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Griechenland raus aus dem Euro und weiter mit Putin reden

Gastgeber Heinz Lüers, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Harburg-Buxtehude (links), mit Guido Knopp (5. von rechts) und der Präsidentin und den Präsidenten der Harburger Serviceclubs. (Foto Sparkasse Harburg-Buxtehude)
 
Guido Knopp. (Foto Sparkasse Harburgg-Buxtehude)

Prof. Dr. Guido Knopp zieht auf Einladung der Sparkasse Harburg-Buxtehude 200 Gäste beim Jahrestreffen aller Harburger Serviceclubs am 22. April in seinen Bann.


Vier Mal schon hatte die Sparkasse Harburg-Buxtehude die in Harburg ansässigen Serviceclubs zum gemeinsamen Jahrestreffen in ihre Filiale am Sand in Harburg eingeladen. Eine Resonanz wie jetzt hatte es aber noch nie gegeben. Die These, es könne am ungewohnten Termin – April statt November – liegen, verwies der Vorstandsvorsitzende Heinz Lüers, der jüngst seinen 60. Geburtstag gefeiert hatte, sogleich ins Reich der Fabeln. Er und die 200 Besucher in der Kundenhalle waren vor allem aus einem Grund gekommen. Sie wollten hören, was einer der bekanntesten deutschen Historiker zum Thema „Europa und wir – wir und Europa“ zu sagen hatte.
Prof. Dr. Guido Knopp ist der Öffentlichkeit in erster Linie durch die Fernsehsendung „ZDF History“ bekannt. Bis zu seinem Renteneintritt 2013 leitete der 67-Jährige fast 30 Jahre lang die ZDF-Redaktion Zeitgeschichte und erhielt für sein Wirken viele Preise, unter anderem den Deutschen Fernsehpreis, die Goldene Kamera und das Bundesverdienstkreuz. „Sie haben es geschafft, Millionen Zuschauern die Geschichte verständlich zu erklären, ohne uns dabei zu langweilen“, sagte Heinz Lüers. „Herr Knopp, Sie fehlen uns! Umso glücklicher sind wir, Sie heute hier bei uns zu haben.“
Der so Gelobte zog die Zuhörer gleich mit den ersten Worten seiner so markanten und auch vertrauten Stimme in seinen Bann. Und Guido Knopp hielt sich nicht lange mit Vorgeplänkel auf. „Griechenland hält sich nur deshalb im Euro, weil sich niemand traut, ein Machtwort zu sprechen. Beendet das traurige Spiel!“, forderte er in einem der ersten Sätze. Der Euro sei stärker ohne Griechenland. Seiner Meinung nach solle Griechenland zwar in der Europäischen Union verbleiben, dafür aber aus dem Euro austreten und könne dann mit der Drachme gesunden. Ein Träumer sei, wer daran glaube, dass die 240 Milliarden Euro aus den Rettungspaketen jemals von Athen zurückgezahlt werden könnten.
Prof. Dr. Guido Knopp nahm die Besucher mit auf „101 Jahre deutsche Geschichte im Schnelldurchlauf“. Auf der spektakulären Reise von 1914 bis in die Gegenwart wurde es dank der Anekdoten und ungewöhnlichen Blickwinkel aus Knopps persönlichem Erleben nie langweilig. Beispiele gefällig? „Die Zeit von 1914 bis 1945 war der 30-jährige Krieg des 20. Jahrhunderts, weil zwischen beiden Weltkriegen kein wirklicher Friede herrschte.“ „Die deutsche Teilung von 1945 bis 1989 war so etwas wie die späte Rache des Tyrannen Hitler am deutschen Volk.“ „Die Aussage von Schabowski in der Pressekonferenz am 9. November 1989 war der schönste Fehler der deutschen Geschichte.“ „Gorbatschow ist der Vater der Einheit, um den Preis des Zerfalls der alten Sowjetunion.“
Am Ende seines fast 70-minütigen Vortrags machte Prof. Knopp deutlich, dass die Welt nicht mehr in Schwarz und Weiß einzuteilen sei, wie es in Zeiten des Kalten Krieges Usus gewesen sei. „Sie schimmert heute grau.“ Für unser Land und speziell die Bundesregierung formulierte der Historiker drei zentrale Aufgaben. Erstens müsse Deutschland dabei helfen, die europäische Idee zu vertiefen. „Wir sind das Land in der Mitte von Europa und damit verpflichtet, den Laden zusammen zu halten“, so Knopp, „es liegt an uns, ob der europäische Einigungsprozess fortgesetzt wird oder ob Europa an den Rändern ausfranst.“
Zweitens müsse die Freundschaft zu den USA erhalten bleiben bzw. erneuert werden – trotz NSA-Affäre. „Die USA haben uns nach dem 2. Weltkrieg als Erste die Hand gereicht, sie waren unsere (Atom-)Schutzmacht zu Zeiten des Kalten Krieges und waren auch die Ersten, die die deutsche Einheit befürwortet haben“, erinnerte Knopp. Und drittens müsse das Werben um halbwegs vernünftige Beziehungen zu Russland intensiviert werden. Die Geschichte habe gezeigt, dass es beiden Ländern dann gut gehe, wenn sie halbwegs friedliche Beziehungen unterhielten. Das bedeute nicht, dass man Putins Handeln durch die Bank gut finden müsse. „Manchmal muss man Putin auch die Faust zeigen. Wir müssen rational und umsichtig mit Putin umgehen und gelegentlich auch ganz kühl unsere eigenen Interessen durchsetzen“, so die Empfehlung von Prof. Dr. Guido Knopp.
Der lang anhaltende Applaus in der Filiale der Sparkasse Harburg-Buxtehude zeigte, dass Knopp inhaltlich und menschlich den richtigen Ton getroffen hatte. Begeistert war auch Bernd Meyer, Leiter des S-KompetenzCenters Bauträger: „Danke für diese klaren Aussagen zu Europa. Ich hätte Ihnen noch stundenlang weiter zuhören können.“ Bevor Meyer den abschließenden Imbiss und den gewünschten regen Meinungsaustausch aller Teilnehmer eröffnete, bekräftigte er die Absicht einer großen gemeinsamen Veranstaltung aller Harburger Serviceclubs für Anfang 2016.
Am Jahrestreffen 2015 nahmen Mitglieder folgender Clubs teil: Lions-Club Hamburg-Harburg Hafen, Lions-Club Harburger Berge, Lions-Club Harburg-Altstadt, Lions-Club Hamburg-Süderelbe, Rotary-Club Hamburg-Haake, Rotary-Club Hamburg-Harburg, Round Table 28, Old Table 28 und Inner Wheel Club.