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Sprechen ohne zu sprechen?

  at. Stade. Rieke ist fast ein Jahr alt und kann, wie jedes Kind in ihrem Alter, ihre Bedürfnisse noch nicht formulieren. Aber sie kann sich mit Handzeichen mitteilen. Sie hebt die Hand und winkt. Damit "sagt" sie "Hallo" und "Tschüss" ohne diese beiden Wörter auszusprechen. "Ich merke, dass meine Tochter sich ausdrücken will. Wenn das nicht klappt, führt es oft zu Wutausbrüchen", sagt ihre Mutter Meike.
Gemeinsam besuchen sie den Kurs Babysignale. Leiterin Beate Mayer macht Hoffnung: "Durch Gebärden werden Wünschen wahr." Sie geht dabei nach einem einfachen Prinzip vor: Die Dinge des Alltags - Essen, Trinken oder Schlafen - interessieren die Jungen und Mädchen. Beate Mayer vermittelt in ihrem Kurs Zeichen aus der deutschen Gebärdensprache.
Die Wutausbrüche beschreibt auch Katrin. Sie kenne das von ihrem Neffen. "Das Kind schreit, man stellt ihm einfach alles hin, und es schreit trotzdem weiter", sagt sie. Ihre Schwester sei daraufhin in den Babysignal-Kurs gegangen. Ihr Sohn Henry ist acht Monate. "Er teilt sich gerne mit, das will ich unterstützten", sagt seine Mutter. Für den Kurs ist Henry nicht zu jung: Auch wenn er die Handzeichen noch nicht nachmachen kann, versteht er sie.
Kinder sprechen mit dem ersten Lebensjahr in der Regel ihr erstes Wort, ab dem zweiten Lebensjahr haben sie rund 50 Wörter gelernt und bilden bereits einen Zwei-Wörter-Satz. Drei-Wört-Sätze sprechen sie in der Regel ab dem dritten Lebensjahr. Zwischen dem vierten und fünften Lebensjahr ist die Sprachfindung grob abgeschlossen. Gebärdensprache für Kinder gibt es erst seit 2005 in Deutschland. Die Idee kommt aus den USA.
Beate Mayer beginnt mit einer simplen Gebärde - "An" und "Aus". Dazu benutzt sie eine Lampe, die sie an und aus macht. "Geht das Licht an, öffnen sie die Hand", erklärt sie den Müttern in ihrem Kurs. "Soll das Licht aus, schließen sie die Finger zu einer Faust." Benutzen kann man das auch bei Musik oder anderen Dingen. "Ihr müsst die Gebärden nur in eure Sprache integrieren. Am besten, ihr sucht euch sechs aus und zeigt sie immer wieder, dann übernehmen die Kinder die Gesten irgendwann", sagt die Kursleiterin. Jungen und Mädchen ab einem Jahr übernehmen schnell die Gebärden, jüngere Kinder beginnen frühestens ab den neunten Monat mit dem gebärden. Trotzdem kann dich mit ihnen mittels Hanszeichen verständigen. Wenn man dem Kind den Handrücken zeigt und die Finger zu den Handflächen bewegt, bedeutet das "ich nehme dich auf den Arm". "Die Kinder haben so eine Möglichkeit sich darauf vorzubereiten", so Beate Meyer. Sie habe auch von einer anderen Kursteilnehmerin gehört, dass die ihrem Kind immer wenn es Hunger hatte, die Gebärde für Essen zeigte. "Das Kind hat sich dann beruhigt. Es wusste, Mama hat mich verstanden."
Besonders beliebt bei Kindern und Eltern sind Tiere. Beim Hasen imitieren die Hände die Ohren des Tieres, beim Vogel bewegen die Eltern die Arme auf und ab, das stellt die Flügel dar. "Die Kinder brauchen nicht einfach nur irgendwo hinzeigen, sondern drücken sich differenziert aus. Wenn es zu schwer ist, variieren die Kleinen die Handbewegungen", sagt Beate Mayer. Sie ist Ergotherapeutin und hat in einer Fortbildung die Gebärdensprache gelernt. Sie hatte mit ihrer dreijährigen Tochter auch einen Kurs belegt.
Die einjährige Rieke hat ihr Erfolgserlebnis gleich in der ersten Stunde: Sie gebärdet bereits nach 45 Minuten. Die bewegt den Arm nach links und rechts - die beste fürs Singen.