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Smartphone-Fasten: Wurstfinger und Tasten klein wie Nadelköpfe

WOCHENBLATT-Redakteur Björn Carstens (Foto: am)
Schokolade fasten kann ja jeder. Aufs Smartphone verzichten ist eine ganz andere Liga. Nach diesem Motto bin ich, WOCHENBLATT-Redakteur Björn Carstens (35), seit Aschermittwoch clean. Der kalte Entzug gestaltet sich zunehmend erträglich. Die Suchttherapie scheint zu greifen.

Mein "Methadon" ist mittlerweile ein klappriges Nokia-Modell von anno dazumal. Den uralten Siemens-Knochen habe ich entsorgt. Wurstfinger und Tasten so klein wie Nadelköpfe vertragen sich nicht. "Haklo, wamms tseffien wur ons heede aband?" Wenn man für meine SMS Übersetzungsprogramme braucht, muss ein neues Handy her.

Zum Glück hatte ein Arbeitskollege das Nokia-Handy auf dem Speicher liegen, gleich neben dem Wählscheiben-Telefon und Omas Grammophon. Die interessanteste Funktion meines neuen Fernsprechapparates ist aber nicht telefonieren oder Mitteilungen schreiben, es ist der Wecker.

Eine mechanisch, monotone Frauenstimme ertönt frühmorgens: "Es ist sechs Uuuhr fünfzig, Zeit aufzustehen." Drückt man die Schlummertaste, meldet sie sich zehn Minuten später erneut: "Es ist sieben Uuuuuhr, Zeit aufzustehen!" Fast scheint es so, als wäre die Roboter-Stimme beim zweiten Mal zorniger.

Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, meine Mutter spricht zu mir. Ganz so, wie sie es 1989 gemacht hat, als ich kleiner Butscher wegen der Mathe-Arbeit nicht aufstehen wollte und sie mir die Bettdecke gnadenlos wegzog.

Da fällt mir ein: Ich muss dringend meine Mutti anrufen. Zum Glück geht das auch ohne Smartphone. Björn Carstens