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ZWISCHENRUF: Kleider machen Leute

Ich wurde schon als Schüler damit traktiert, jetzt ist meine Tochter an der Reihe: Die Novelle "Kleider machen Leute" von Gottfried Keller ist seit Jahrzehnten Pflichtlektüre an den Schulen. Damals konnte ich mit der Geschichte vom armen Schneiderlein, das unfreiwillig zum Hochstapler mutierte, wenig anfangen. Jetzt blätterte ich noch einmal in dem Bändchen, das ich auf Töchterchens Schreibtisch entdeckte. Dabei wurde mir klar, wie hochaktuell der Text ist. In der Novelle steckt eine gehörige Portion Gesellschaftskritik: Wenn ich lese, wie sich Kellers Schneider über den "Schwindler" beklagt, der "durch seine Torheiten und Gewissenlosigkeiten Tausende um ihre Ersparnisse und Notpfennige bringt", oder über den "Priester, der die Güter seiner Pfründe... verzehrt", denke ich unweigerlich an die Anlagebetrüger der Immobilienfirma S&K, die den Leuten wertlose Wertpapiere andrehten, oder an den Limburger Protzbischof. Jetzt finde auch ich: Diese Novelle sollte unbedingt Pflichtlektüre bleiben!
Jörg Dammann