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Kinder mit Hochbegabung: Ein Interview mit der Expertin Jaana Rasmussen

Jaana Rasmussen, Erste Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für hochbegabte Kinder (DGhK) Hamburg und Peter Bollbach, DGhK-Veranstaltungsmanagement Stade (Foto: Privat)
(am). Zwei Prozent aller Kinder sind im Schnitt hochbegabt. Im Landkreis Stade gibt es aktuell 22.209 Schüler an allgemeinbildenden Schulen, 450 davon sind demnach statistisch gesehen hochbegabt. Diese Kinder und ihre Eltern müssen mit zahlreichen Herausforderungen kämpfen. Die Deutsche Gesellschaft für hochbegabte Kinder (DGhK) Hamburg bietet im Landkreis Stade Beratungen an und organisiert Wissenschafts-Kurse für Kinder. Das WOCHENBLATT hat mit der Vorsitzenden der DGhK Hamburg / Landkreis Stade, Jaana Rasmussen, gesprochen, die selbst zwei hochbegabte Söhne hat. Sie wird am Dienstag, 14. Juni, um 20 Uhr, beim Elterntreff im Tenniscenter Wiepenkathen einen Vortrag zum Thema "Vom Potenzial zur Leistung" halten.

WOCHENBLATT: Wie können Eltern erkennen, dass ihr Kind hochbegabt ist?
Jaana Rasmussen: Aufhorchen sollte man, wenn Kinder altersuntypisches Verhalten zeigen. Sie denken schneller als andere und haben eine besondere Begabung. Oft haben die Kinder aber auch soziale Schwierigkeiten und finden keine Freunde. Eine richtige Diagnose kann aber nur ein Psychologe anhand eines Intelligenztests stellen.

WOCHENBLATT: Was unterscheidet hochbegabte von "normalbegabten" Kindern?
Jaana Rasmussen: Hochbegabte Kinder haben einen Drang, den Sachen auf den Grund zu gehen. Ein Beispiel: Einem vierjährigem Jungen wurde erklärt, dass Viren von Mensch zu Mensch übertragen werden. Der Junge fragt daraufhin, wo die erste Vire hergekommen ist.

WOCHENBLATT: Stimmt es, dass hochbegabte Kinder auch schlecht in der Schule sein können?
Jaana Rasmussen: Ja, wenn sie nicht gefördert werden. Eine der größten Mythen ist, dass die Begabung sich von allein in Leistung umsetzt. Das ist in der Schule oft ein Problem, da Lehrer eher den Impuls haben, dass sie nur die "schwachen" Kinder unterstützen müssen. Wenn ein Kind den Zahlenraum von eins bis zehn innerhalb eines Tages beherrscht, die Klasse aber drei Monate daran arbeiten, dann langweilt es sich. Die Folge: Es "schaltet ab", und folgt dem Unterricht nicht mehr.

WOCHENBLATT: Also werden hochbegabte Kinder an unseren Schulen nicht entsprechend gefördert?
Jaana Rasmussen: Es hängt sehr vom Lehrer ab, manche geben ihren Schülern Extraaufgaben. Aber in der gesamten Lehrerausbildung gibt es kein Modul über Hochbegabung, Förderung oder die Folgen von Nichtförderung. Oft bleibt Hochbegabung einfach unerkannt und das ist für die Kinder fatal.

WOCHENBLATT: Inwiefern?
Jaana Rasmussen: Die Kinder denken, dass etwas mit ihnen nicht stimmt und fühlen sich fehl am Platz. Ein Kurs, wie der zum Solarrennwagen am vergangenen Samstag am Athenaeum fordert die Kinder intellektuell und stellt zudem Kontakt zu Gleichgesinnten her. Das ist auch immens wichtig.

WOCHENBLATT: Keiner der Eltern hier in Stade wollte offen mit uns reden. Warum?
Jaana Rasmussen: Es fällt den meisten Familien sehr schwer, sich zu outen, denn Hochbegabte werden stigmatisiert und als Angeber abgestempelt. Das ist in Deutschland in der Tat ein großes gesellschaftliches Problem.

• Für den Elterntreff mit dem Vortrag "Vom Potenzial zur Leistung" ist eine vorherige Anmeldung per Mail an regionalgruppestade@dghk-hh.de bis zum 13. Juni nötig. Erstteilnehmer werden gebeten, sich vorab für ein unverbindliches Informationsgespräch telefonisch mit einer ehrenamtlichen Beraterin der DGhK in Verbindung zu setzen. Entsprechende Kontaktdaten sind unter www.dghk-hh.de/Beratung zu finden.


An wen kann man sich wenden?

Die erste Anlaufstelle für alle Eltern ist der Kinderarzt. Darüber hinaus gibt es Fachkliniken, wie das Kinderkrankenhaus in Hamburg-Altona, die ein Hochbegabtenzentrum betreiben. Die Deutsche Gesellschaft für Hochbegabung ist unter www.dghk.de erreichbar.