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Neu Wulmstorf: Er bringt das Glück ins Haus

Für die meisten Menschen ist er ein Glücksbringer: Kevin Peters, jüngster Bezirksschornsteinfeger der Region
 
"Auf Häuserdächer steige ich nur noch selten": Kevin Peters beim Kontrollieren einer Heizungsanlage

Das WOCHENBLATT begleitet Kevin Peters (27), jüngster Bezirksschornsteinfeger der Region, bei seiner Arbeit in Neu Wulmstorf

ab. Neu Wulmstorf.
 Da hat er sich selbst Glück gebracht: Vor Kurzem, genau zu seinem 27. Geburtstag, wurde Kevin Peters zum "bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger" ernannt. Damit ist er der jüngste in den Landkreisen Stade und Harburg. Das WOCHENBLATT hat Peters im Neu Wulmstorfer Wohngebiet Apfelgarten bei seiner Arbeit über die Schulter geschaut.

"Das war ein kurioser Start in den Tag", sagt der frisch gebackene Bezirksschornsteinfeger gut gelaunt. Kevin Peters trägt eine schwarze Schornsteinfegerkluft samt Zylinder, allerdings ohne die klassische Jacke mit den Goldknopfen, den "Koller". Er berichtet, dass er zuerst in einer Wohnung gewesen sei, in der die Dame nahezu kein Deutsch sprach, anschließend habe er einen toten Vogel in einer Abgasleitung gefunden. Zwei nicht ganz alltägliche Fälle.

"Eigentlich bringe ich in erster Linie Glück", scherzt Peters auf dem Weg zum nächsten Kunden. Woher dieser Glaube stammt? "Meines Wissens nach aus Italien, dort sind früher viele Städte abgebrannt. Und nachdem Schornsteinfeger kamen und ihre Arbeit verrichtet haben, gab es kaum noch Brände." Seitdem soll das Berühren der goldenen Knöpfe am Koller dafür sorgen, dass Glück ins eigene Haus kommt.

Außer dem Wunsch, anderen Glück zu bringen - wie kam Kevin Peters auf diesen Beruf? "Nach einem Bewerbungsmarathon in verschiedenen Branchen wurde ich zu einem Innungstest eingeladen, den ich bestand. Und schon als Lehrling wusste ich, dass ich den Meister machen möchte." Dabei sei sein Hauptziel die Selbstständigkeit gewesen. Das habe er erreicht.

Bei den meisten Menschen ist Kevin Peters gerne gesehen. "Mein Erkennungsmerkmal ist der Zylinder", sagt er. Ältere Damen, denen er auf der Straße begegne, umarmten ihn manchmal spontan. "Andere reiben ihren Lottoschein an meiner Jacke", erzählt der sympathische Mann lächelnd. Eigentlich sei das schön und Peters glücklich darüber, dass sich der Brauch, Schornsteinfeger zu berühren, gehalten habe.

Die nächste Kundin öffnet Kevin Peters lächelnd die Tür. In diesem Haus ist Peters in zwei Funktionen unterwegs: zum einen als bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger, der Heizungsanlagen und Schornsteine kontrolliert. Zum anderen als selbstständiger Schornsteinfeger, der neu installierte Öfen oder Kamine abnimmt. Während er in diesem Haus bei der Heizungsanlage Abgas- und Sauerstoffgehalt misst, erklärt er: "Das eine ist eine hoheitliche Tätigkeit, der ich als behördlich Beauftragter nachkomme, beispielsweise um Brandschutz zu gewährleisten. Das andere, wie die Abnahme eines Kamins, ist eine freie Tätigkeit." Bislang sei ihm zwei Mal der Eintritt verwehrt worden, in beiden Fällen habe der Landkreis die Türen öffnen lassen. Peters: "Manche mögen uns nicht. Wer zwei Mal angeschrieben wird und nicht reagiert, dessen Tür wird vom Schlüsseldienst geöffnet. Diese Kosten werden auf den Hausbesitzer umgelegt."

Kevin Peters ist neben Teilen im Osten Neu Wulmstorfs auch für die Ortsteile Alvesen, Ehestorf und Vahrendorf sowie für Teile des Ortsteils Sottorf in der Gemeinde Rosengarten zuständig. Noch wohnt er mit seiner Frau in Lüneburg, überlegt aber, ob sie nicht in den Landkreis ziehen sollten: "Denn für die nächsten sieben Jahre bin ich auf jeden Fall für meine Bezirke im Landkreis Harburg zuständig."