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KlimaforscherIn Zukunft mehr Sommer: Expertin Insa Meinke erklärt, was uns in der Metropolregion Hamburg erwarten kann

Jascha (li.) und Marlin Bisping genießen die warme Jahreszeit. In Zukunft dürfen wir uns wohl über noch mehr Sommertage freuen (Foto: as / Meinke privat)
 
Dr. Insa Meinke, Leiterin des Norddeutschen Klimabüros am Helmholtz-Zentrum Geesthacht (Foto: privat)
(am). Es ist erst Mitte August und viele haben schon das Gefühl, der Herbst sei angebrochen. Bleibt das auch in Zukunft so? Geht der Frühling künftig direkt in den Herbst über? Sind das vielleicht klimabedingte Veränderungen? Das WOCHENBLATT hat die Klimaexpertin Dr. Insa Meinke vom Norddeutschen Klimabüro gefragt, was uns in den nächsten Jahren erwartet.
Frau Meinke, viele Menschen vermissen die Wärme. Lässt sich hier der Sommer bei uns immer weniger blicken?
Nein, wir werden hier in der Metropolregion Hamburg mit hoher Wahrscheinlichkeit künftig sogar mehr Sommertage mit mehr als 25 Grad haben. Wie viele genau, das lässt sich schwer voraussagen. Dazu erstellen wir unterschiedliche Szenarien. Je nachdem, ob die durchschnittliche Jahrestemperatur bezogen auf das vorindustrielle Niveau wie erhofft nur um zwei Grad steigt oder ob es vielleicht doch fünf Grad werden, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Im extremsten Fall könnten wir Mitte dieses Jahrhunderts (2036-2065) jährlich bis zu 33 mehr Sommertage als heute haben. Auch die heißen Tage mit mehr als 30 Grad würden dementsprechend häufiger werden.
Ist von der Klimaveränderung heute bereits etwas spürbar?
Wir analysieren Entwicklungen in Zeiträumen von 30 bis 60 Jahren, da ist es fraglich, ob dies tatsächlich schon jemand spürt, aber die Veränderungen sind messbar.
Und wie sehen die Ergebnisse aus?
Wir haben heute im Vergleich zu den 1950er Jahren bereits 14 zusätzliche Sommertage und der Temperaturdurchschnitt ist in der Metropolregion Hamburg seitdem um etwa 1,2 Grad angestiegen. Außerdem haben wir heute im Winter 15 Prozent mehr Niederschlag als in den 1950er Jahren.
Und im Sommer?
Für den Sommer ist es schwierig, einen Niederschalgtrend festzustellen, da die Gewitter sehr kleinräumig sind und wir nur an bestimmten Stellen Wetterstationen haben.
Können wir uns noch auf weiße Weihnacht freuen?
Wir werden auch mit Klimawandel im Winter noch Frost haben. Aber Frost und Schnee werden im Winter seltener. Wenn man sich die Statistik aber anschaut, muss man feststellen, dass wir hier seit jeher selten weiße Weihnachten hatten.
Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Pflanzen- und Tierwelt aus?
Der Vegetationsbeginn startet heute etwa drei bis vier Wochen früher als noch vor 60 Jahren. Heimische Arten wandern nach Norden, wärmeliebende Arten werden heimisch.
Welche Auswirkungen hat die Klimaveränderung auf den Wasserspiegel im Meer und in den Flüssen, wie zum Beispiel der Elbe?
Für den stetig wachsenden Wasserpegel in der Elbe gibt es zwei Faktoren. Einerseits steigt der Wasserstand in den Meeren aufgrund der Klimaveränderung und andererseits wurden nach der Sturmflut 1962 die Küstenschutzmaßnahmen immer weiter verstärkt. Dadurch ist die Elbe jetzt in einem starren Korsett, der Pegel ist höher aber der Fluss tritt dadurch nicht öfter über die Ufer. Wir können auch nicht feststellen, dass mehr Stürme auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Übrigens: Wer nachschauen möchte, ob sein Haus ohne die jetzigen Deiche im Überflutungsbereich liegen würde, kann sich das im Internet auf www.kuestenschutzbedarf.de anschauen.
Welchen Anteil hat der Mensch an der Klimaveränderung?
Die Erwärmung der letzten Jahrzehnte lässt sich mit natürlichen Faktoren allein nicht erklären. Dies gelingt nur dann, wenn wir die von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen berücksichtigen. Das Maß der zukünftigen Erwärmung hängt deshalb maßgeblich von unseren Treibhausgasemissionen ab. Seit 2006 führt das Norddeutsche Klimabüro des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und des KlimaCampus Hamburg einen intensiven Dialog zwischen der norddeutschen Öffentlichkeit, regionalen Entscheidern und Wissenschaftlern aus dem Bereich Klimaforschung. Ergebnisse dieses Dialoges sind neben dem entstandenen Netzwerk der „Norddeutsche Klimaatlas“, der mögliche Entwicklungen des regionalen Klimas beschreibt, sowie der „Klimabericht für die Metropolregion Hamburg“, der das derzeitige Wissen über den regionalen Klimawandel zusammenfasst. Das Norddeutsche
Klimabüro