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Immer weniger Menschen machen sich in Niedersachsen selbstständig

Gründerzentrum in Winsen: Der Boom der letzten Jahre ist in der Gründer-Szene vorbei (Foto: archiv)

NIHK: Niedersachsen gehen die Gründer aus

(nw). Immer weniger Menschen in Niedersachsen haben Interesse an einer beruflichen Selbstständigkeit: Im Jahr 2012 waren es nur noch 27.685 Vollzeit-Gründer, 14,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch wenn gleichzeitig die Zahl der Betriebsaufgaben leicht zurückgegangen ist, bleibt der Gründungssaldo nach Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) erstmalig seit dem Jahr 2008 negativ.
Verantwortlich macht Holger Bartsch, Sprecher für Existenzgründung beim Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertag (NIHK), dafür die gute Arbeitsmarktlage, die den Mut zur Selbstständigkeit dämpfe. Auch sei zu beobachten, dass die Gründungen weniger innovativ würden.
Es fehlten zunehmend neue Ideen, um das Produkt- und Dienstleistungsangebot zu modernisieren und zu erweitern und so den Wettbewerb zu beleben und letztlich auch neue Arbeitsplätze zu schaffen. „Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist dieser Rückgang des Gründungsinteresses für die niedersächsische Wirtschaft alarmierend“, warnt Bartsch im aktuellen Fokus Niedersachsen.
Er fordert die Politik auf, die Vergabe von Fördermitteln so zu gestalten, dass sie den Gründern den Start bestmöglich erleichtern: wenige, dafür bundesweit abgestimmte Programme, revolvierende Fonds statt Zuschussförderung, zentrale Vergabe bei der NBank und kurze Entscheidungswege. Auch seien der Bürokratieabbau für Existenzgründer und eine bessere Verankerung des Themas Selbstständigkeit im Bildungssystem unerlässlich.
Betrachte man die Gründungen nach Branchen, ergebe sich für den Dienstleistungssektor insgesamt noch ein recht positives Bild, er liege mit 77 Prozent der haupt- und nebenberuflichen Existenzgründungen ganz vorne, so der NIHK-Sprecher. Die höchsten Zahlen gebe es in diesem Bereich mit 10.139 Neugründungen im Einzelhandel. Auch hier betrage der Rückgang aber bereits fast zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Besonders düster sehe es in der Branche der Energieversorger aus: Im Bereich Photovoltaik sei die Zahl der Gründer in Niedersachsen auf 2.363 zurückgegangen, rund 44 Prozent weniger als noch in 2011.
„Interessant ist, dass Frauen offensichtlich weniger auf Änderungen der Arbeitsmarktlage und Konjunktur reagieren als Männer“, betont Bartsch. Habe sich doch die Zahl der Gründerinnen gegenüber dem Vorjahr nur um acht Prozent auf 17.306 verringert und die der Männer um elf Prozent auf zuletzt 39.422. Insgesamt sei etwa ein Drittel der Gründer weiblich.
Hintergrund: IHK-Mentor – Online-Hilfe für Gründungswillige
Hilfestellung bekommen Gründungswillige bei den Industrie- und Handelskammern – entweder bei den Einstiegsgesprächen mit den Existenzgründungsberatern oder aber online durch den IHK-Mentor, ein kostenloses und für jedermann zugängliches Informations- und Planungsinstrument, das im Jahr 2012 bereits von 1.382 Gründern im NIHK-Bereich genutzt wurde.