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"Jungtiere am besten liegenlassen"

Das Kitz wartet in seinem Versteck auf die Ricke

Zwei Experten geben Tipps zum richtigen Verhalten gegenüber verlassenen Tieren in der Natur


(ab). Bis zum 15. Juli ist Brut- und Setzzeit und damit die Zeit, in der Tiere unter besonderem Schutz stehen. Wer gern in der Natur unterwegs ist, trifft möglicherweise auf ein Jungtier und weit und breit ist kein Muttertier in Sicht. Mit der guten Absicht zu helfen und das Jungtier vor Feinden zu schützen, wird oft genau das Gegenteil erreicht. Doch wie verhält sich ein Spaziergänger beim Fund eines Kitzes, Häschens oder kleinen Vogels? Diese Frage stellte sich WOCHENBLATT-Redakteurin Alexandra Bisping, als sie kürzlich im Wald ein winziges Rehkitz entdeckte, und hat dazu zwei Experten befragt.

Man sollte kleine Tiere unbedingt liegenlassen, sagt Heribert Strauch, Pressesprecher der Kreisjägerschaft des Landkreises Harburg. „Vor allem sollte man Kitz und Co. nicht anfassen!“, mahnt der Experte. Häufig befänden sich die Muttertiere in der unmittelbaren Umgebung und beobachteten den Nachwuchs. Sie kehrten aber erst zu ihrem Nachwuchs zurück, wenn sich der Mensch entfernt hat.
In den ersten zehn bis 14 Tagen haben Kitze keinen Eigengeruch, wodurch sie beispielsweise für Hunde auch kaum aufzuspüren sind. Hat eine Ricke mehr als ein Kitz, legen sie diese zum Schutz vor Feinden meist an unterschiedlichen Ort ab. Die Muttertiere suchen ihren Nachwuchs vier bis sechs Mal am Tag auf und säugen sie.
Anders ist es bei kleinen Hasen: „Sie sind schon im Alter von sechs Wochen selbstständig. Die Mutter kommt nur für wenige Minuten am Tag vorbei, um sie zu säugen“, sagt Strauch. Hier sei ein Kontakt mit Menschenhand für das Jungtier sogar fatal: Der menschliche Geruch überträgt sich auf das Fell. Folge: Das Muttertier erkennt das Kleine nicht mehr an, das Jungtier verhungert.

Ist das Jungtier auch am Folgetag noch allein, sollte man auf jeden Fall mit dem Revierpächter Kontakt aufnehmen. „Sollte dieser nicht bekannt sein, kann man sich an die Polizei wenden. Dort liegen die Daten des Pächters vor“, informiert der Kreissprecher. Findet man ein verletztes Tier, so Strauch, sollte man sich jedoch sofort mit dem Pächter in Verbindung setzen.

Was tun bei dem Fund eines kleinen Vogels? „Sich zurückziehen und beobachten, ob er gefüttert wird“, rät Vogelexperte Dr. Uwe Westphal. „Kleine Vögel geben oft Standortlaute von sich, das klingt für menschliche Ohren sehr jämmerlich, ist jedoch normal“, sagt Westphal. „Sie müssen permanent gefüttert werden, darum rufen sie so viel“, so der Experte. Viele Vögel verlassen das Nest, bevor sie richtig fliegen können. „Es werden ständig junge und gesunde Vögel eingesammelt in der Annahme, sie seien verlassen worden. Das ist aber selten der Fall.“

Westphal kann auch nicht empfehlen, gefundene Jungvögel selbst aufzuziehen. Man könne ihnen zwar Wasser aus einer Pipette anbieten, aber beim Futter müsse man vorsichtig sein. „Falsche Fütterung kann beispielsweise eine Fehlbildung im Gefieder verursachen.“

Sein Tipp: Die Vögel in Ruhe lassen und wenn möglich beobachten. Eine Ausnahme sind allerdings Entenküken: „Sie sind normalerweise nicht von der Mutter getrennt“, sagt der Experte. Findet man ein einsames Küken, sollte man es einsammeln und ins Tierheim bringen.