Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Auch die Industrie- und Handelskammer Stade will bei der Ärztesuche für ländliche Regionen helfen

Der falsche Weg, meint Michael Schmitz von der KVN: Mit romantischen Bildern von grasenden Kühen lassen sich keine Ärzte aufs Land locken
 
Arbeiten jetzt bei der Ärztesuche Hand in Hand, (v. hinten li.): Hubert Bühne, Felix Hiemer (beide IHK), Michael Schmitz, Heiko Pracht, Mark Barjenbruch (alle KVN), Dr. Ralf Trabandt, Maike Bielfeldt (beide IHK) und Dr. med. Stephan Brune (KVN) (Foto: Aleksandra Maria Mleczko)
am. Stade. Es gibt einige Kommunen im Landkreis Stade, die um ihre Ärzteversorgung bangen. Diese werden die Allianz zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade begrüßen. Die neuen Partner haben am vergangenen Mittwoch einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, der bisher einzigartig in Deutschland ist. Sie wollen dem Ärztemangel in der Region gemeinsam entgegenwirken.
Momentan fehlen zwar im Landkreis Stade noch nicht viele Ärzte, ein Blick auf das Durchschnittsalter der Allgemeinmediziner in der Region verrät aber, dass sich das bald radikal ändern könnte: Ein Drittel der Ärzte ist 60 Jahre alt oder älter. Bevor diese den Arztkittel ablegen, müssen neue Mediziner nachrücken, sonst droht eine eklatante Unterversorgung bis zu 71 Prozent.
Die gute Nachricht, die Mark Barjenbruch, Vorstandsvorsitzender der KVN, im Gepäck hat, ist: "Es gibt prinzipiell genügend Ärzte in Deutschland." Sie müssen nur die Selbstständigkeit wagen und vom Praktizieren in einer ländlichen Gegend überzeugt werden.
Bilder von Kühen auf einer Wiese, wie sie etwa die Ärztezeitung verwendet, seien da wenig hilfreich, sagt Michael Schmitz, Geschäftsführer der KVN-Niederlassung Stade. Denn es vermitle einen falschen Eindruck. Dörfer und Kleinstädte hätten viel mehr zu bieten.
Die momentane Lösungsformel sei - darüber sind sich die Partner einig - das Umfeld attraktiv zu gestalten. Auch die Partner der zugezogenen Ärzte wollen in der Regel arbeiten. Hier gilt es, diese bei der Jobsuche zu unterstützen. "Die IHK weiß, wo Arbeit ist", so Barjenbruch. Viele Kommunen sind bemüht, ein familienfreundliches Umfeld mit guten Schulen und Kitas zu schaffen.
Die IHK will darüber hinaus beratend tätig sein. Junge Ärzte seien oft verunsichert, was mit der Selbstständigkeit auf sie zukommt", so die Erfahrung der KVN-Vertreter. "Mediziner lernen nicht, wie man eine Praxis leitet", sagt Dr. med. Stephan Brune, Bezirksausschussvorsitzender der KVN-Bezirksstelle Stade. Beispiele von Fehlinvestitionen und wirtschaftliche Probleme können abschreckend wirken.
Die IHK hat deswegen drei Punkte auf ihre Agenda gesetzt: "Wir bieten eine Existenzgründungsberatung für Mediziner an, Weiterbildungen in Betriebsführung und wir unterstützen Ärzte bei einer Niederlassung als Träger öffentlicher Belange bei Raumordnungsverfahren," sagt Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK.
Von einer Win-win-Situation für beide Parteien spricht IHK-Vizepräsident Dr. Ralf Trabandt. Die Kooperation mit der KVN sei für die Kammer wichtig, da auch die Wirtschaft auf eine gute ärztliche Versorgung angewiesen sei. "Wir wollen die Gesundheitswirtschaft stärker in den Fokus rücken, sagt Trabandt. Als klassischer weicher Faktor ist eine gute medizinische Struktur beispielsweise ein Argument für die Niederlassung von Firmen. Zudem mache im Elbe-Weser-Dreieck die Gesundheitswirtschaft mit Krankenhäusern, Altenheimen oder Herstellern von medizinischen Produkten 17,8 Prozent der Wirtschaftsbetriebe aus.