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Direktorenvereinigung fordert Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren

Tritt für ein reformiertes G9 ein: Michael Kiselowa, Leiter des Luhe-Gymnasiums Winsen (Foto: archiv)
(os). Für eine Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren (G9) setzt sich die Niedersächsische Direktorenvereinigung (NDV) ein. Nach drei Jahren Erfahrung mit dem sogenannten Turbo-Abitur habe man die Gewissheit, dass mit dem Abi nach zwölf Jahren (G8) viele Schüler überfordert seien und an ihre Grenzen stoßen, erklärte der NDV-Vorsitzende Dieter Stephan in einem Bericht der Lüneburger Landeszeitung. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung in Hannover verabschiedete die NDV eine Resolution, in der sich die Leiter der Gymnasien "für einen grundsätzlich neunjährigen Bildungsgang am allgemeinbildenden Gymnasium" einsetzen. 50 der 57 Schulleiter votierten für die Resolution.
Das WOCHENBLATT fragte bei Rektoren in der Region nach: Sind Sie für das G9 oder wollen Sie das G8 beibehalten?
"Wir wollen nicht zum alten G9 zurückkehren, sondern ein neues Konzept für das Abi nach 13 Jahren entwickeln", betont Michael Kiselowa. Der Leiter des Luhe-Gymnasiums in Winsen ist Vize-Vorsitzender der NDV. Aufgabe sei, den Lernstoff so auf die neun Schuljahre am Gymnasium zu verteilen, dass eine "breite und tiefe Bildung" für alle Schüler möglich sei. Beim alten G9 habe vor allem die elfte Klasse "verführt zu bummeln", so Kiselowa. Da man das G9 von grundauf neu konzipieren müsse, stellt sich der Schulleiter auf einen längeren Prozess ein. Frühestens ab dem Schuljahr 2015/16 könnten Neuerungen greifen. "Ich bin aber optimistisch, dass etwas passiert", sagt Kiselowa.
Offen für beide Varianten ist Dr. Jutta Neemann, Leiterin des Vincent-Lübeck-Gymnasiums in Stade. "Wir haben auch gute Erfahrungen mit dem G8 gemacht", sagt sie. Viele Schüler würden das Abi nach zwölf Jahren bewältigen. Man müsse aber denjenigen, die ein Jahr für den Schulstoff länger brauchen, die Chance geben. Wie das umzusetzen sei, wisse sie nicht, sagt Neemann.
Stefan Weinreich, Leiter des Gymnasiums Hittfeld, sieht die Resolution des NDV positiv. "Wir müssen bei der Umsetzung aber darauf achten, dass wir nicht die alten Inhalte wiederbekommen, sondern den Schülern wieder mehr Sozialkompetenzen beibringen", sagt Weinreich. Vor allem Jungen würden von einem reformierten G9 profitieren. "Sie sind die Bildungsverlierer des 21. Jahrhunderts, weil von ihnen zu schnell zu viel verlangt wird", sagt der Rektor. Vor allem die Einführung der zweiten Fremdsprache in der sechsten Klasse sei deutlich zu früh. Auf keinen Fall dürfe es an einer Schule ein Abitur in zwei Geschwindigkeiten geben. Probleme nach der Einführung von G9 sieht Weinreich für die IGS in der Region: "Ich fürchte, dass kaum noch Schüler mit Gymnasialempfehlung eine IGS besuchen, wenn an beiden Schulen das Abi nach neun Jahren erreicht wird."