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Streit um Glyphosat hält an

Mit einer sogenannten Feldspritze - hier im Einsatz zur Rapsglanzkäfer-Bekämpfung - wird auch das Totalherbizid Glyphosat auf die Felder gebracht (Foto: Knabbe)
 
Glyphosatfrei: Im Handel werden Produkte teilweise bereits gekennzeichnet

EU-Staaten und Bundesregierung gespalten bei Abstimmung zu Glyphosateinsatz / Kreislandwirt auf Zinne


(ab). Johann Knabbe ist sauer. „Ein Zulassungsverbot zum Einsatz von Glyphosat wäre rückwärts gerannt“, erzürnt sich der Stader Kreislandwirt. „Wir schütteln nur noch mit dem Kopf. Hier wird etwas konstruiert, das uns Landwirten in Deutschland schadet.“

Kürzlich sollten die 28 EU-Staaten in Brüssel über eine 18-monatige Zulassungsverlängerung zum Einsatz des umstrittenen Totalherbizids Glyphosat abstimmen - und konnten sich nicht einigen. Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Ausreichend nachgewiesen wurde seine toxische Wirkung bis jetzt noch nicht. Wird die Zulassung des Pestizids nicht verlängert, ist nach dem 30. Juni der EU-weite Einsatz verboten. Auch für die deutschen Landwirtschaft wäre dann Schluss.

„Vor Jahrzehnten wurde wesentlich mehr Chemie auf den Feldern eingesetzt“, sagt Knabbe. „Inzwischen ist davon so wenig in den Mitteln enthalten, dass sie keiner Giftklasse mehr zugeordnet werden können.“ Außerdem müsste dann noch wesentlich mehr verboten werden, z.B. Friseurbesuche und das Rauchen. „Alles ebenfalls schädlich“, sagt Knabbe. Und weiter: „Ich habe eine begründete Hoffnung, dass es zu einer Verlängerung kommt. Sonst müssten wir wieder mit erhöhtem Dieselverbrauch auf unsere Äcker.“

Damit meint Knabbe die Alternativen, die bei einem Glyphosatverbot auf die Landwirte zukämen: „Wenn wir die Chemie absetzen, müssten wir wieder vermehrt mechanisch tätig werden. Das heißt, sowohl der technische Aufwand als auch der Arbeitsaufwand werden höher - und damit werden unsere Produkte auch teurer“, stellt Knabbe klar.

„Wir haben immer die Meinung vertreten, Glyphosat solange zu erlauben, bis eine für Menschen schädliche Wirkung bewiesen wurde“, sagt Ulrich Peper von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen aus Buchholz zu dem Einsatz des Totalherbizids. „Vorausgesetzt natürlich, dass es ordnungs- und bestimmungsgemäß angewendet wird.“
Glyphosat kommt auf rund 40 Prozent deutscher Ackerflächen zum Einsatz und ist weltweit das am meisten angewandte Herbizid.
Sollte sich das Mittel als krebserregend herausstellen, muss es unbedingt aus dem Verkehr gezogen werden, fügt Peper hinzu. Außerdem wolle dann kein Landwirt mehr den Unkrautvernichter weiter einsetzen. Allerdings sei bisher weder das eine noch das andere hinreichend belegt worden.

Obwohl 20 der 28 EU-Staaten eine Zulassungsverlängerung für 18 Monate befürworteten, wurde damit nicht die erforderliche „qualifizierte Mehrheit“ erreicht. Diese ist erst gegeben, wenn 55 Prozent der Staaten, die dafür stimmen, gleichzeitig 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Einzig Malta stimmte dagegen.
Bei der Abstimmung in Brüssel enthielten sich u.a. Frankreich, Italien und Österreich und Deutschland. Grund: Innerhalb der Bundesregierung ist man sich uneins. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Agrarminister Christian Schmidt (CSU) hatten einer Weiterverwendung des Totalherbizids zugestimmt. Die Bundesminister der SPD wiederum sind gegen eine Verlängerung. Innerhalb der 18-monatigen Verlängerung sollte die „Europäische Chemikalienagentur“ (Echa) prüfen, ob Glyphosat eine krebserzeugende Wirkung hat.

Im Juli soll eine weitere Abstimmung in einem Vermittlungsausschuss eine endgültige Entscheidung bringen. Sollte es wieder nicht zu einer Einigung kommen, könnte die EU-Kommission eine einseitige Entscheidung fällen - und einen verlängerten Einsatz beschließen.