Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Öffentliche Verkehrsmittel werden schon wieder teurer

Meryem Kocaaga pendelt täglich mit der S-Bahn nach Buxtehude. Sie ist sauer, dass die Fahrkarten schon wieder teurer werden sollen
(bc). Bus- und Bahnfahren wird schon wieder teurer. Die Preisspirale scheint nicht aufzuhalten zu sein. Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV), zu dessen Gebiet auch die Landkreise Harburg und Stade gehören, will 2014 schon wieder seine Ticketpreise erhöhen - im Schnitt um 3,2 Prozent.

Seit 2009 sind die Fahrkartenpreise jedes Jahr gestiegen. Kostete 2007 ein Ticket von Buxtehude zum Hamburger Hauptbahnhof noch 5,50 Euro, sollen die Kunden im kommenden Jahr 6,70 Euro berappen. Der Preis für eine Einzelkarte im Großbereich steigt von derzeit 2,95 Euro auf 3 Euro, eine Monatskarte im Großbereich soll künftig statt 96,90 Euro 99,80 Euro kosten. Können sich bald nur noch Besserverdiener öffentliche Verkehrsmittel leisten? Bus- und Bahnfahren dürfe nicht zum Luxus für Einzelne werden, sagen die Kritiker der erneuten Erhöhung.

Erst vor wenigen Wochen ließ der HVV die frohe Kunde verlauten, dass die Fahrgastzahl im ersten halben Jahr 2013 um 1,7 Prozent auf nunmehr 362,5 Millionen gestiegen sei - sechs Millionen Fahrgäste mehr als in den ersten sechs Monaten 2012. In den vergangenen fünf Jahren habe der HVV im Schnitt drei Prozent mehr Fahrgäste pro Jahr verzeichnen können. Immer mehr Kunden müssten doch auch immer mehr Einnahmen bedeuten. Warum werden dann die Tarife abermals angehoben?

HVV-Sprecher Rainer Vohl rechtfertigt die geplante Erhöhung gegenüber dem WOCHENBLATT mit den gestiegenen Kosten für Energie und Personal: "Wir haben einen hohen Qualitätsanspruch. Steigen die Fahrgastzahlen, müssen auch die Kapazitäten von Bussen und Bahnen ausgeweitet werden."

Ein weiterer Grund sei die fehlende Kostendeckung. Nur gut zwei Drittel der Kosten der Verkehrsunternehmen im HVV werden aus Fahrgelderträgen gedeckt, der Rest wird mit Steuergeld finanziert. Sollen die öffentlichen Zuschüsse stabil bleiben, müssen die Fahrpreise entsprechend der Gesamtkostenentwicklung angehoben werden. Vohl: "So absurd es klingen mag, aber mehr Fahrgäste bedeuten für den HVV ein größeres Minus." Er sei überzeugt, dass Autofahren nach wie vor deutlich teurer sei. Die Benzinpreise seien im gleichen Zeitraum stärker gestiegen als die HVV-Preise.

Mit moderaten Tarifanhebungen schaffe der HVV die Voraussetzungen für einen weiterhin leistungsfähigen und attraktiven öffentlichen Nahverkehr, sagt Lutz Aigner, Sprecher der HVV-Geschäftsführung.

Die Erhöhung muss noch von der Hamburger Politik abgesegnet werden, wovon aber auszugehen ist. HVV-Sprecher Rainer Vohl kündigt an: "Es ist möglich, dass die Preise 2015 wieder angepasst werden müssen." Die Spirale dreht sich immer weiter.