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Wenn der Wecker den Kaffee aufbrüht

In der modernen Welt ist alles mit allem vernetzt. Per Smartphone lässt sich die Kaffeemaschine starten (Foto: jd)
Nicht alles, was machbar ist, ist auch nützlich. Aber die gestern zu Ende gegangene „Consumer Electronics Show“ (CES) in Las Vegas - die größte High-Tech-Messe der Welt - hat gezeigt, wie unser Alltag schon jetzt aussehen könnte. Selbst denken und selbst machen ist out, stattdessen ist irgendwie alles smart und mit dem Internet verbunden. WOCHENBLATT-Redakteur Björn Carstens wagt einen nicht ganz ernst gemeinten, aber durchaus realistischen Ausblick:

Morgens, 6.30 Uhr, der Wecker piept. Weil er mit dem Internet verbunden ist, weiß die Kaffeemaschine, dass sie mit dem Brühvorgang beginnen kann. Im Bad erzählt mir die W-LAN-fähige Zahnbürste, dass sich der Verkehr auf der Autobahn staut. Der Stress ist programmiert, meine Smartwatch bestätigt es: „Puls und Blutdruck sind zu hoch.“

Zum Glück lässt sich der Stau leicht umfahren. Das Auto kennt Schleichwege, denn: Natürlich ist es online. Und fahren tut es wie von Geisterhand, ganz smart. Selbstlenkende Autos sind keine Zukunftsmusik mehr. Google, aber auch Audi, BMW, Mercedes und VW sind weit vorne in der Entwicklung.

Im Innenraum gibt es drehbare Sitze. Ich kehre der Windschutzscheibe den Rücken zu und schreibe den ersten Artikel des Tages auf meinem Laptop, während aus dem Netzradio aktuelle Nachrichten tönen, gefolgt vom persönlichen Terminkalender für den heutigen Tag. Die digitale Stimme wird unterbrochen von der Diebstahlschutz-App, die auf dem Display meines Smartphones aufleuchtet und fragt: „Das Küchenfenster ist noch offen. Soll es geschlossen werden?“ Besser ist es, zum Schutz vor Langfingern.

Kurz danach blinkt meine Floristik-App: Dahlien und Orchideen werden jetzt gegossen. Derweil warnt der www-Staubsauger auf dem Monitor im Armaturenbrett, dass seine Anti-Viren-Software dringend ein Update braucht. Gleichzeitig meldet sich mein intelligenter Gürtel „Belty“ zu Wort.

Mein Hüftumfang soll angewachsen sein. Die App sagt: Ein Spaziergang täte mir gut. Jetzt geht es noch nicht - erst die Arbeit und dann ... Während ich am Nachmittag entspannt durchs Grüne stapfe, blinkt auf meinem Fitness-Armband ein Smiley: „Gut gemacht. Sie haben jetzt Feierabend.“

Auf dem Weg nach Hause sendet der Wagen drei Kilometer vor Daheim dem Thermostat, die Heizung hochzufahren. Zehn Schritte vor der Haustür öffnet sich selbige - natürlich im Smartphone konfiguriert. Das Smart-TV hat unterdessen alle interessanten Sendungen für mich aufgezeichnet. Der Tag kann ausklingen - ganz smart.

Fazit: Nicht mal der Film-Klassiker „Zurück in die Zukunft 2“ konnte 1989 vorhersehen, welche Möglichkeiten sich ergeben werden. Damals reiste Marty McFly alias Michael J. Fox in einer Zeitmaschine ins Jahr 2015. Aber das Internet gab es dort nicht. McFly flatterte die Kündigung per Fax ins Haus. Per Fax! Wo leben wir denn?

Björn Carstens