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Vierlinge mit 65: Über diese Frau diskutiert Deutschland

Annegret Raunigk (li.) erwartet mit 65 Jahren Vierlinge. Ihre jüngste Tochter (Mitte) ist erst neun Jahre alt. Birgit Schrowange (re.) berichtete in der RTL-Sendung "Extra" über die "Oma-Mutter" (Foto: RTL_Pfeiffer)

(tk). Über diese Frau diskutiert ganz Deutschland: Annegret Raunigk aus Berlin erwartet mit 65 Jahren Vierlinge. Die Mutter von 13 Kinder, das Jüngste ist erst neun Jahre alt, ließ sich in der Ukraine künstlich befruchten. Darüber hat Birgit Schrowange im Magazin "RTL Extra" berichtet. Raunigk, von Beruf Lehrerin, wird im Sommer pensioniert - und Mutter von vier Neugeborenen. Kann das gut gehen? Das WOCHENBLATT befragte Psychologinnen zur Motivation der Spätgebärenden und über die Auswirkungen auf ihren Nachwuchs. Vorweg: Alle Experten sind sich in einem einig, "Der Frau geht es nicht um die Kinder, sondern einzig um die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse."

Diplom-Psychologin Kerstin Meyer (47), Leiterin der Erziehungsberatung des Diakonieverbands in Stade und Buxtehude: "Jugendliche schämen sich häufig für ihre alten Eltern. Eine Mutter im Oma-Alter - das ist "echt uncool'".

Hinzu komme in diesem Fall die hohe Wahrscheinlichkeit, dass eine 65-jährige der Aufgabe als alleinerziehende Mutter von vier Kleinkindern nicht gewachsen ist. "Die körperliche und nervliche Belastbarkeit nimmt von Jahr zu Jahr ab", so Meyer. Sie kenne 40-jährige Frauen, die unter dem permanten Schlafmangel zusammenbrechen.
Die Vierlinge, wenn sie älter sind, und Raunigks heute neunjährige Tochter, würden später Aufgaben und Pflichten ihrer Mutter übernehmen müssen. "Auf diese Weise wird ihnen ein Stück Kindheit genommen", so die Psychologin. Sie kennt aus ihrer Arbeit Jugendliche, die zum Beispiel aufgrund kranker Eltern eine Erwachsenenrolle einnehmen müssen. Diese Kinder seien "hochbelastet".

Was bei dieser extrem späten Mutterschaft ein großes Problem ist: Wird Annegret Raunigk ein Pflegefall, werden sich ihre kleinen Kinder wahrscheinlich die Schuld daran geben. Die Expertin: "Kinder zwischen vier und acht Jahren beziehen vieles auf sich. Wenn Mutti nicht mehr kann, werden sie sich als die Ursache dafür sehen."

Eine Psychologin aus Buxtehude, die namentlich nicht genannt werden möchte, erklärt den späten Kinderwunsch: "Ein Baby auf dem Arm zu halten ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Viele Frauen wollen diese Momente des Glücks so oft wie es geht wiederholen." Warum im Fall der 65-jährigen Annegret Raunigk nicht die Vernunft "Nein" zu einer so späten Mutterschaft sagt, erklärt die Expertin mit deutlichen Worten: "Statt des Verstandes entscheidet bei ihr eine Neurose."