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"Ohne Prostituierte gibt es mehr Übergriffe"

Prostituierte Jasmin: „Meine Existenz würde durch Sperrbezirke in Frage gestellt“
 
Eine Sperrgebietsverordnung ist keine Lösung, sind sich Jasmin und Unternehmer Marco Jansen einig

„Ältestes Gewerbe der Welt“ kritisiert Sperrbezirks-Pläne der Polizeidirektion Lüneburg

(bim). Im „ältesten Gewerbe der Welt“ ist man entsetzt über die Pläne der Polizeidirektion Lüneburg, für „Lovemobile“ Sperrbezirke auszuweisen. „Wenn man an das Wohl der Frauen denkt, würde man die Mobile, in denen die Prostituierten ihre Dienste anbieten, nicht aus dem öffentlichen Raum verbannen“, sagt Marco Jansen (39). Er vermietet gemeinsam mit Wolfgang Heer seit acht Jahren 20 Wohnmobile und -wagen in den Landkreisen Harburg und Stade an Prostituierte. Bereits seit mehr als 30 Jahren stehen die „Lovemobile“ im Heidekreis. Dass die jetzt plötzlich aus dem öffentlichen Raum verbannt werden sollen, kann Rotlicht-Unternehmer Marco Jansen nicht verstehen. Jansen ist überzeugt: „Ohne Prostituierte gäbe es mehr Übergriffe gegenüber wehrlosen Frauen.“ Und auch sonst bringe ein Verbot wenig: Die Prostituierten würden schließlich nicht aufhören zu arbeiten, sondern nur in andere Gebiete verdrängt, wo es für sie gefährlich werden könnte.
Jansen, der auch einen Bordellbetrieb in der Soltauer Innenstadt hat, hält die Sperrbezirksdebatte für nackte Doppelmoral. „Man kann doch den Prostituierten nicht die Arbeit auf öffentlichen Plätzen verbieten - und für meinen Laden in der Stadt gibt es eine Konzession.“ Außerdem würde der Staat gut daran verdienen: Denn sowohl er als auch die mit Gewerbeschein selbstständig tätigen Frauen zahlen Steuern.
„Meine Existenz würde dadurch definitiv in Frage gestellt. Ich fühle mich wohl und sicher in dem Lovemobil“, erklärt Jasmin (30). Wenn sie nicht mehr im "Lovemobil" arbeiten dürfe, würde sie ihre Dienste vom Privatauto aus oder direkt auf der Straße anbieten. Darin wird sie von ihrer Kollegin Victoria (25) bestätigt. „Oder ich würde mir ein Appartement in der Stadt mieten. Das wäre wohl eine größere Störung“, sagt sie.
Hintergrund: Bei einer Dienstbesprechung der Polizeidirektion Lüneburg wurde jetzt über das Thema „Ausübung der Prostitution im öffentlichen Raum“ diskutiert. Derzeit gibt es 37 „Lovemobile“ im gesamten Bezirk. Die Polizeidirektion zeigte den rechtlichen Handlungsrahmen für ein Einschreiten der zuständigen Ordnungsbehörden nach Baurecht, Straßenrecht sowie Wald- und Landschaftsschutzrecht auf. Obwohl sich die Teilnehmer der Runde einig waren, dass es angesichts der Legalisierung der Prostitution seit Anfang 2002 nicht um eine Verbannung der Prostitution aus dem öffentlichen Raum gehen könne, prüft die Polizeibehörde die Voraussetzungen für den Erlass einer Sperrbezirksverordnung. Angeführt werden u.a. „negative Begleiterscheinungen“, besonders in der Nähe von Orten.
„Was sollen das für Begleiterscheinungen sein?“, ärgert sich Marco Jansen, „von 100 Leuten fühlt sich vielleicht einer von den Lovemobilen gestört. Und außerdem halten die Prostituierten ihre Plätze sauber.“
Wo und für welchen Zeitraum sie mit dem „Lovemobil“ auf einem Parkplatz stehen, entscheiden die Prostituierten selbst. „Für mich und meine Kolleginnen ist es selbstverständlich, uns nicht auf Parkplätze zu stellen, auf denen Familien eine Rast machen, oder in die Nähe von Schulbushaltestellen“, sagt Jasmin.
Und sollte sich durch ihre Anwesenheit doch mal jemand gestört fühlen, könne man ja ein konstruktives Gespräch suchen.