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Droht Kahlschlag im Forst?

Derzeit ein vertrautes Bild: Große Mengen geschlagenen Holzes säumen die Waldwege

mi. Landkreis. "Was passiert da im Wald?", fragt sich wohl derzeit so mancher aufmerksame Beobachter. Denn so massiv wie in diesem Jahr, so scheint es, wurden die Wälder im Landkreis selten durchforstet. Kein Wunder: Der Holzpreis ist so hoch wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Kostete der Festmeter Fichte im März 2009 noch rund 65 Euro, sind es heute um die 100 Euro, satte 53 Prozent mehr.
Die meisten Wälder sind keine geschützten Zonen, sondern Wirtschaftsräume. Holz ist ein Rohstoff, der ähnlich wie das Getreide auf dem Feld, angebaut und wenn die Zeit reif ist, geerntet wird. Allerdings, anders als ein Getreidefeld, hat der Wald nicht nur die Funktion als Rohstofflieferant. Er ist auch Naherholungsgebiet, Lebensraum und Landmarke.
Gerade wenn der Holzpreis steigt, scheinen Befürchtungen, der Wald werde immer mehr auf seine Verwertbarkeit reduziert, nicht völlig aus der Luft gegriffen. Schließlich ist auch die Forstwirtschaft eine Wirtschaft und damit per Definition auf Profit ausgelegt. Das gilt seit einigen Jahren auch für die niedersächsischen Staatsforsten.
Torben Homm von der Forstbetriebsgemeinschaft Jesteburg, zuständig für die Privatwälder im Raum Jesteburg-Buchholz, räumt eine Verbindung zwischen steigenden Holzpreisen und mehr Baumfällungen auch durchaus ein. "Bei einem hohen Holzpreis wenden sich natürlich auch Waldbesitzer an uns, die in ihren Beständen schon länger nichts gefällt haben", erklärt der Forstwirt. Das ändere allerdings nichts daran, dass Forstwirte nachhaltig arbeiteten - und zwar seit Jahrhunderten. Demnach sei die Fällung alter Bestände sogar notwendig, damit jüngere Bäume ausreichend Licht und Platz zum Wachsen bekämen. Der Experte spricht von sogenannter Naturverjüngung.
Bei den staatlichen niedersächsischen Landesforsten verneint Sprecher Rainer Baumgart dagegen einen direkten Zusammenhang zwischen steigenden Holzpreisen und mehr Einschlag. Baumgart: "Die Einschläge und Durchforstungen werden weit im voraus geplant, dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, der Holzpreis allein ist nicht ausschlaggebend." Vielmehr ginge es um eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes. Dazu gehöre auch, dass im gesamten Bestand schlagreife Bäume als sogenannte Habbitatbäume stehen blieben, zum Beispiel, wenn deren Stämme Spechtlöcher aufwiesen. Um das Waldbild zu erhalten, lege die Forst außerdem bei Bäumen, die das Landschaftsbild prägen, sehr sensible Maßstäbe an.
Beim Naturschutzverband NABU kritisiert man weniger die Zahl der gefällten Bäume als das Vorgehen bei der Holzernte. Bedenklich sei, dass bei Forstarbeiten immer häufiger tonnenschwere Maschinen eingesetzt würden, die den empfindlichen Waldboden verdichten und schädigen. Und, so Werner Wiesmeyer vom NABU-Buchholz: "Es ist aus Sicht des NABU nicht verständlich, dass Waldbäume nicht unter das Naturschutzgesetz fallen, das das Fällen zwischen März und September verbietet."