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Jede Menge Lehrstellen frei

Auch die Bäcker-Innung berichtete zuletzt, dass es für viele Betriebe zunehmend schwieriger sei, geeignete Bewerber zu finden (Foto: Pixelio/Paul-Georg Meister)
(bc). Der Stellenmarkt für Auszubildende befindet sich grundlegend im Wandel. Schuld ist die Demografie. Es gibt immer weniger Jugendliche und damit immer weniger Bewerber. "Firmen, die früher 250 Bewerbungsmappen bekommen haben, bekommen heute nur noch 50", sagt Susanne Serbest, Sprecherin der Agentur für Arbeit Stade.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Stader Agenturbezirk meldeten sich seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober vergangenen Jahres 3.735 Bewerber für Ausbildungsstellen - 7,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Ende Mai waren 2.149 Bewerber ohne Stelle, gleichzeitig aber 1.362 Ausbildungsplätze frei.

Ähnlich ist die Situation im Bezirk der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen, zu dem auch der Landkreis Harburg gehört: Insgesamt verzeichnete die Agentur mit 3.914 Bewerbern einen Rückgang um 7,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ende Mai waren 2.107 Bewerber noch unversorgt, obwohl 1.323 Stellen unbesetzt sind.

Wieso haben Ausbildungsbetriebe zunehmend Schwierigkeiten, geeignete Lehrlinge zu finden? Zuletzt berichteten u.a. Bäcker-, Fleischer- und Friseur-Innung sowie die Innung für Elektrotechnik, dass es für Betriebe immer schwieriger sei, Auszubildende zu bekommen, die die Lehre durchhalten und die Gesellenprüfung bestehen. Sind die Teenager zu doof? "Sicher nicht. Man kann nicht alle Jugendlichen über einen Kamm scheren", betont Serbest.

Über die steigende Zahl freier Ausbildungsplätze berichtet auch die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Viele kleine und mittelständische Unternehmen suchen mit Hochdruck. "Wir haben derzeit zirka 90 freie Plätze in unserer Lehrstellenbörse", sagt Kammer-Geschäftsführer Frank Twele.

Viele Bewerber konzentrieren sich auf beliebte Berufe wie KfZ-Mechaniker, Bürokaufmann und Elektroniker. "Für andere interessante Ausbildungen wie Anlagenmechaniker oder Metallbauer bewerben sich dagegen sehr wenige junge Leute", so Twele.

Die Kammer setze daher verstärkt auf die neuen Medien bei der Bewerbersuche. Stichwort Lehrstellen-App oder Facebook. Darüber hinaus beschäftige die Kammer einen sogenannten Ausbildungsmatcher, der seit 2011 rund 450 junge Leute vermittelt habe, berichtet Twele.

Dass die Jugend heutzutage zu doof für einen Ausbildungsplatz ist, hält Ralf Dietz (48), Inhaber der Bäckerei Dietz in Hedendorf, für Quatsch: "Die Bewerber sind nicht dümmer als vor 30 Jahren", sagt Dietz. Einzig gesellschaftliche Umgangsformen seien bei einigen Schulabsolventen teilweise zu wenig ausgeprägt. Dietz, der bei 80 Mitarbeitern aktuell zwölf Auszubildende beschäftigt, ist sich sicher: "Attraktive Betriebe haben immer gute Chancen, geeignete Bewerber zu finden." Nur der Weg dahin habe sich entscheidend geändert: "Früher konnten wir unter vielen Bewerbungen wählen, heute suchen wir aktiv nach Lehrlingen."

Der Betriebswirt weist darauf hin, dass es auch Studiengänge im Handwerk gibt: "Wir suchen sowohl gute Hauptschüler als auch Gymnasiasten." Je eine Lehrstelle im Verkauf und in der Produktion sei bei der Bäckerei Dietz noch frei.