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Sepa-Reform droht zu scheitern

EU-Zentrale in Brüssel: Hinter diesen Fenstern wird mancher Unsinn ausgebrütet - unter anderem das neue Zahlungssystem (Foto: Pixelio/Rolf Handtke)
(bc). Der Start des neuen einheitlichen europäischen Zahlungssystems Sepa (englisch: Single Euro Payments Area), mit dessen Einführung auch die 22-stellige IBAN-Nummer eingeführt werden soll, droht zu scheitern. Gut sechs Monate vor Inkrafttreten läuft nach einer Umfrage der renommierten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft "PwC" ein Drittel der europäischen Unternehmen Gefahr, die Umstellung nicht bis zum Stichtag 1. Februar 2014 zu schaffen. Ein Viertel der Befragten habe sich mit Sepa noch nicht einmal beschäftigt. Ist eine flächendeckende Umstellung überhaupt realistisch? Das WOCHENBLATT fragt nach.

Bernd Otto, Sepa-Experte bei der Sparkasse Harburg-Buxtehude, mahnt: "Für Unternehmen und auch für Vereine sind keinerlei Übergangsfristen geplant." Eike Thiel von der Industrie- und Handelskammer Stade sagt: "Wer nicht umstellt, wird wohl Schiffbruch erleiden." Beide warnen vor Liquiditätsengpässen, wenn Unternehmen die Reform ignorieren. Der bargeldlose Zahlungsverkehr wäre lahmgelegt.

Aber können die Banken eine verordnete Reform auf Teufel komm raus umsetzen, ohne ihre Kunden mitzunehmen? Obwohl viele Firmen, insbesondere Mittelständler und Kleinunternehmen, von deren Wirtschaftskraft die Banken letztendlich leben, an der Reform nicht teilnehmen? Jüngst veröffentlichte Zahlen der Bundesbank sollten alarmieren. Bis Mitte Juni wurden bei der Bundesbank lediglich 500.000 sogenannte Gläubiger-Identifikationsnummern online beantragt. Eine sehr geringe Anzahl bei bundesweit ca. 3,6 Mio. registrierten Unternehmen. Die Gläubiger-ID ist aber zwingend notwendig, um am Sepa-Lastschriftverfahren teilnehmen zu dürfen.

Wie berichtet, dürfen Banken ab dem 1. Februar 2014 nach dem Willen der Eurokraten Überweisungen und Lastschriften von Unternehmen und Vereinen ausschließlich im Sepa-Datenformat annehmen und ausführen. Ab dann ist für Zahlungen im Geschäftsverkehr ausschließlich die 22-stellige IBAN-Nummer von Bedeutung. Kann das funktionieren?

Die Uhr tickt. Die Sepa-Einführung kostet viel Zeit. Sämtliche Daueraufträge müssen geändert werden. Unternehmen sind gezwungen, Kunden- und Lieferanten-Stammdaten umzustellen. Buchhaltungssoftware und Auftragsabwicklungsprogramme müssen angepasst, Geschäftspapier neu gedruckt sowie Einzugsermächtigungen überprüft werden. Drei bis sechs Monate schätzen Experten dauert die Umstellung, bei der oft Kosten in nicht unwesentlicher Höhe entstehen. Eckhard Sudmeyer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade sieht noch dringende Aufklärungsarbeit bei vielen Firmen.

Die Unternehmen sind die eine Seite, aber was machen die Vereine? Was mutet man den vielen ehrenamtlichen Helfern zu? Schaffen es die Kassenwarte die Einführung nicht umzusetzen, droht die Vereinskasse leerzubleiben, falls Mitgliedsbeiträge nicht mehr eingezogen werden können. Zu befürchten ist bei der umständlichen Sepa-Lastschrift auch, dass das Spendenaufkommen geringer wird.

Martina Schrader, Schatzmeisterin des 180 Mitglieder starken Kulturvereins Neu Wulmstorf, hat sich mit der Umstellung beschäftigt. Einige Abende seien dabei draufgegangen. "Es ist schon sehr arbeitsintensiv", sagt sie. Jedem Mitglied müsse eine sogenannte Mandatsreferenznummer zugewiesen werden, jedes Mitglied müsse postalisch über die Umstellung informiert werden.

Dieter Kettler, Kassenwart beim Harsefelder Pfadfinderstamm "Horse", hält den Aufwand für überflüssig: "Das System hat doch vorher sehr gut funktioniert." Elfie Figgen, Vorsitzende der "Bunten Blumen Jork", formuliert es noch ein wenig drastischer: "Die Umstellung ist ein großer Scheibenkleister. Sie mag ja für den Zahlungsverkehr mit dem Ausland sinnvoll sein, aber doch nicht innerhalb der Republik."

Tatsächlich ist das Ziel der Sepa-Einführung, den Zahlungsverkehr im europäischen Binnenmarkt zu vereinfachen. Eine gute Absicht. Doch jetzt kämpfen abertausende Kleinbetriebe und Vereine in Deutschland mit der Umsetzung. Obwohl sie wahrscheinlich nie Geschäfte mit dem Ausland abwickeln werden. Ein betroffener Mittelständler sieht die Sache so: "Was wollen die eigentlich machen, wenn wir uns alle quer stellen?"