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Moment mal! Unsere Schwächen gnadenlos aufgedeckt

Den Refugee-Guide gibt es im Internet zum Download (Foto: www.refugeeguide.de)
Ein kleines bisschen ist diese 15-seitige Broschüre wie ein Knigge für Flüchtlinge. Der „Refugee-Guide“, der in vielen Notunterkünften und Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes ausliegt, soll als Orientierung in der ersten Zeit nach der Ankunft dienen.

Neben vielen praktischen Hilfestellungen wird das Zusammenleben in Deutschland erklärt. Eine Art Benimm-Fibel für Asylbewerber sozusagen - die gleichzeitig unsere eigenen Schwächen gnadenlos aufdeckt.

So heißt es z.B. in dem Kapitel „Öffentliches Leben“: „‘guten Tag‘ und ‚auf Wiedersehen‘ sind übliche Grußformeln, um Leute zu begrüßen oder zu verabschieden.“ Wenn das mal wirklich in Deutschland so gang und gäbe wäre. Im hektischen Alltag beschleicht einen eher das Gefühl, dass ein freundlicher Gruß zur Glückssache wird. Unabhängig davon, welcher Herkunft das Gegenüber ist.

Ähnlich verhält es sich mit weiteren Tipps: „Es ist höflich zu klopfen, wenn man eintreten möchte.“ Oder auch: „In der Öffentlichkeit zu urinieren, kann ein Vergehen darstellen.“ Wirklich?, dürfte sich jetzt mancher Besucher von Volksfesten oder Fußballspielen fragen.

Interessant wird es im Themenkomplex „Umweltfreundlichkeit“. Da steht geschrieben: „Selten werfen Deutsche ihren Müll einfach auf den Boden - weder in der Stadt noch in der Natur.“ Es wäre schön, wenn es so wäre. Vor allem in der Stadt herrscht vielerorts die „Vollkasko-Mentalität“. Irgendeiner wird sich schon um den Dreck kümmern.

Aufschlussreich auch der Hinweis, dass „in Deutschland die Heizung ausgestellt wird, während die Fenster geöffnet sind, um Energie zu sparen“. Spontan fallen mir drei Personen aus dem engeren Umkreis ein, die das Gegenteil propagieren. Aus ihrer Sicht logisch, wird ja sonst kalt. Übrigens sind alle drei hier geboren.

Diese Beispiele zeigen: Der „Refugee-Guide“ sollte zur Pflichtlektüre für alle Menschen in Deutschland werden - nicht nur für Flüchtlinge. Björn Carstens

• Ein Hamburger Doktorand hat den Guide in Zusammenarbeit mit Geflüchteten erstellt. Den kompletten Refugee-Guide, der in vielen verschiedenen Sprachen erhältlich ist, gibt es zum Download auf www.refugeeguide.de