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"Traut euch, eure Kinder halten es aus"

Kinder müssen sich ausprobieren - das sollten Eltern aushalten und Hilfestellung geben, wenn es nötig ist (Foto: Fotolia/Syda Productions)

Tagesmütter aus der Region sprechen über ihre Erfahrungen mit Kleinkindern und deren Eltern


(ab). Eltern, die mit Zweijährigen minutenlang über das Anziehen diskutieren, Kinder, die dabei immer zappeliger und fordernder werden: Das ist eine der beispielhaften Situationen, die vier Tagesmütter aus dem Landkreis Stade in ihrem Arbeitsalltag immer wieder beobachten. Die vier Frauen hatten sich an das WOCHENBLATT gewandt, nachdem sie die Artikel-Serie der überforderten Lehrer gelesen hatten. Und sie sagen: Der Grundstein für das Verhalten der Kinder in der Schule, einfachste Regeln nicht zu befolgen, respektlos und häufig aggressiv gegenüber anderen aufzutreten, werde häufig schon im Kleinkindalter gelegt. Ihr Appell an die Eltern lautet daher: „Traut euch, nein zu sagen. Lasst eure Kinder los und gebt ihnen die Chance, sich selbst zu entdecken.“
„Uns geht es nicht darum, in den Eltern die Schuldigen zu suchen“, sagt eine Tagesmutter. „Vielmehr möchten wir sie zum Handeln ermutigen und dazu, liebevoll Grenzen zu setzen.“ Regeln würden schon bei Kleinkindern helfen, sie dienten ihnen zur Orientierung. „Immer wieder beobachte ich, wie Kinder bei den kleinsten Dingen nach ihrer Meinung gefragt werden: Mütze oder Kapuze? Handschuhe ja - oder nein? Für einen Eineinhalb- bis Zweijährigen ist das verwirrend“, so eine Tagesmutter. „Meiner Meinung nach versuchen Eltern krampfhaft, ihr Kind zufrieden zu stellen.“
„Neulich konnte ich miterleben, wie eine Mutter, nachdem sie ihr Kind bei mir abgeholt hatte, eine Viertelstunde hinter ihm hergelaufen ist, weil es nicht ins Auto steigen wollte“, berichtet eine zweite Tagesmutter. „Die Mutter konnte sich wohl nicht dazu überwinden, das Kind zu schnappen, ins Auto zu setzen und zu riskieren, dass es anfängt zu schreien.“
Eine Situation, die den Betreuerinnen immer häufiger begegnet: Eltern gehen Konfrontationen mit ihren Kindern möglichst aus dem Weg. „Sie kommen gestresst von der Arbeit zu uns, haben ein schlechtes Gewissen, weil sie ihr Kleinkind fremd betreuen lassen, und nehmen sich in ihren eigenen Bedürfnissen total zurück“, fügt eine Tagesmutter hinzu. „Doch der Weg des geringsten Widerstandes ist einfach kein Erziehungsstil.“
„Die Kinder sind zu den Fixsternen der Eltern geworden. Es dreht sich alles nur noch um sie“, erzählt eine weitere Betreuerin. Alles werde den Kleinen abgenommen, sogar die Freizeitgestaltung. „Ständig werden sie woanders hingeschleppt - von Montag bis Freitag ist eine Woche komplett durchgetaktet: Kinderturnen, Schwimmen, Englisch, Musikfrühförderung.“ Dadurch kämen die Kleinen gar nicht mehr dazu, sich mit sich selbst zu beschäftigen - und das gehöre zur Entwicklung der Persönlichkeit auf jeden Fall dazu“, sind die Tagesmütter überzeugt.

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