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Langfinger lieben Baustellen

Metalldiebe haben es auf Kupfer abgesehen: Das bringt beim Weiterverkauf viel Geld (Foto: Fotolia/Benjamin Nolte)
(bc). In Horneburg wird ein 100.000 Euro teurer Betonmischer geklaut, in Stade schlagen Kupferdiebe in einem Rohbau zu, in Buxtehude nehmen Langfinger im laufenden Betrieb diverse Bad-Armaturen von einer Baustelle mit, in Buchholz knacken Unbekannte einen Baucontainer und greifen jede Menge hochwertige Werkzeuge und Maschinen ab: alles Meldungen, die das WOCHENBLATT in den vergangenen Tagen erreichten. Baustellen-Diebstähle scheinen unter den Klau-Banden Hochkonjunktur zu haben.

"Von einer Serie lässt sich trotzdem nicht sprechen", sagt Rainer Bohmbach, Polizeisprecher im Landkreis Stade. Immer mal wieder schlagen unterschiedliche Tätergruppen in Rohbauten zu - eben, weil es relativ einfach für die Diebe ist, nachts ungestört Baumaschinen abzutransportieren.

Außer die Baustellen gut zu sichern, möglicherweise offene Tür- und Fensterlöcher abzudichten - selbst wenn es aufwendig sei - Baucontainer zu verriegeln und keine Materialien oder Werkzeuge ungesichert herumliegen zu lassen, könne die Polizei auch keine Tipps geben, so Bohmbach.

Bei der "HBI Hausbau-Immobiliengesellschaft" in Nottensdorf werden solche Baustellen-Diebstähle zunehmend zum Problem. "Wir spüren eine steigende Tendenz in den vergangenen ein bis zwei Jahren", bestätigt Vertriebsleiter Mike Wettering. Man versuche das Risiko durch verschiedene Maßnahmen zu minimieren, allerdings sei eine hundertprozentige Sicherheit nie zu gewährleisten. Alleine schon aufgrund der Abläufe auf einer Baustelle, sofern Materialien angeliefert werden, die nicht umgehend verbaut werden können.

Erst vor Kurzem wurde auch das Stader Bauunternehmen "Lindemann" Opfer einer Diebesbande, als auf der Baustelle "Sole-Therme" in Otterndorf ein Container aufgebrochen wurde und den Arbeitern morgens ein Teil ihrer Maschinen fehlte. "Der finanzielle Schaden ist das eine, hinzu kommt die Bauverzögerung, die zu Terminproblemen führen kann. Teilweise werden Leitungen und Rohre gekappt, die schon verlegt sind", berichtet "Lindemann"-Bauleiter Jörg Fahrenkrug, zuständig für die Baustellen-Einrichtung. Dreist: Manchmal werden die Kupferleitungen schon an Ort und Stelle abisoliert. Immerhin sind die Leitungen, die schon verbaut sind, im Gegensatz zu herumliegenden Materialien versichert.

Auf einer Baustelle in Stade am "Kehdingertorswall" arbeitet "Lindemann" mittlerweile mit einem Wachunternehmen zusammen, das nachts regelmäßig kontrolliert. Auf kleinen Baustellen lohne sich der Einsatz von privaten Sicherheitsfirmen jedoch weniger. Auch ein Bewegungsmelder könne schon abschreckend wirken, sagt Jörg Fahrenkrug.

Trotzdem scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, wann und wo die Kriminellen das nächste Mal zuschlagen.