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Kostenloses Obst für die Pennäler im Land

(bc). Niedersachsens Kinder essen zu wenig Obst und Gemüse. Der Ansicht ist Agrarminister Christian Meyer (Grüne). Er will deshalb mit Unterstützung der EU ein staatlich gefördertes Schulobstprogramm auflegen. Weil Brüssel dafür seine Mittel von 90 auf 150 Mio. Euro aufstockt, könnten in Niedersachsen bis zu vier Millionen Euro für die Abgabe von Obst und Gemüse an sechs- bis zehnjährige Kinder zur Verfügung stehen, rechnet Meyer vor. Schon nach den Sommerferien sollen Pennäler auf Kosten von EU (75 %) und Land (25 %) täglich in Äpfel und Karotten beißen. "Ein wichtiger Beitrag für die Gesundheit vieler Kinder", so Meyer.

Im Landkreis Stade sind solche Initiativen bereits seit Jahren "in aller Munde" - allerdings keine staatlich organisierten und vom Steuerzahler subventionierten, sondern private Programme. Das mehrfach ausgezeichnete Schulapfel-Projekt des "Fördervereins Integriertes Obst aus dem Alten Land" liefert seit 2006 Äpfel von der Niederelbe in Schulen und Kindertagesstätten der Metropolregion Hamburg - im Landkreis Stade sind es aktuell 20 Einrichtungen. Der Großteil geht in Schulen und Kitas nach Hamburg.

Der entscheidende Unterschied zum EU-Programm: Der Schulapfel kostet Geld. Eltern bezahlen 20 Euro im Halbjahr. Dafür erhalten ihre Kinder einmal täglich einen Apfel. Für Vereinsgeschäftsführerin Hilke Ehlers ist das ein gutes Prinzip. Denn: "Was nichts kostet, ist nichts wert", sagt die Frau. Ihre Kritik: Wie sollen Kinder lernen, dass landwirtschaftliche Erzeugnisse etwas Wert sind, wenn sie kostenlos abgegeben werden? "Die Eigenbeteiligung kann auch nur 5 oder 10 Euro pro Halbjahr betragen. Hauptsache es kostet etwas", so Ehlers. Zumal noch mehr Kinder mit frischen Lebensmitteln versorgt werden könnten, wenn sich Eltern finanziell an einem Abo beteiligen.

Ehlers findet es bedauerlich, dass die Landesregierung angesichts der geplanten Teilnahme am EU-Schulobstprogramm nicht auf die Erfahrung bereits funktionierender Initiativen wie das prämierte Schulapfel-Projekt zurückgreift. Sie befürchtet, dass das Land so viele Schulkinder wie möglich nach dem „Gießkannenprinzip“ berücksichtigen möchte: „Wir wollen uns ja gerne als Lieferant an dem Projekt beteiligen, sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Es wäre besser gewesen, wenn man unsere Bedenken ernst genommen hätte.“ Die Belieferung der Schulen mit frischem Obst und Gemüse sei schwierig umzusetzen, wenn nur wenige Schulen in einer Region an dem Projekt teilnehmen dürfen. „Dann bekommt man die Touren nicht voll.“

Das WOCHENBLATT hat nachgefragt: Klaus Jongebloed, Sprecher des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, betont, dass bestehende Programme und Elterninitiativen durch das Schulobstprogramm keineswegs ersetzt werden sollen. „Ab Mai können Erzeuger bei der Landwirtschaftskammer beantragen, an dem Projekt teilzunehmen. Die Schulen entscheiden dann selbst, für welchen Lieferanten sie sich entscheiden“, so Jongebloed. Entscheidend sei allerdings, dass sich die Lieferanten an die Vorgaben des EU-Programms halten.

Für die Teilnahme bewerben können sich alle Grundschulen, Förderschulen bis Klasse sechs und Schulkindergärten im Land. Kitas, die auch vom „Schulapfel“-Projekt beliefert werden, sind nicht vorgesehen. Das Bewerbungsverfahren soll ausschließlich online erfolgen, voraussichtlich ab Mitte des Jahres. Nach ersten Berechnungen könnten laut Angaben des Ministeriums bis zu 100.000 Kinder in Niedersachsen vom Schulobstprogramm profitieren. Die Auswahl der Schulen soll anhand sozialer und regionaler Kriterien erfolgen. Jongebloed: „Wer teilnimmt, geht zugleich die Verpflichtung ein, die Maßnahme pädagogisch zu begleiten.“

Agrarminister Christian Meyer (Grüne) hat mit der Teilnahme am EU-Schulobstprogramm eine Kehrtwende eingeläutet, nachdem die Vorgängerregierung das Projekt mit der Begründung des zu hohen Bürokratie-Aufwandes noch abgelehnt hatte. Meyer: „So hoch, wie damals behauptet, ist der Aufwand nicht.“ Die Erfahrungen aus Bayern und Nordrhein-Westfalen hätten das gezeigt. Niedersachsen ist das achte Bundesland, das beim Schulobstprogramm mitmacht.