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"Sea Watch" in Neuenfelde: Lebensretter rüsten auf

Die private Initiative "Sea Watch" lässt derzeit ihr neues Rettungsschiff in Neuenfelde umbauen
bc. Neuenfelde. Es sind nicht die spektakulären Schiffsneubauten, die derzeit für Schlagzeilen auf der "Pella Sietas"-Werft in Neuenfelde sorgen. Am Freitag lud das Altländer Traditionsunternehmen, das sich nach der Insolvenzzeit seit 2014 unter russischer Führung befindet (wie berichtet), zu einer viel beachteten Pressekonferenz ein. Grund: Die private Flüchtlingsinitiative "Sea Watch" lässt ihr neues Rettungsschiff, ein früheres Forschungsschiff, an der Este-Mündung umbauen.

Möglichst schon ab April möchte die ehrenamtliche Crew wieder schiffbrüchigen Flüchtlingen im Mittelmeer das Leben retten. Dann mit der neuen, größeren und ganzjährig einsetzbaren "Sea Watch 2". Im vergangenen Jahr stachen sie noch mit dem ehemaligen Fischkutter "Sea Watch 1" in See, um vor der libyschen Grenze Einsätze zu fahren. Nach eigenen Angaben retteten sie mehr als 2.000 Menschen das Leben.

Mit der "Sea Watch 1", die aktuell in einer Werft in Tunesien liegt, stießen die Retter jedoch an ihre Grenzen. Der Platz für Rettungsmittel reichte nicht aus. Überwachungstechnik gab es nicht, nach Flüchtenden in Seenot wurde mit einem Fernglas gesucht. Schwerstverletzte mussten auf dem Esstisch behandelt werden. In der "Sea Watch 2" soll nun genügend Raum für ein eigenes Behandlungszimmer sein.

Das Einsatzgebiet bleibt das gleiche. Es konzentriert sich auf ein 75 mal 20 Meilen großes Seegebiet vor Tripolis. Viel weiter kommen die meisten, hoffnungslos überfüllten Schlauchboote nach Angaben der Initiative gar nicht.

"Die Sea Watch 2 ist unsere Antwort auf das Versagen der europäischen Politik, die das Sterben auf dem Mittelmeer nach wie vor zumindest duldet”, sagt SeaWatch-Initiator Harald Höppner, ein Unternehmer aus Berlin. Die Zivilgesellschaft müsse einspringen, damit nicht noch mehr Menschen sterben.

Finanziert wurde der Kauf des neuen Schiffes durch eine Crowdfunding-Aktion (siehe Kasten). Kosten: ca. 200.000 Euro. Für den Umbau und den Einsatz in 2016 kalkuliert das Team mindestens 550.000 Euro. "Das Projekt ist auf weitere Spenden angewiesen”, sagt Harald Höppner.

Skipper Ingo Werth aus Hamburg-Bergedorf, eigentlich Inhaber einer Autowerkstatt, hat seinen Hauptjob auf Eis gelegt: "Wir gehen davon aus, dass sich die Verhältnisse auf dem Mittelmeer verschlimmern werden." Um für den Einsatz gerüstet zu sein, bräuchte die Crew dringend einen Maschinisten, der sich mit der Schiffstechnik aus den 1960er Jahren auskenne.

Der Kontakt der "Sea Watch"-Initiative zur "Pella Sietas"-Werft ist auf der Hanseboot-Messe in Hamburg entstanden. "Wir wollten die Aktion unbedingt unterstützen", sagt Fridtjof Rohde vom Werft-Management. Unter anderem arbeite die Werft für den halben Preis.

• Infos zu Spendenmöglichkeiten: www.sea-watch.org