Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Anlegen statt stilllegen - aber wie?

Jörn Stolle, Direktor für Privatkunden im Regionalbereich Ost der Sparkasse Harburg-Buxtehude, (Foto Sparkasse Harburg-Buxtehude)
Mit diesen Tipps von Jörn Stolle, Direktor für Privatkunden im Regionalbereich Ost der Sparkasse Harburg-Buxtehude, bringen Sie Ihre Geldanlage in Schwung

"Seien Sie offen für Neues. Über das Sparbuch hinaus sollten Sie offen sein für andere Anlageformen, die langfristig mehr Rendite bringen."
Das sagt Jörn Stolle, Direktor für Privatkunden im Regionalbereich Ost der Sparkasse Harburg-Buxtehude. Stolle beantwortet in einem Interview mit der WOCHENBLATT-Redaktion viele weitere wichtige Anlegerfragen. Stolle lebt seit Jahrzehnten in Tespe, in der Winsener Elbmarsch. Er ist dort unter Anderem auch im Vereinsleben, insbesondere im Sport, sehr verwurzelt und engagiert.
Wochenblatt: Herr Stolle, wie lange dauert die Niedrigzinsphase noch an?
Stolle: "Die Niedrigzinsphase wird hierzulande noch so lange andauern, wie die europäischen Länder auf ihren Schuldenbergen, die auch zur Finanzkrise geführt haben, sitzen. Genauso wie diese Schuldenberge über Jahre angehäuft wurden, wird es voraussichtlich auch Jahre dauern, bis sich die Situation wieder bessert. Deshalb rechnen wir vor Ende 2018 nicht mit einer Anhebung der Zinsen."
WOCHENBLATT: Wie finden Sparer heraus, welche die für sie am besten geeignete Anlageform ist?
Stolle: "Eine für alle passende Anlagelösung gibt es allerdings leider nicht. Wer ein gutes Gefühl bei der Anlage seines Geldes haben möchte, sollte etwas Zeit investieren und sich systematisch von einem Profi beraten lassen. Darin liegt gerade die Stärke der Sparkasse Harburg-Buxtehude. Wir führen mit jedem Kunden, der zu uns kommt, ein umfassendes Beratungsgespräch. Dadurch lernen wir seine Lebensumstände, seine Anlageziele, die Anlagesumme und seine Vorstellungen hinsichtlich Laufzeit und Verfügbarkeit kennen. Auf Basis dieser jeweils individuellen Informationen empfehlen wir dem Kunden dann Produkte, mit denen er seine Ziele erreichen kann. Die finale Entscheidung trifft natürlich der Kunde."
WOCHENBLATT: Wie viel Sinn macht in Niedrigzinsphasen der Grundsatz der Vermögensaufteilung auf verschiedene Anlageklassen?
Stolle: "Der Grundsatz der Vermögensaufteilung macht immer Sinn. Es gibt keinen Fall, in dem man einfach alle Eier in einen Korb legen sollte. Meistens werden Berater und Kunde zu dem Schluss kommen, dass es gleichzeitig unterschiedliche Ziele mit unterschiedlichen Anlagehorizonten gibt: eine Reserve für unvorhergesehene Fälle wie die Anschaffung einer neuen Waschmaschine, die lang gehegte Traumreise oder die private Zusatzvorsorge für das Alter. Dann kommen wieder die verschiedenen Anlageklassen ins Spiel, also vor allem Aktien, Renten und Immobilien."
WOCHENBLATT: Wie sollten Bankkunden auf die neue Situation reagieren?
Stolle: "Die niedrigen Zinsen werden die Anleger laut Prognose der Deka-Volkswirte auch in diesem Jahr begleiten. Wer nur auf das Tagesgeld und festverzinsliche Anlagen setzt, lässt sich Renditechancen entgehen. Denn spätestens, wenn die Inflation wieder Fahrt aufnimmt, verliert das Geld auf dem Konto an Kaufkraft. Um das zu verhindern, sollten sich die Kunden lieber über andere Anlageformen Gedanken machen. Wer keine Lust auf stundenlange Recherche im Internet hat, sollte einen Beratungstermin in der Sparkasse vereinbaren. Unsere Berater gehen mit dem Kunden dessen aktuelle Finanzsituation durch und beantworten alle Fragen. Abhängig von den Zukunftsplänen der Kunden machen sie Vorschläge, wie die Kunden ihren Anlagezielen näher kommen können."
WOCHENBLATT: Welche Alternativen gibt es zum Sparbuch als Anlageform?
Stolle: "Wir raten unseren Kunden, offen für Neues zu sein. Die meisten wissen längst, dass das Sparbuch als Anlageform bei den aktuellen Niedrigzinsen wenig sinnvoll ist. Doch beim Wort 'Wertpapiere' schrecken viele zusammen. Mein Tipp: Seien Sie offen für andere Anlageformen wie beispielsweise Aktien! Viele vergessen, dass dahinter immer ein realer wirtschaftlicher Wert steht, nämlich das jeweilige Unternehmen. Wer Aktien kauft, kann somit am Erfolg der Firma und deren Produkte teilhaben und dadurch Rendite erwirtschaften. Wenn unsere Kunden nicht in einzelne Papiere investieren möchten, sollten sie sich breit anlegende Investmentfonds genauer ansehen. Diese gelten als eine der wenigen Anlageformen, bei denen man vom Jahreszins profitieren kann. Das heißt nichts anderes, als das das Geld unserer Kunden für sie arbeitet. Erzielt der Fonds eine positive Rendite, wird diese wieder angelegt und kann weitere Erträge erwirtschaften. Damit beschleunigt der Kunde seinen Vermögensaufbau. Welcher Fonds jeweils für die Kunden geeignet sein könnte, hängt natürlich davon ab, wieviel Risiko der Kunde eingehen möchte. Bei einem Gespräch in der Sparkasse machen die Berater dem Kunden einen auf seine Rendite/Risikoprofil abgestimmten Anlagevorschlag. Anlieger sollten jedoch beachten, dass Fonds mit einem speziellen Anlageschwerpunkt grundsätzlich ein stärker ausgeprägtes Risiko- und Ertragspotenzial haben als Fonds mit breiter Streuung. Das bildet zum einen die Grundvoraussetzung für höhere Kurschancen, bedeutet zum anderen aber auch ein höheres Risiko. Eine rückläufige Entwicklung des Gesamtmarktes sowie Schwächen einzelner Aktienmärkte können die Kursentwicklung zudem negativ beeinträchtigen.
WOCHENBLATT: Wie wichtig ist es, dass Kunden auf eine Notfallreserve zurückgreifen können?
Stolle: "Es ist sehr wichtig, dass Kunden bei ihrer Geldanlage an Unvorhergesehenes denken. Das Zauberwort heißt "Diversifikation" oder auch einfach Streuung. Das betrifft beispielsweise den Sparhorizont der Kunden. Grundsätzlich brauchen Sparkassen-Kunden Geld, über das sie verfügen können. Hier hat das Sparbuch oder Tagesgeldkonto seine Berechtigung. Als Faustregel gilt, dass ungefähr zwei bis drei Nettoeinkommen als Notreserve eingeplant werden sollten - für den kaputten Kühlschrank oder die Nebenkosten-Nachzahlung. Mit dem Geld, was dem Kunden darüber hinaus zur Verfügung steht, sollte er arbeiten. Mittelfristig, also für mehrere Jahre, könnte ein vermögensverwaltener Fonds mit unterschriedlichen Aktienquoten sinnvoll sein. Mischfonds, die in verschiedene Anlageklassen investieren, sind ebenfalls eine Option. Langfristig sollten Kunden an Geldanlagen denken, die ihre Altersvorsorge sichert wie etwa fondsbasierte Riester-Verträge. Dabei sollte aber unbedingt beachtet werden, dass sich kapitalbedingte Währungs- und Wertschwankungen negativ auf die Anlage auswirken können."
WOCHENBLATT: Wie kann sich der Kunde vor Schwankungen und Verlusten der Kapitalmärkte absichern?
Stolle: "Streuen macht für die Kunden nicht nur zeitlich Sinn, sondern auch im Hinblick auf die Ausrichtung ihrer Geldanlagen. Denn Kapitalmärkte können jederzeit schwanken und zu Verlusten führen. Daher sollten Kunden in unterschiedliche Branchen und Länder investieren und auch bei der Anlageklasse variieren - ob Anleihen, Aktien oder Währungen. Die Verluste eines Werts können so gegebenenfalls durch die Gewinne anderer Werte abgefedert werden."
WOCHENBLATT: Welchen Sparplan können Sie Ihren Kunden empfehlen?
Stolle: "Entscheidend ist, dass die Kunden regelmäßig und sinnvoll sparen. Wer die Nachrichten von der Frankfurter Börse verfolgt, fragt sich sicher, woher man wissen soll, wann der richtige Einstiegszeitpunkt ist. Diese Frage kann niemand im Voraus seriös beantworten. Genau dafür gibt es den Sparplan. Der Kunde zahlt regelmäßig einen Betrag ein und kann langfristig vom Durchschnittskosteneffekt profitieren. In schwachen Marktphasen erhält der Kunde für dieselbe Sparrate mehr Fondsanteile, weil sie günstiger werden. Geht es aufwärts, erwirtschaften diese natürlich genauso Rendite. Kapitalmarktbedingte Wertschwankungen können jedoch zu Verlusten im Depot führen. Auch Währungsschwankungen an den Devisenmärkten können die Fondsperformance belasten. Bei Fonds mit einer Kapitalgarantie zum Ende der Anlageperiode bzw. zum Laufzeitende entfällt die Garantie bei der vorzeitigen Rückgabe."
WOCHENBLATT: Herr Stolle, vielen Dank für das Gespräch.