Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Wochenend-Reportage: Über die Ängste eines Tauch-Greenhorns

Mein Ausbilder Stephan Blanke (li.) wich mir, dem WOCHENBLATT-Reporter Björn Carstens, nicht von der Seite (Foto: oh)
bc. Horneburg. Sommerferien! Für viele Menschen die beste Gelegenheit, ein paar Wochen von der Bildfläche zu verschwinden, dem Alltag zu entfliehen, einfach mal unterzutauchen. WOCHENBLATT-Reporter Björn Carstens (34) nutzt die Chance und absolviert einen Crashkurs bei den Wasserrettern der DLRG. Gemeinsam mit Stephan Blanke, Einsatzleiter der Ortsgruppe Buxtehude, geht der Redakteur im Horneburger Freibad auf Tauchstation.

Mich beschleichen die Ängste eines Tauch-Greenhorns. Was ist, wenn ich einen kräftigen Schluck H2O einatme? Gerate ich in Panik? Mein Herz klopft schneller, bevor meine Zehenspitzen überhaupt das Nass berühren.

Ich schnalle mir die mehr als 20 Kilo schwere Atemflasche auf den Rücken. In der sind rund 2.000 Liter Pressluft in einem Volumen von zehn Litern komprimiert. "Viele glauben, es sei Sauerstoff in der Flasche. Dabei handelt es sich nur um gefilterte Luft", erklärt Blanke.

Es wird ernst: 34 Jahre, zwei Monate und 30 Tage war ich darauf programmiert, unter Wasser nicht nach Luft zu schnappen. Meinen Synapsen das Gegenteil beizubringen, ringt mir mehr Überwindung ab als vermutet. Einmal, zweimal, dreimal schnelle ich nach wenigen Sekunden-Bruchteilen wieder hoch. Doch dann klappt es.

Meine ersten zehn Atemzüge - völlig schwerelos. So müssen sich Astronauten-Azubis fühlen. "Raumfahrer simulieren Schwerelosigkeit im Wasser", erzählt mir mein Ausbilder.

Von Minute zu Minute werde ich mutiger. Zunächst nehme ich im Schneidersitz in zwei Metern Tiefe Platz, dann gleite ich die kompletten 50 Meter am Grund des Beckens entlang ans andere "Ufer"- Stephan Blanke immer an meiner Seite.

Faszinierend, was ich alles erkenne: Zwar sind keine leuchtenden Korallen oder singenden Delfine dabei, aber immerhin kann ich registrieren, dass im Horneburger Freibad dringender Sanierungsbedarf herrscht.

Zum krönenden Abschluss springe ich in kompletter Montur vom Beckenrand, beiße dabei aber so fest aufs Mundstück, dass ich Gefahr laufe, das Gummi durchzunagen.

Ich muss feststellen: DLRG-Taucher sind viel taffer als ich. Bei Katastrophen-Einsätzen kümmern sie sich in trüben Gewässern um die Deichverteidigung oder suchen unter Wasser nach vermissten Personen.

Ich bin von einem Tauchgang in der Elbe so weit entfernt wie eine Milchkuh vom Weinkeltern. Einen Schnupperkursus kann ich aber schon mal wärmstens empfehlen.

• Die Ortsgruppe der DLRG Buxtehude plant den Bau eines neuen Vereinsheims. Ohne Spenden ist eine Realisierung jedoch ausgeschlossen. Interessierte Sponsoren finden weitere Informationen unter www.dlrg-buxtehude.de.