Er sei ein Eingriff in die Rechtsgüter unbeteiligter Dritter mit negativen Auswirkungen auf nationale und internationale Lieferketten und Produktionsprozesse, heißt es in einer Pressemitteilung. Gerade in der Zulieferindustrie spielen just-in-time-Lieferungen eine bedeutende Rolle.

Davon können die Dow-Verantwortlichen ein Liedchen singen.