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Wird A26 doch schon 2015 komplett geöffnet?

Die Autobahn-Trasse von Horneburg bis zur Anschlussstelle in Jork ist fertig. Eröffnung ist Ende November
(bc). "Monitoring" heißt der Strohhalm, an den sich viele Altländer klammern müssen. Nur wenn die Messungen des Verkehrs im Alten Land entsprechende Zahlen liefern, kann die A26-Anschlussstelle (AS) Jork doch noch 2015 in beide Fahrtrichtungen für Pkw und Motorräder freigegeben werden. Das teilte Hans-Jürgen Haase, Leiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Stade, am Mittwoch im Verkehrsausschuss des Landkreises mit. "Im Augenblick gibt es keine andere Möglichkeit, die Autobahn komplett zu öffnen", sagte Haase.

Genau dafür plädieren aber viele Menschen in den Dörfern der Samtgemeinde Lühe. Einige waren im Ausschuss dabei. Sie können nicht verstehen, dass Ende November die Autobahn nur in Richtung Stade geöffnet werden soll. Die andere Fahrbahn soll laut Land solange stillgelegt werden, bis im Jahr 2020 die AS Neu Wulmstorf fertig ist (das WOCHENBLATT berichtete). "Was gedenken die Verantwortlichen des Landkreises zu tun, um den zahlenmäßig nachgewiesenen Anstieg der Lkw-Fahrten zu stoppen?", fragte Joachim Streckwaldt, Sprecher einer Bürgerinitiative in Mittelnkirchen. Hintergrund: Lkw dürfen die A26 zwischen Jork und Horneburg die nächsten sechs Jahre überhaupt nicht nutzen.

Haase verteidigte die einseitige Öffnung nur für Autos und Biker. Sie sei keine "politische, sondern eine rechtliche Frage". Der 2. Bauabschnitt der A26 von Horneburg bis Buxtehude sei in einem Stück durchgeplant worden. Eine Teilöffnung in Jork sei niemals vorgesehen gewesen. "Die Anwohner hatten damals im Planverfahren keine Möglichkeit, Einwendungen abzugeben", so Haase. Klagen von Anliegern in den betroffenen Ortschaften Jork, Dammhausen und Neukloster hätten große Aussicht auf Erfolg. In Jork herrsche schon jetzt ein Lärmpegel an der oberen Grenze des Erlaubten. Es sei nicht möglich, einige Anwohner zu entlasten, dafür aber andere zu belasten, sagte Haase. „Wir haben uns dazu entschieden, die Autobahn bis Jork fertig zu bauen, weil selbst die Freigabe einer Richtung eine Entlastung für die Region ist“, schilderte Haase. Dass die andere Seite jahrelang brachläge, führe nur zu geringen Mehrkosten. Viel teurer wäre es geworden, die andere Fahrbahn später zu bauen.

Einem Versuch, die A26 probeweise komplett freizugeben, so wie von CDU-Kreistagsmitglied Robert Kamprad im Ausschuss vorgeschlagen, erteilte Haase eine Absage. Die Hoffnung läge alleine auf dem Verkehrsmonitoring, das vom Land und Landkreis gemeinsam betrieben wird.

Die elektronischen Messungen sollen laut Haase noch im Oktober beginnen und im Frühjahr kommenden Jahres enden. Wichtig werde sein, den Verkehr zu überwachen, sofern die Jorker Ortsumgehung im Mai 2015 freigegeben ist. „Nur wenn der Verkehr nach der Teilöffnung über den kompletten Beobachtungszeitraum in erheblich geringerer Stärke zunimmt als prognostiziert, gibt es eine Chance, die A26 doch in beide Richtungen zu öffnen“, äußerte sich Haase gegenüber dem WOCHENBLATT. Die Anwohner dürften nicht mehr belastet werden als zuvor.

CDU-Kreistagsabgeordneter Hans-Jürgen Detje kann das nicht nachvollziehen: „Nur um mögliche Klagen zu umgehen, die Autobahn nicht zu öffnen, halte ich für falsch.“ Dann werden die Klagen aus anderen Ortschaften kommen.

SPD-Frau Astrid Bade forderte zusätzlich zum Monitoring die Einrichtung eines runden Tisches in den betroffenen Dörfern unter Einbeziehung der Bürgerinitiativen: „Niemand kennt die Verkehrsprobleme so gut wie die Anwohner.“

Ziel sollte es laut Haase sein, die Autobahn so schnell wie möglich bis zur A7 in Hamburg durchzuziehen. Aus der Hansestadt lässt sich jedoch niemand zu einer offiziellen Prognose hinreißen. Nach WOCHENBLATT-Informationen steht noch in diesem Jahr der Erörterungstermin für den 4. Bauabschnitt von Neu Wulmstorf bis Hamburg an, der Planfeststellungsbescheid soll dann 2015 folgen. In der Regel frühestens sechs Jahre danach könnte hier der Verkehr rollen. Das wäre dann 2021 - sofern niemand klagt.