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Interview mit der Chefin der IHK Stade, Maike Bielfeldt: "Das ist uns eine Herzensangelegenheit"

am. Stade. Maike Bielfeldt (45) ist die erste weibliche Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade für den Elbe-Weser-Raum. Die Diplomvolkswirtin leitet seit 2014 die Geschicke der Kammer, die die Interessen der Unternehmen in der Region vertritt und Aufgaben wie Ausbildung, Förderung und Beratung übernimmt. Als Akteur und wichtiger Mitgestalter von Diskussionen ist die IHK nicht mehr aus der Region wegzudenken. Das WOCHENBLATT hat Maike Bielfeldt gefragt, wie die IHK den aktuellen Trends und Herausforderungen unserer Gesellschaft begegnet.

WOCHENBLATT: Die IHK präsentiert sich auf Onlineplattformen, wie Facebook, Twitter und Xing. Welche Bedeutung haben diese Sozialen Netzwerke für die Kammer?
Maike Bielfeldt: Unser Facebook-Auftritt zielt im Bereich Bildung auf die Unter-25-Jährigen ab. Wir veröffentlichen dort beispielsweise die Jahresbesten oder aktuelle Neuigkeiten, wie neue Kursangebote. Aber auch die anderen Plattformen bieten gute Kommunikationsmöglichkeiten und werden gut angenommen.

WOCHENBLATT: Inwiefern nutzen Sie persönlich das Internet als Informationsquelle?
Maike Bielfeldt: Ich lese viel online und schaue auch mal Videos. Die Aktualität, die das Internet bietet, kann eine Zeitung nicht liefern. Das konnten wir gerade kürzlich bei den Terroranschlägen in Paris wieder feststellen. Aber ich bleibe auch den Print-Medien treu. Ich liege gern auf dem Sofa und lese Zeitung.

WOCHENBLATT: Während Ihrer Zeit als Hauptgeschäftsführerin haben Sie die Treffen der Frauennetzwerke ins Leben gerufen. Was muss man sich darunter vorstellen?
Maike Bielfeldt: Wir haben Frauen aus der Wirtschaft eingeladen, um ihnen eine Möglichkeit zur Vernetzung zu geben und hatten eine sehr gute Resonanz. Wir haben festgestellt, dass Frauen aus der Wirtschaft ein großes Bedürfnis haben, sich auszutauschen.

WOCHENBLATT: Gibt es denn bisher keine Netzwerke?
Maike Bielfeldt: Die gibt es, aber wir verbinden alle aus dem gesamten Elbe-Weser-Raum und wir laden auch Frauen aus der Politik ein, die Bürgermeisterin Silvia Nieber zum Beispiel oder auch die Gleichstellungsbeauftragten.

WOCHENBLATT: Und haben sich die Frauen vernetzt?
Maike Bielfeldt: Ja, die Frauen sind sehr aktiv. Es haben sich zwei Arbeitsgruppen gebildet. Eine beschäftigt sich mit einem Siegel für familienfreundliche Unternehmen, eine andere hat ein Positionspapier "Starke Frauen" erarbeitet, das übrigens bei dem nächsten Netzwerktreffen am 1. Dezember vorgestellt wird. Bei der Veranstaltung werden erfolgreiche Frauen, darunter auch zwei Leistungssportlerinnen des Bundesliga-Handball-Vereins Buxtehude, über ihre Wege zum Erfolg sprechen, auch im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

WOCHENBLATT: Was müsste sich da Ihrer Meinung nach in der Gesellschaft noch ändern?
Maike Bielfeldt: Ich glaube, es hat sich schon sehr viel getan. Wir haben viele weibliche Führungskräfte und zwei weibliche Bürgermeisterinnen im Landkreis. Wir reden nur nicht darüber. Eine Herausforderung ist vielleicht weiterhin der Sprung in die Führungsposition.

WOCHENBLATT: Sie haben den Sprung in die Führungsposition geschafft und sind gleichzeitig Mutter. Wie schaffen Sie den Spagat?
Maike Bielfeldt: Mit viel Organisation. Ich mache mir einen Drei-Monats-Plan, in dem ich alle Termine plane. Übrigens glaube ich nicht, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nur ein weibliches Problem ist. Das betrifft beide Eltern. Und heute ist der Termin des Mannes nicht unbedingt der wichtigere.

WOCHENBLATT: Kommen wir zu einem anderen Thema, das momentan alle beschäftigt: die Flüchtlinge bei uns im Land. Wie ist diese Situation aus Sicht der Wirtschaft und der IHK zu bewerten?
Maike Bielfeldt: Die Vollversammlung der IHK hat einen Beschluss gefasst, indem sie die Willkommenskultur propagiert und Zuwanderung als Chance für die wirtschaftliche Entwicklung des IHK-Bezirks sieht. Das ist uns eine Herzensangelegenheit.

WOCHENBLATT: Was wird denn die IHK für diese Menschen tun?
Maike Bielfeldt: Wir konzentrieren uns auf die Ausbildung der Unter-25-Jährigen. Das Problem ist momentan, dass die Situation so unübersichtlich ist: Wer bleibt wo wohnen? Welche Kenntnisse sind vorhanden? Aus der Vollversammlung hat sich ein Arbeitskreis gebildet, der den Ist-Zustand erfasst und erarbeitet, was zu tun ist. Genaueres können wir daher erst in einigen Monaten sagen.