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Auch schon mal "vertwittert"?

(bc). Twittern, ohne vorher großartig nachzudenken, kann in die Hose gehen. Wenn Politiker zum Handy greifen, um auf 140 Zeichen komplexe Zusammenhänge zu kommentieren, ist Vorsicht geboten. Das weiß allerspätestens jetzt auch Grünen-Bundespolitikerin Renate Künast, die sich nach der Axt-Attacke bei Würzburg bemüßigt fühlte, die Polizei zu kritisieren. Ihr Tweet im Netz „Wieso konnte der Angreifer nicht angriffsunfähig geschossen werden??? Fragen!“ löste einen wahren Shitstorm aus. Das WOCHENBLATT wollte von hochrangigen Politikern aus der Region wissen, was sie von Künast vorschnellem Vorstoß halten und ob sie sich auch schon mal „vertwittert“ haben.

• Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Michael Grosse-Brömer aus Brakel bei Hanstedt, „zwitschert“ selbst relativ viel im Netz, hat fast 6.800 Follower bei Twitter. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, was den Künast-Tweet angeht: „In der Häufigkeit, wie sich Frau Künast vertwittert, passiert mir das sicher nicht. Losgelöst von dem aktuellen Beispiel hat Frau Künast in der Vergangenheit auch schon die amerikanischen Präsidenten Lincoln und Washington verwechselt oder die Slowakei mit Polen. Das schafft so schnell kein(e) Zweite(r).“

• Kai Seefried, CDU-Landtagsabgeordneter aus Drochtersen, hat sich zur Maßgabe gemacht, lieber zweimal zu überlegen, bevor er einen Tweet ins weltweite Netz entsendet. Ohnehin kommentiert er äußerst selten tagesaktuelle Geschehnisse - und wenn dann eher harmlose. Beispiel: Vor einer Woche gratulierte er dem neuen Schützenkönig von Drochtersen via Twitter. Entsprechend kennt er keinen Shitstorm. Seine Follower-Zahl hält sich mit 294 aber auch in Grenzen. Zum „Künast-Gate“ sagt er: „War das wirklich ein Versehen oder muss man ihr da ehrliche Meinung unterstellen?“

• Petra Tiemann, SPD-Landtagsabgeordnete aus Kutenholz, twittert nicht, ist nur bei Facebook aktiv. Sie hält die Kritik von Künast an der Polizei für fahrlässig. Es sei nicht richtig, Tipps zu geben, ohne dabei gewesen zu sein. Sie selbst hat kein Problem, ihre Meinung im Internet zu verbreiten: „Twitter ist da aber nicht immer das richtige Medium.“

• Die Twitter-Karriere der SPD-Bundestagsabgeordneten Svenja Stadler aus Seevetal steckt ebenfalls noch in den Kinderschuhen (775 Follower). Sie kommentiert selten heikle Themen, dafür ließ sie während der Fußball-EM ihren Emotionen im Netz freien Lauf. Vor dem Halbfinale gegen Frankreich feuerte sie die deutsche Mannschaft an: „Übrigens, ein Spiel hat 90 Minuten - und der Ball ist rund! Chaka, wir schaffen das.“ Hat bekanntlich nichts gebracht.

Renate Künast hat ihr verbales Foul mittlerweile relativiert. Auf ihrer Facebook-Seite schreibt sie: „Ein Tweet ist offenbar viel zu kurz, um auf so eine gewalttätige Attacke angemessen zu reagieren.“ Recht hat sie.