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"Krankenkassen stoßen sich gesund"

"Unsere Gesundheitskarte ist schon verfügbar": Markus Bönig (Foto: Ornamed)

Interview mit Markus Bönig ("Vitabook") zur geplanten Einführung einer bundesweiten Gesundheitskarte für Flüchtlinge

os. Buchholz. In Nordrhein-Westfalen hat das Gesundheitsministerium eine Rahmenvereinbarung mit acht Krankenkassen zur Einführung einer Gesundheitskarte für Flüchtlinge auf freiwilliger Basis geschlossen. „Es ist ein Skandal, dass sich Krankenkassen auf Kosten der Kommunen gesund stoßen wollen“, kritisiert Markus Bönig, Geschäftsführer der Ornamed GmbH mit Sitz in Buchholz. Das Unternehmen hat mit „vitabook“ ebenfalls eine Gesundheitskarte konzipiert. Im Interview mit WOCHENBLATT-Redakteur Oliver Sander erklärt Bönig, wo die Unterschiede zwischen beiden Systemen liegen.
WOCHENBLATT: Wie erleben Sie die Flüchtlingssituation?
Markus Bönig: Sie ist allgegenwärtig. Die humanitäre und die medizinische Versorgung der Flüchtlinge ist notwendig. Deshalb haben wir innerhalb einer Woche das „vitabook“-Konzept auf den Weg gebracht.
WOCHENBLATT: Inwieweit betrifft das die aktuelle medizinische Versorgung der Menschen, die vor Kriegen flüchten?
Bönig: Für sie brauchen wir dringend Gesundheitskarten, die nicht nur die Abrechnung, sondern auch ihre gesundheitliche Situation berücksichtigen.
WOCHENBLATT: Und das leistet Ihr „vitabook“?
Bönig: Ja. Die zuständige Behörde stellt eine Bescheinigung aus, dass der Arztbesuch des Flüchtlings zulässig ist. Das Dokument wird eingescannt und online mit der Gesundheitskarte verknüpft. Der behandelnde Arzt kann das Dokument einsehen, dafür sind nur zwei Zugangscodes notwendig. Nach der Behandlung scannt der Arzt die Rechnung ein und lädt sie auf der Gesundheitskarte hoch. Mit dem Hinweis „ist in Rechnung“ liegt das der Behörde vor, die sie bezahlt.
WOCHENBLATT: Wo liegen die Unterschiede zum Modell, das in Nordrhein-Westfalen geplant ist?
Bönig: Der Eintritt zu der Rahmenvereinbarung ist für Städte und Kommunen mit hohen Kosten verbunden. Die Karte soll einmalig zehn Euro kosten, ein Foto des Flüchtlings muss eingereicht werden, zudem werden 200 Euro monatlicher Abschlag pro Asylbewerber, eine Provision von acht Prozent aller Behandlungskosten sowie monatlich mindestens zehn Euro Verwaltungsgebühr fällig.
WOCHENBLATT: Wie bewerten Sie das?
Bönig: Ich habe das Gefühl, dass sich Krankenkassen auf Kosten der Steuerzahler fürstlich entlohnen lassen. Die angedachten 2.530 Euro pro Flüchtling und Jahr sind völlig überzogen.
WOCHENBLATT: Welche Auswirkungen hat das für die Städte und Kommunen?
Bönig: Die Gesundheitskosten sind viel höher als die tatsächlich entstehenden Behandlungskosten. Eine Kommune mit 180 Flüchtlingen wie Jesteburg müsste pro Jahr 455.400 Euro zahlen, obwohl nur Behandlungskosten von nicht einmal 180.000 Euro entstanden sind. Zudem soll die öffentliche Gesundheitskarte erst in einem Jahr vorliegen. Unsere Karte ist deutlich günstiger und bereits jetzt zu haben.
WOCHENBLATT: Herr Bönig, vielen Dank für das Gespräch.