Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Anlageperspektiven 2015 – Gibt es Licht am Ende des Nullzins-Tunnels?

Andreas Sommer, Vorstandsmitglied und Pressesprecher der Sparkasse Harburg-Buxtehude (Foto Sparkasse)
Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, und Andreas Sommer, Vorstandsmitglied und Pressesprecher der Sparkasse Harburg-Buxtehude, beantworten die wichtigsten Anlegerfragen.

Herr Dr. Kater, was erwartet deutsche Anleger im Jahre 2015? Dauert die Niedrigzinsphase weiter an?
Dr. Ulrich Kater: Das zurückliegende Wirtschaftsjahr war zwar turbulent, endete aber versöhnlich. Die Konjunkturdaten im Euroland haben sich wieder stabilisiert, die Weltwirtschaft ist auf Wachstumskurs. Die deutsche Wirtschaft hatte aufgrund der mangelnden konjunkturellen Dynamik und der geopolitischen Spannungen aber durchaus mit Gegenwind zu kämpfen. Sie startet deshalb mit angezogener Handbremse ins neue Jahr. Dennoch sind wir optimistisch und gehen von einem moderaten Wachstum von 1,8 Prozent in 2015 aus. Die deutsche Wirtschaft sollte nicht zuletzt durch den sinkenden Euro und einen fallenden Ölpreis den ihr fehlenden Rückenwind erhalten.

Herr Sommer, was bedeutet das für die Entwicklung des Zinsniveaus?
Andreas Sommer: Die Niedrigzinsphase wird hierzulande noch so lange andauern, wie die europäischen Länder auf ihren Schuldenbergen, die auch zur Finanzkrise geführt haben, sitzen. Genauso wie diese Schuldenberge über Jahre angehäuft wurden, wird es auch Jahre dauern, bis sich die Situation wieder bessert. Deshalb rechnen wir vor Ende 2018 nicht mit einer Anhebung der Zinsen.

Die Sparer sind verunsichert. Sollten sie die Niedrigzinsphase lieber aussitzen und womöglich negative Zinsen riskieren?
Dr. Ulrich Kater: Das kann angesichts des Dauerzinstiefs keine vernünftige Lösung sein, auch wenn im Fall der Sparkassen keine Strafzinsen auf Spareinlagen zu befürchten sind. Dies hat der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) klar gestellt. Da die Zinsen aber unterhalb der Inflationsrate liegen, haben die Sparer bei Spareinlagen und Tagesgeldanlagen – alle Deutschen zusammen haben 1,95 Billionen Euro in diesem Bereich angelegt – auch so einen Wertverlust. Das Beste, was man sich also für das neue Jahr vornehmen kann, ist neben Gesundheit und Fitness auch an der Optimierung der Geldanlage zu arbeiten.

Welche Anlagechancen bieten sich trotz des niedrigen Zinsniveaus? Lohnt es sich nach der zuletzt guten Wertentwicklung noch, in Aktienmärkte einzusteigen?
Dr. Ulrich Kater: Anleger müssen derzeit mindestens zwei Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaften, wenn sie Inflation und Steuern ausgleichen wollen. Es macht also Sinn, vor allem wenn man sein Geld auf längere Sicht anlegen möchte, sich mit Wertpapieren und hierbei insbesondere mit Aktien oder Unternehmensanleihen zu beschäftigen. Aktienanlagen sind nicht automatisch mit Spekulationen gleichzusetzen. Der Kerngedanke besteht darin, sich langfristig am Erfolg eines Unternehmens zu beteiligen.
Andreas Sommer: Wegen dieser Langfristigkeit ist es für eine Aktienanlage nicht entscheidend, wo zum Beispiel der DAX in einem Jahr, sondern wo er in zehn Jahren steht. Bei einem solch langen Anlagehorizont sind Renditen von durchschnittlich fünf oder sechs Prozent pro Jahr weiterhin realistisch – wenn auch mit deutlichen Schwankungen. Insgesamt rechnen wir mit einem für Aktien weiterhin konstruktiven Umfeld.

Die meisten Sparer achten nach wie vor sehr auf sichere Anlagemöglichkeiten. Wie können sie Chancen wahrnehmen, ohne große Wertschwankungen einzugehen?
Dr. Ulrich Kater: Wenn an dieser Stelle von Aktienanlagen die Rede ist, geht es nicht um einzelne Titel, sondern um Investmentfonds. Auch sie unterliegen kapitalmarktbedingten Schwankungen, die zu Verlusten führen können, sie funktionieren jedoch nach dem Prinzip der Streuung. Die breiteste Streuung hat ein international anlegender Aktienfonds, der in verschiedene Länder und dort wiederum in verschiedene Titel investiert.

Eine Anlagealternative können Zertifikate sein, welche in verschiedenen Ausgestaltungsvarianten angeboten werden. Diese können beispielsweise an die Entwicklung des Börsenindizes Eurostoxx gekoppelt sein oder haben namhafte Unternehmen im Hintergrund stehen. Die mit dieser Anlageform einhergehenden Risiken ermöglichen dem Kunden die Chance auf höhere Erträge, als sie mit einer Inhaberschuldverschreibung zu erzielen wären.
Das klingt sehr interessant, bedarf mit Sicherheit aber der genaueren Erklärung. Wie finden Sparer heraus, welche die für sie am besten geeignete Anlageform ist?
Andreas Sommer: Eine für alle passende Anlagelösung gibt es allerdings leider nicht. Wer ein gutes Gefühl bei der Anlage seines Geldes haben möchte, sollte etwas Zeit investieren und sich systematisch von einem Profi beraten lassen. Darin liegt gerade die Stärke der Sparkasse Harburg-Buxtehude. Wir führen mit jedem Kunden, der zu uns kommt, ein umfassendes Beratungsgespräch. Dadurch lernen wir seine Lebensumstände, seine Anlageziele, die Anlagesumme und seine Vorstellungen hinsichtlich Laufzeit und Verfügbarkeit kennen. Auf Basis dieser jeweils individuellen Informationen empfehlen wir dem Kunden dann Produkte, mit denen er seine Ziele erreichen kann. Die finale Entscheidung trifft natürlich der Kunde.

Wie viel Sinn macht in Niedrigzinsphasen der Grundsatz der Vermögensaufteilung auf verschiedene Anlageklassen?
Andreas Sommer: Der Grundsatz der Vermögensaufteilung macht immer Sinn. Es gibt keinen Fall, in dem man einfach alle Eier in einen Korb legen sollte. Meistens werden Berater und Kunde zu dem Schluss kommen, dass es gleichzeitig unterschiedliche Ziele mit unterschiedlichen Anlagehorizonten gibt: eine Reserve für unvorhergesehene Fälle wie die Anschaffung einer neuen Waschmaschine, die lang gehegte Traumreise oder die private Zusatzvorsorge für das Alter. Dann kommen wieder die verschiedenen Anlageklassen ins Spiel, also vor allem Aktien, Renten und Immobilien.