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Mit Malblock und Buntstift gegen den Alltagsstress

Draufloskritzeln und Ruhe finden: Alexandra Bisping probiert es aus (Foto: as)

WOCHENBLATT-Redakteurin Alexandra Bisping testet den Trend „Ausmalen“


(ab).Bücher ausmalen und dabei zur Ruhe kommen, liegt derzeit bei Erwachsenen im Trend. Gelingt mir, WOCHENBLATT-Redakteurin Alexandra Bisping, das auch? Bei Vollzeitjob, zwei Kindern und Hund stehe ich ziemlich unter Strom. Da ist Zeit ein wertvolles und knappes Gut. Jetzt soll ich mich hinsetzen und beim Ausmalen entspannen? Da ich das sonst bei Bewegung und Sport mache, ist es für mich kaum vorstellbar.

Aber etwas muss dran sein am derzeitigen Trend, bei dem sich immer mehr Erwachsene Stifte und Malbuch nehmen, um dem Alltagsstress entgegenzuwirken. Verkaufszahlen sprechen Bände: „Secret Garden“, das bekannteste Werk von Malbuch-Queen Johanna Basford, wurde ein Bestseller und ging weltweit mehr als 1,5 Millionen mal über den Ladentisch. Inzwischen hat die schottische Illustratorin
mit weiteren Werken nachgelegt und insgesamt 15 Millionen Bücher verkauft.

Der Absatz von Malbüchern für Erwachsene stieg im vergangenen Jahr um 300 Prozent und das rege Interesse zieht weitere Kreise: Bei namhaften Stifte-Herstellern werden teilweise bis zu drei Schichten gefahren, um der großen Nachfrage nach Bunt- und Faserstiften Herr zu werden. Im Internet ist in zahlreichen Blogs das Ausmalen von Vorlagen ein Thema, Werke werden ins Netz gestellt und untereinander bewertet.

Ich greife also abends müde und couchreif statt zur Fernbedienung zu dem Malbuch „Dschungel Inspirationen“, leihe mir von meinen Kindern Buntstifte und blättere mich durch 70 Ausmalbilder. Erst mal ein weniger Anspruchsvolles, beschließe ich.
Meine Wahl fällt auf einen von Blättern umgebenen Vogel. Der Vorteil beim Ausmalen ist: Das Ergebnis wird immer gut, sogar bei Mal-Dilettanten wie mir.

Eine Stunde mindestens will ich durchhalten. Noch etwas zögerlich und unwillig greife ich zu Gelb und Orange, doch bereits nach kurzer Zeit bemerke ich an mir eine Veränderung. Erstaunt stelle ich fest, wie ich beim Malen ruhiger werde. Meine Gedanken schweifen ab, das einzige, worauf ich mich konzentrieren muss, ist, nicht über die Linien zu malen. Es fühlt sich nach Kindheit an, danach, selbstvergessen kreativ zu sein, ohne unter Zeitdruck zu stehen. Fehlt nur noch, dass ich mit den Beinen baumele.

Als ich auf die Uhr schaue, bin ich überrascht: Die Stunde Mal-Zeit, die ich mir vorgenommen hatte, ist längst verstrichen. Mein Fazit: Um zwischendurch dem Alltagsstress zu entfliehen, kann ich jedem empfehlen, hin und wieder nach einem Malbuch zu greifen - es lohnt sich.