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"low-carb" im Selbstversuch: WOCHENBLATT-Redakteurin Aleksandra Mleczko verzichtet radikal auf Kohlenhydrate

Spannender Selbsversuch: WOCHENBLATT-Redakteurin Aleksandra Melczko verzichtet auf Kohlenhydrate (Foto: am)
(am). Auf Kohlenhydrate zu verzichten, ist keine sehr neue Erfindung. Das "low-carb"-Familienfest, über das ich vergangene Woche berichtet habe, hat mir gezeigt, wie man es noch machen kann: radikal. Zehn Tage lang reduziere ich meine Kohlenhydratzufuhr auf rund 50 Gramm pro Tag.

Hungern soll ich dabei nicht, vielmehr meinen Energiebedarf hauptsächlich über Fette decken - ja, richtig gehört, Fett. Ich folge damit der neuen sogenannten Ketogene-Diät (siehe unten). Die Inuit sollen sich früher so ernährt haben.

Also: schluss mit allem, was Mehl und Zucker enthält. Auch Fruchtzucker ist tabu. Oh Gott, kein Obst in der Frühstückspause, das ist bitter. Auch Möhren haben zuviel Fruchtzucker und selbst bei Tomaten muss ich aufpassen.

Meine Schwester ist jetzt mein persönlicher "Ernährungscoach". Sie ist Molekularphysiologin an der Cornell-Universität in Amerika und hält dort unter anderem Vorträge über die Stoffwechselvorgänge bei Diäten. Jetzt belehrt sie mich.

Der erste Tag stellt mich schon vor eine Herausforderung: das Frühstück. Ok, ich löffle einen Sahne Quark (pur), dazu eine Avocado und trinke Kaffee mit Sahne. Das klappt ganz gut. Bis zum Mittag habe ich keinen Hunger. Dann gibt es grünen Salat mit Gurke und viel Öl, Blumenkohl und Fisch, zum Nachtisch ein paar Nüsse. Abends kommt Spiegelei mit Speck und Broccoli auf den Tisch.

Am zweiten Tag erliege ich meinem Appetit auf Süßes. Zum Glück ist noch Nusskuchen von der Familienfeier da. Der ist nämlich mit Birkenzucker gesüßt und daher fast ohne Kohlenhydrate. Ich muss mir einen Riesenvorrat davon anlegen.

Dann möchte ich es ganz genau wissen: Wie viel Gramm Kohlenhydrate esse ich denn jetzt eigentlich? Meine Schwester zeigt mir eine Handy-App, mit der ich das kontrollieren kann. Das Programm errechnet meinen Energiebedarf auf 1.200 Kalorien am Tag. Dann tippe ich ein, was ich esse. Ein Barcodescanner findet meinen Käse aus dem Supermarkt und spuckt mir aus, wie viel Fett, Kohlenhydrate und Proteine sich in meinem Stückchen Brie verstecken. Das Ergebnis ist ernüchternd: Ich nehme zu viele Kalorien zu mir und etwas zu viel Eiweiß. Jetzt erscheint mir das ganze wie eine hohe Kunst. Wie hat meine Tante das bloß ein halbes Jahr ausgehalten?
Meine Schwester beruhigt: "Du musst dich nicht akribisch an die Werte halten."

Mein Fazit: Es ist mir in den zehn Tagen nicht schwer gefallen, auf Kohlenhydrate zu verzichten. Kritisch wurde es nur, wenn ich Hunger hatte und gerade nichts Passendes zur Hand hatte. Dann schrie mein Gehirn nach Brötchen und Schokolade und schneller Energiezufuhr. Dafür wurde ich aber mit weniger Müdigkeit belohnt. Das Tagestief am Mittag blieb aus. "Die Umstellung dauert zwei bis drei Wochen, dann ist man fiter und der Heißhunger verschwindet", sagt meine Schwester. Das macht mich neugierig. Ich denke, ich werde noch eine Weile dabei bleiben.

Ketogene-Diät: Neue Befunde aus Amerika
Die amerikanischen Wissenschaftler Jeff Volek und Stephen Phinney propagieren die sogenannte "Ketogene-Diät". Diese hat einen unkonventionellen Ansatz, wie wir unseren Tagesenergiebedarf decken sollen: Nur zehn Prozent durch Kohenhydrate, 70 Prozent durch Fette und 20 Prozent durch Eiweiß. Die Wissenschaftler behaupten, dass Fette in der Ernährung fälschlicherweise verantwortlich gemacht wurden für hohe Blutfettwerte, die zu Herz- und Stoffwechselkrankheiten führen. Stattdessen seien es im Übermaß konsumierte Kohlenhydrate, die im Körper in Fette umgewandelt werden, zu Übergewicht führen und den Stoffwechsel überfordern.