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"Plattdeutsch gehört zu unserer Heimat"

Horst Rübke macht sich stark für die plattdeutsche Sprache
 
Die Plattdeutsch-AG in der Grundschule am Westerminnerweg

Plattdeutsche Sprache im Kommen: Engagierte möchten es mehr fördern / Großer Aktionstag in Stade / Platt-AG in der Grundschule

(ab).
Der Erhalt der plattdeutschen Sprache liegen vielen Menschen aus der Region am Herzen. Und tatsächlich gibt es einen Aufschwung: In den unterschiedlichsten Bereichen wird wieder platt gesprochen. Das „Regionalforum Plattdeutsch im Landkreis Stade“ tritt unter der Schirmherrschaft des Stader Landrats Michael Roesberg in Aktion. „Ziel ist es, dass möglichst viele Menschen im Landkreis Stade die plattdeutsche Sprache wieder entdecken oder auch lernen. Diese wunderbare Traditionssprache darf nicht verloren gehen.“ Der Landrat möchte dazu Plattdeutsch-sprechende miteinander vernetzen, beispielsweise über eine Internetseite (siehe unten).

Wie das Fördern der plattdeutschen Sprache im Alltag aussieht, zeigt ein Besuch an der Grundschule am Westerminnerweg in Jork: Dort bietet Horst Rübke eine Plattdeutsch-AG für dritte und vierte Klassen an. „Plattdeutsch gehört zu unserer Heimat“, sagt er und möchte sein Wissen gerne weitervermitteln. In seiner AG müssen die Kinder möglichst viel „platt snacken“. Rübke: „Wer auf die Toilette möchte, sollte das auf Platt sagen, also beispielsweise ,Ik mutt mohl to Tante Meier‘ oder ,Ik mutt mohl ut de büx‘.“

Begeistert lernen seine Schüler, dass ein „Schieter“ ein Kosename, ein „Ackerschnacker“ ein Handy und ein „Gnadderbüddel“ ein schlecht gelaunter Mensch ist. Aufmerksam folgen die Kinder seinen Ausführungen - Rübke gestaltet die Stunde kurzweilig und ideenreich.

Heute ordnet er auf Platt an, Ostereier in bestimmter Anzahl und Farbe aufzuhängen.
„Immer wieder höre ich: ,Verstehen kann ich es, aber sprechen nicht‘, dabei ist das Wichtigste, es selbst zu sprechen“, erklärt Horst Rübke. Das gelte für Kinder ebenso wie für Erwachsene. Der 73-jährige Elektro-Ingenieur ist selbst mit Plattdeutsch aufgewachsen. „Zwar nicht zu Hause, da wurde hochdeutsch gesprochen, aber mein Vater hat während seiner Arbeit als Sparkassendirektor Platt geschnackt.“ Die Sprache habe Horst Rübke gefallen, sodass er es auch lernte.

Zum Unterrichten kam er vor drei Jahren, als ihn seine Tochter bat, an einer Grundschule in Stade mit Plattdeutsch auszuhelfen - der eigentliche Lehrer war ausgefallen. Inzwischen unterrichtet Horst Rübke vier Klassen an drei Schulen, liest auf Plattdeutsch in Kindergärten vor.

Für die Grundschule am Westerminnerweg ist Horst Rübke ein Glücksgriff, sagt Schulleiter Heinrich Lücken. „Plattdeutsch soll an den Schulen gefördert werden, aber das ist gar nicht so einfach. Denn die Lehrkräfte sprechen häufig kein Platt. Und ich möchte niemanden dazu verpflichten, es zu lernen. Dahinter muss Motivation stecken.“


Breit angelegter Aktionstag
Im Kreishaus in Stade wird es wieder ein großes Plattdeutsch-Treffen geben: „Schnackt platt överall“ lautet das Motto des Aktionstages am 26. September zum „Europäischen Tag der Sprachen“- ob zu Hause, beim Einkaufen oder bei der Arbeit. „Schön wäre es, wenn im September überall im Landkreis viele kleine Aktionen unter diesem Motto stattfinden“, sagt Landrat Michael Roesberg.
Wer dabei sein oder zumindest Ideen zum Thema „Platt im Landkreis Stade“ beisteuern möchte, kann diese per E-Mail unter ideen@landkreis-stade.de (unter Betreff: plattdüütsch), selbstverständlich auch auf Platt, melden. Hier werden die Anregungen gesammelt und anschließend daraus eine Internetseite erstellt. Der Link wird im WOCHENBLATT bekannt gegeben.



Horst Rübke: „Mi mookt dat bannig veel freit“
Mien Öller un Grootöllern snackden plattdüüsch, aber mit uns Kinner hebbt se hochdüütsch snackt. Ik bün in Neegraben uffwassen, dat wör do de Tied noch een Dörp. Veele Kinner in mien Klass weern von een Buurnhoff un so snackt wi mit den een plattdütsch un mit den annern hochdüütsch. Inne School un op de Hochschool hebbt wi nur hochdüütsch snackt. Dat wat man aber as Kind lehrt hett, verget man dat ganze Leben nich so gau wedder. Een paar Jahr heff ik bi son plattdüütsche Theatergrupp mitmookt. Ik bün de Menung, dat man plattdütsch verstahn un wenn dat möglich is, ok snacken schall. As mien Dochter mi froogt hett, ob ik dat nich in de School unterrichten kann, wo ehr Kinner sünd, heff ik jo seggt. Mi mookt dat bannig veel freit. As Rentner heff ik een beten mehr Tied und unterricht ik plattdüütsch in Jork mit twee Klassen un in Hollen-Twielenfleth un in Stood een Klass. De Pastor in Jork hett dat ok wies kregen un bimmelt bi mi an. In den Kinnergorn bin ik de Vorleseopa. De Kinner inne School un in Kinnergorn freit sick jümmer wenn ik kummen de un mi mookt dat ok bannig veel Spaass.
Horst Rübke



Platt im Landkreis Harburg
Der Plattdeutschbeauftragte des Landkreises Harburg, Herbert Timm, hat den Verein „För Platt“ gegründet. Seit 2001 hat er dieses Amt inne, hat in der Zeit ein Archiv aufgebaut und eine Bibliothek mit plattdeutschen Werken ins Leben gerufen. „Rund 1.000 Bücher gibt es in der Plattdeutschbibliothek“, sagt Timm, der derzeit überlegt, sie von ihrem aktuellen Standort Salzhausen zu verlegen. „Das ist zu abgelegen, wir brauchen einen zentraleren Standort.“ Gerade hat Herbert Timm ein Buch in Platt übersetzt: „Der alte Mann und das Meer“ von Ernest Hemmingway gibt es jetzt als Taschenbuch „De ole Mann un de See: Översett vun Herbert Timm“ und kann in allen Buchhandlungen bestellt werden.
Auf www.foer-platt.de finden Interessierte Wissenwertes sowie sämtliche Termine rund um Plattdeutsch im Landkreis Harburg.